Naturwissenschaft und Management
19.06.08
Gefunden von Chris Wood (CB):
Ein Mann in einem Heißluftballon hat die Orientierung verloren. Er geht tiefer und sichtet eine Frau am Boden. Er sinkt noch weiter ab und ruft:
“Entschuldigung, können Sie mir helfen? Ich habe einem Freund versprochen, ihn vor einer Stunde zu treffen; und ich weiß nicht wo ich bin.”
Die Frau am Boden antwortet:
“Sie sind in einem Heißluftballon in ungefähr 10 m Höhe über Grund. Sie befinden sich auf dem 49. Grad, 28 Minuten und 11 Sekunden nördlicher Breite und 8. Grad, 28 Minuten und 58 Sekunden östlicher Länge.”
“Sie müssen Ingenieurin sein” sagt der Ballonfahrer.
“Bin ich”, antwortet die Frau, “woher wissen Sie das?”
“Nun”, sagt der Ballonfahrer, “alles was sie mir sagten ist technisch korrekt, aber ich habe keine Ahnung, was ich mit Ihren Informationen anfangen soll, und Fakt ist, dass ich immer noch nicht weiß, wo ich bin. Offen gesagt, waren Sie keine große Hilfe. Sie haben höchstens meine Reise noch weiter verzögert.”
Die Frau antwortet: ”Sie müssen im Management tätig sein.”
“Ja,” antwortet der Ballonfahrer, “aber woher wissen Sie das?”
“Nun,” sagt die Frau, “Sie wissen weder wo Sie sind, noch wohin Sie fahren. Sie sind aufgrund einer großen Menge heißer Luft in Ihre jetzige Position gekommen. Sie haben ein Versprechen gemacht, von dem Sie keine Ahnung haben, wie Sie es einhalten können und erwarten von den Leuten unter Ihnen, dass sie Ihre Probleme lösen. Tatsache ist, dass Sie nun in der gleichen Lage sind, wie vor unserem Treffen, aber merkwürdigerweise bin ich jetzt irgendwie schuld!“
CW
Kaum werden Öl und Gas teuerer (und wohl auch knapper), schon ruft die ganze Welt nach Kernkraft und Kohle.
Ist denn vergessen worden:
- dass noch in den 60iger Jahren Mutters saubere Wäsche an der Leine im Garten nur zu oft schwarz vom Ruß wurde,
- dass ohne des Einsatzes von Pumpen mit Energiekosten von mindestens 100 Millionen EURO pro Jahr (ich habe auch schon sehr viel höhere Zahlen gehört) das Ruhrgebiet eine Seen-Landschaft und die Stadt Essen “Wasser unter” wäre (siehe auch “Pumpen bis in die Ewigkeit“),
- dass man in Bergbau-Gebieten kein Haus mehr bauen darf, ohne das Bergbauamt abzufragen - nur zu leicht könnte das neue Haus sonst ein paar Stockwerke tief in den Boden versinken,
- dass wir unseren Kohlebergbau zwar vor allem aus kaufmännischen Gründen “ausgephast” haben (obwohl ich schon befürchtet habe, dass am Ende dieses Prozesses die Produktion ohne Berücksichtigung der Folgeschäden scheinbar profitabel sein dürfte und soweit sind wir heute ja fast),
- dass der Braunkohleabbau (wie auch der Uran-Abbau - siehe Wismut Aue) ganze Landschaften zerstört hat,
- dass der Kohlenstoffdioxid-Anteil der Luft wesentlich zugenommen hat und dies Folgen hat, die in einem sensiblen und chaotischen System wie dem Klima zwar zwangsläufig aber nicht vorhersagbar sind,
- dass auch Kernkraft keine Lösung ist, da der Umgang mit radioaktiven Material nicht beherrscht werden kann,
- dass es für radioaktive Abfälle keine End-Lagerung gibt, die die langen Halbwertzeiten beherrschbar macht (Der Mensch kann keine Sicherheit für 1 Million Jahre garantieren),
- dass ein GAU in einem Kernkraftwerk wirklich zum GAU werden kann,
- dass auch die für Kernkraft benötigten Rohstoffe (Uran) endlich sind - man spricht von höchstens 40 Jahren (Öl hat immerhin fast 100 Jahre gehalten).
Manche sagen:
Die Technik wird schon alle Probleme lösen:
- Umweltkatastrophen kann man wieder rekultivieren,
- die Probleme des Bergbaus kann man mit neuer Technologie meistern (ausserdem kann man die Kohle ja importieren - hört, hört!),
- Kohlekraftwerke kann man sauber machen,
- Kohlendioxid kann man irgendwie und irgendwo speichern.
Können wir wirklich von der Technik erwarten, dass sie uns davor bewahrt, umdenken zu müssen? Retten uns Utopien wie Kernfusion und Wasserstoff-Technologie?
Zum Öl:
- Der Anteil der bei der Förderung von Öl benötigten Energie und zusätzlicher wertvoller Ressourcen wie z.B. Wasser steigt laufend aufgrund der minderen Qualität der neu entdeckten Vorkommen.
- Spätestens wenn der für die Förderung notwendige Input an Energie dieselbe Höhe erreicht wie die gewonnene Energie, dann ist die Förderung sinnlos. Diesen Punkt sollten wir auch bei Technologien zur Erzeugung von Alternativ-Energien (z.B. im Biobereich) bedenken, da gibt es schon recht zweifelhafte Beispiele.
- Ersatzöl aus Biomasse steht immer in Konkurrenz zur Produktion von Nahrungsmitteln.
- Für die Erzeugung von wenig Bio-Kraftstoff braucht man verblüffend grosse Flächen.
Öl - ganz gleich, ob aus dem Boden gepumpt oder aus Pflanzen erzeugt - ist einfach zu wertvoll, um es zu verbrennen, gleich ob für Heizung oder Mobilität.
Und bald könnte auch noch das Trinkwasser global knapp werden!
Wäre es nicht wirklich an der Zeit, unsere Lebensführung schnellstmöglich und drastisch zu ändern. Warum besinnen wir uns nicht auf ein freies Leben und setzen die vielen vermeintlichen Sachzwänge einfach außer Kraft? Und wäre das nicht ein Feld für angewandte Ethik?
Wahrscheinlich würde es jedem Einzelnen von uns unter dem Strich anschließend besser gehen.
Den “Energieministern” der G8-Staaten fiel unlängst auf einer Konferenz in Japan allerdings nichts Besseres ein, als die Förderländer zur Erhöhung ihrer Öl-Produktion aufzufordern …
RMD
P.S.
Die schlimmste Umweltsünde ist wohl das Fliegen. Habe ich auch immer sehr gerne gemacht. Im Juli 2008 besuche ich noch einen lieben Freund in Mallorca und wenn möglich fliege ich noch mit einem anderen guten Freund nach Südafrika zur Fussball WM 2010 (beides ist schon fest ausgemacht). Ansonsten habe ich beschlossen, keine weiteren Flüge mehr durchzuführen und werde dies auch mit der mir eigenen Sturheit (oder Konsequenz?) durchhalten. Meine lieben Mitmenschen, die sich darüber ärgern werden bzw. unter meiner Flugabstinenz leiden müssen, bitte ich hiermit um Verzeihung und Verständnis.
P.P.S.
Interessant finde ich auch, dass trotz der heftigen Öl-Diskussion das Thema Tempolimit zurzeit überhaupt nicht mehr auf der Tagesordnung zu stehen scheint. Auch die Zahlen zur möglichen Ersparnis sind sehr unterschiedlich. Das ist auch verständlich, denn ein Tempolimit von z.B. 110 km/h auf Autobahnen und 80 km/h auf Landstraßen bringt natürlich eine andere Ersparnis als ein Limit 130/100 km/h. Jeder achtsame Autofahrer weiß aber, wie der Verbrauch bei höheren Geschwindigkeiten steigt. So dürfte die Einsparung an Treibstoff und die Reduzierung des Ausstosses an Kohlendioxid in der Relation zum Aufwand wesentlich sein. Von den anderen positiven Folgen eines Tempolimits gar nicht zu reden (Verkehrstote, Verkehrsfluss, Fahrkultur …).
P.P.P.S
Diesen Artikel widme ich besonders meiner Frau und allen Frauen und Müttern, die generell weiser sind als wir Männer und doch soviel unter unserer Unachtsamkeit leiden müssen.
RMD
An unserem letzten Blue Friday hat Dr. Franz-Josef Bierbrauer einen ganz wichtigen Vortrag für uns (die InterFace AG) gehalten. Franz-Josef Bierbrauer verantwortet “general light” bei Osram, das ist das größte Geschäftsfeld von Osram. Der “Blue Friday” ist eine wichtige Veranstaltung für alle Mitarbeiter der InterFace AG, er findet einmal im Quartal in Unterhaching ganztags statt und natürlich ist es wunderschön, wenn uns zu diesem Ereignis externe Referenten ihr Wissen bei uns einbringen.
Franz-Josef Bierbrauer hat über das Thema “Die Zukunft des Lichts” gesprochen. Am Beispiel der Lichtindustrie hat er uns seine Erfahrungen als internationaler Spitzenmanager mit der Globalisierung, der Rolle von Europa und den Möglichkeiten der Zukunft berichtet.
Da er gerade von einer Dienstreise aus den arabischen Ländern kam, startete er in seinen Vortrag mit Eindrücken aus Dubai. Er hat von unzähligen Villen, die dort auf künstlichen Inseln ins Meer gebaut werden (eng wie in einer deutschen Arbeitersiedlung) und von den vielen im Bau befindlichen Hochhäusern (echte Hochhäuser, nicht so wie hier in Deutschland) gesprochen, die wie Pilze aus dem Wüstenboden sprießen. Und auch von grünen und überdachten Golfplätzen mitten in der Wüste.
Er hat berichtet, wieviele LED’s so ein Hochhaus braucht, um dann auch wirklich nachts ganz besonders zu leuchten. Er hat von mehr als einer Milliarde Chinesen erzählt, von denen ein relevanter Teil schon im europäischen Wohlstand lebt. Er hat von ca. 50 Millionen indischen Millionären gesprochen (wohl soviel wie es Deutsche in der alten Bundesrepublik gab) und von den enormen Wachstumsraten dort. Er hat aber auch die Gegensätze berichtet und auf Gefahren und negative Folgen hingewiesen, die schon heute zu sehen sind.
Auch der ungeheure Energieverbrauch der Welt und vor allem der neuen Supermächte waren Thema. Herr Dr. Bierbrauer hat beschrieben, wie man am Beispiel von Licht Energie sparen kann, aber auch wie schwierig es ist, wirklich schnell relevante Einsparungsvorteile zu erzielen. Ein griffiges Beispiel: Man kann sicher schnell Gesetze machen, dass man nur noch Energie-Sparlampen nutzen soll, die dann notwendigen Fertigungslinien zu bauen, ist aber eine andere Sache.
Die Schwierigkeiten wie auch die Chancen von Europäischen und Deutschen Unternehmen in den neuen globalen Märkten wurden deutlich. Am Beispiel der Organischen LED-Technologie (OLED) hat er uns klar gemacht, wie wichtig es ist, gerade in Europa in die Zukunft zu investieren. Investitionen in die Zukunft setzen ein langfristiges Denken voraus, sie werden immer unter Risiko erbracht und erfordern beträchtliche Stückzahlen in den Folgejahren. Aber ohne sie gibt es keine Zukunft.
Positiv verblüffend für mich war, dass Franz-Josef Bierbrauer in den steigenden Ölpreisen vor allem eine Chance für uns Europäer sieht! Je billiger das Überwinden der “Raum-Zeit-Schwelle”, desto schlechter für uns und je höher z.B. die Transportkosten werden, um so besser. Eine Einsicht, der ich mich gerne anschließe! Denn dass der Öl-Preis nur noch nach oben kann, ist eine mittlerweile triviale Erkenntnis. Und die Alternativen sind in weiter Ferne.
Ich kenne Herrn Dr. Franz-Josef-Bierbrauer seit einer Reihe von Jahren persönlich. Ich weiß, welch hohes Ansehen er bei seinen Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern hat. Er gilt als Manager mit den alten Tugenden, die wir heute oft vermissen.
Lieber Herr Dr. Bierbrauer, ganz herzlichen Dank für den tollen Vortrag bei uns!
RMD
Bei InterFace haben wir ein Forum für den Austausch aller an Scrum interessierten Kollegen:
Die Scrum-Sprechstunde.
Hier diskutieren wir über verschiedene Themen im Umfeld von Scrum - wie beispielsweise die Skalierung von Scrum, Scrum im Management oder Scrum im Alltag der Berater - um nur einige zu nennen. Ganz oft geht es aber auch um die grundlegenden Fragen zum Verständnis von Scrum.
Ich werde hier in loser Folge ausgewählte Themen aus diesen Scrum-Sprechstunden zusammenfassen und zur weiteren Diskussion stellen.
Heute mache ich den Anfang mit dem Nokia-Test.
Ich habe schon öfters Dikussionen erlebt, in denen sinngemäß die Frage “Wir machen in unserem Projekt aber XYZ - Ist das denn noch Scrum?” oder Aussagen wie “Ohne XYZ kann das gar kein echtes Scrum sein.” gefallen sind.
Im Internet kann man dazu so einige Checklisten finden. Ich möchte hier kurz eine Liste von Fragen vorstellen, die Nokia verwendet, um seine Projekte auf die Anwesenheit von iterativen Verfahren und Scrum zu testen (Gefunden habe ich das ganze hier).
Damit Ihr da nicht selbst nachlesen müsst schreibe ich sie auch hier auf:
Der Test besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil testet die “Iterativität” des Vorgehens:
- Iterationen haben eine feste Länge von nicht mehr als vier Wochen.
- Die am Ende jeder Iteration ausgelieferte Software ist getestet und für den Kunden funktionsfähig.
- Die Iteration startet bevor die Spezifikation komplett ist.
Der zweite Teil testet, ob das Vorgehen Scrum entspricht (nach Nokia-Maßstäben):
- Du kennst den ProductOwner
- Es gibt ein nach Geschäftswert priorisiertes Product-Backlog
- Die Einträge des Product Backlog sind vom Team beschätzt
- Das Team erstellt Burndown Charts und kennt seine Entwicklungsgeschwindigkeit (Velocity)
- Es gibt keine Projektmanager (oder sonstjemanden), der die Arbeit des Teams stört.
Ein solcher Test eignet sich sicherlich gut, um CowboyAgile von Scrum zu unterscheiden. Allerdings wird es gerade in der Einführungsphase von Scrum häufig Abweichungen davon geben. Trotzdem ist es immer wieder hilfreich mit Hilfe solcher “externen” Benchmarks die eigenen Vorgehensweisen (und vermeintlich nicht zu verändernden Rahmenbedingungen) zu hinterfragen.
Soweit zum ersten (zugegebenermaßen kleinen) Thema aus der Scrum-Sprechstunde. Das nächste Mal werde ich die verschiedenen Rollen in Scrum beleuchten.
AXM
Mathematik in der Schule - 2
11.06.08
Da ich aus „Liebe zur Mathematik“ dieses Fach studiert habe (und heute noch ganz erstaunt bin, dass man trotzdem „etwas“ werden kann), spricht mich dieses Thema (siehe Post von Herrn Lorbeer) besonders an.
Ich selbst hatte das Glück, viele sehr gute Mathematik-Lehrer erleben zu dürfen (sonst wäre ich heute vielleicht Mediziner oder Jurist), sehe aber häufig, welch Schaden angerichtet wird von Lehrern, die Formeln (oder Vokabeln oder Jahreszahlen) vermitteln, statt die Fächer zu benutzen, um junge Menschen für’s Leben stark zu machen.
In unserer Gesellschaft gilt ein Versagen in Mathematik als gar nicht schlimm. Politiker kokettieren damit, in Mathematik durchgefallen zu sein – wenn jemand zugäbe, Rechtschreibung nicht zu können, Goethe und Schiller nicht zu verstehen, gälte er als Ignorant – die viel ältere Geisteswissenschaft Mathematik nicht zu verstehen, gilt als chic. Dabei haben z.B. Euklid und Archimedes vor weit über 2000 Jahren viele Grundlagen gelegt auf denen unser heutiges Denken aufbaut – wenn man aber im Unterricht statt darüber zu sprechen nur c² = a² + b² - 2abcosγ vermittelt (ohne eine Vorstellung zu geben, wozu man diese Formel wirklich verwenden könnte), dann kann natürlich keine Freude an Mathematik aufkommen. Aber „Freude im Unterricht“ – darf das denn sein? „Freude an einem Fach“ – darf Lernen Freude machen?
Und selbst an der Universität spricht man immer mehr darüber, Studenten „fit für den Beruf“ zu machen oder die Inhalte schneller und besser in die Köpfe zu stopfen!
Ich habe viel Unterricht genossen, ohne dass man mich direkt auf ein Studium oder einen Beruf vorbereitet hat – viele der Inhalte habe ich schon wieder vergessen – aber vielleicht hat das „fit für’s Leben“ gemacht?
E2E
Globalisierung – Chance oder Risiko?
11.06.08
Hier der zweite Beitrag von Ulf D. Posé. Er ist ziemlich lang - aber umso mehr lesenswert! (RMD)
Globalisierung wird von nicht wenigen Unternehmen nach drei Kriterien betrieben: Wo finde ich erstens beste Produktionsbedingungen, also geringe Kosten für Errichtung der Produktionsstätten, für Personal, für das Erreichen der Absatzmärkte? Was sind zweitens die besten politischen Rahmenbedingungen, also niedrige Steuern, Lohnnebenkosten et cetera? Und drittens, wo ist die beste Verfügbarkeit über Ressourcen gegeben, also geringe Kosten für Umweltverbrauch?
Nur noch der überdurchschnittliche Gewinn gilt als Garant für das Überleben eines Unternehmens. Gleichzeitig wird betont, man müsse sich auf zukünftige Entwicklungen optimal einstellen.
Diese optimale Einstellung wird durch Wachstum (nur wenn wir groß sind, kann uns niemand übernehmen, also sollten wir tunlichst bald fusionieren) und im ökonomischen Bereich (nur wenn wir genügend Eigenkapitalrendite vorweisen können, können wir selbstständig bleiben) formuliert. Letztlich wird so getan, als ob die Wettbewerbsfähigkeit, und damit die Überlebensfähigkeit, ausschließlich von den oben genannten drei Kriterien abhinge. Damit werden diese drei Bedingungen nicht mehr auf ihre soziale Verträglichkeit hin untersucht. Darin liegt die Unredlichkeit der Globalisierung.
Die Globalisierung schafft weltweit ein Netzwerk, in das Kontinente und Nationen durch transnationale Unternehmen eingebunden werden. Dies geschieht über Produkte, Handel und Kommunikation. Schön wär’s! Das Problem ist nämlich der außerordentliche Verdrängungswettbewerb, der alle Länder zu niedrigen Löhnen und Steuern zwingt. Und damit den Wohlstand der Nationen gefährdet. Die Folge: Die Wirtschaft zwingt die Politik in die Rolle des nationalen Erfüllungsgehilfen. Mit Einfuhrzöllen, Subventionen und kostenlosem Umweltverbrauch wird abgeschottet, was das Zeug hält. Paradoxerweise versagt Politik mittlerweile in Ländern, wo sie sich nicht im patriotischen Sinne wirtschaftskonform verhält. Die Zeiten für einen sozial verträglichen Kapitalismus sind schwieriger geworden.
Die Kosten für Arbeit und Umwelt müssen niedrig gehalten werden, um das Kapital zu maximieren. Woraus sich die Frage ableitet, ob Entlassungen von Mitarbeitern überhaupt ethisch zu rechtfertigen sind.
Ein befreundeter Geschäftsführer eines globalisierten Unternehmens, das weltweit zirka 7.000 Mitarbeiter beschäftigt, sagte mir unlängst: „Die derzeitigen Botschaften sind mir zu eindeutig auf Gewinnmaximierung orientiert! Ich kenne die Sprüche – selbst von unseren Wirtschaftsberatern: ‚Wenn Sie nicht zehn Prozent Eigenkapitalrendite erwirtschaften, sind Sie in wenigen Jahren weg vom Fenster.’ Wir haben jedoch in den letzten 136 Jahren wenige Jahre gehabt, in denen wir EK-Renditen von zehn Prozent erwirtschaften konnten! Und übrigens: Von unserer Wertschöpfung gehen 95 Prozent (2004) an die Mitarbeiter – etwa drei Prozent an die Gesellschafter!“
In meinem letzten Post habe ich bereits über einige Vorteile gesprochen, die sich durch den Einsatz eines IDM-Systems erreichen lassen.
Dies ist aber natürlich noch nicht das Ende der Fahnenstange. Richtig eingesetzt, ergeben sich noch weitere Vorteile:
- Höhere Produktivität bei der Verwaltung der Nutzerkonten: Bedingt durch den höheren Automatisierungsgrad lassen sich mit weniger Aufwand mehr Konten verwalten. Die Verwaltungskosten pro Account sinken.
- Da ein Großteil der Arbeit, die bisher von den Administratoren manuell verrichtet wurde, nun durch das IDM-System übernommen wird, bekommen diese nun endlich den Freiraum, um die im System vergebenen Berechtigungen durchzugehen und auf den aktuellen Stand zu bringen. Ein Problem manueller Rechteverwaltung ist nämlich gerade auch die Tatsache, daß Berechtigungen zwar bei Bedarf mehr oder minder schnell erteilt, jedoch in der Regel nie mehr entzogen werden. Dadurch kommt es zum vielen Leuten bekannten Phänomen des Rechtesammelns (besonders “gefährlich” sind hier v.a. Personen, die oft Abteilungen und Aufgaben wechseln, z.B. gerade auch Praktikanten!). Dies verletzt jedoch das “Least Priviledge”-Prinzip, das besagt, daß jeder nur über die Berechtigungen verfügen sollte, die er zur Ausführung seiner ihm übertragenen Aufgaben minimal beötigt, und das Grundlage einer jeden Rechtevergabe sein sollte. Die Arbeit der Administratoren ist daher auch nach einer IDM-Einführung noch wichtig. Keinesfalls sollte eine solche Einführung zum Anlass genommen werden, personelle Kürzungen vorzunehmen. Hiermit lässt sich vielleicht erreichen, daß der Status Quo zu geringeren Kosten aufrecht erhalten werden kann. Da dieser jedoch meistens nicht von einer besonders hohen Qualität gekennzeichnet ist sollte stattdessen besser die Alternative “steigende Qualität bei gleichen Kosten” realisiert werden.
- Bessere Einhaltung von gesetzlichen Vorgaben, dadurch Vermeidung möglicher Sanktionen (neudeutsch „Compliance“): Gerade im Bereich der IT-Sicherheit gibt es heute eine Vielzahl von Gesetzen und Regeln, denen sich Organisationen unterwerfen müssen (z.B. BGB, GmbH-Gesetz, SOX, Basel II etc.). In einigen Fällen beinhalten diese Gesetze auch (teils regelmäßige) Nachweispflichten, die sich zumeist auf die Beantwortung der Frage reduzieren lassen, wer zu welcher Zeit was gemacht hat. Die Betonung liegt in diesem Falle auf „Wer“. Eine Antwort auf diese Frage kann in Zeiten zunehmend automatisierter Geschäftsprozesse manuell nur schwer erfüllt werden und wäre zumeist mit einem unrentabel hohen Aufwand verbunden. Eine mögliche Lösung besteht daher in der Einführung eines IDM-Systems. Tatsächlich hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass gerade Compliance eine der Haupttriebfedern für die Einführung von IDM-Systemen war.
- Effiziente Unterstützung Service-orientierter Architekturen (SOAs): In den letzten Jahren sind viele Unternehmen dazu übergegangen, neue Prozesse und Dienstleistungen auf Basis von serviceorientierten Architekturen anzubieten. Diese zeichnen sich in der Regel durch eine eher lose Kopplung verschiedener Systeme aus, die zudem in vielen Fällen noch über eigene Benutzer- und Berechtigungsverwaltung verfügen (und die schlimmstenfalls auch noch alle komplett unterschiedlich realisiert sind). Dies kann bei Einbindung in eine SOA zu hohen Aufwänden führen – und bei einem weiteren Ausbau der IT-Landschaft sogar gänzlich unbeherrschbar werden. Auch die Erreichung von Compliance wird auf diese Weise, d.h. ohne ein einheitliches Vorgehen beim Management von Identitäten, Rollen, Berechtigungen und Auditierung, nur schwer erreichbar sein. Man kann deswegen ohne weiteres sagen, dass Service-orientierte Architekturen ohne Identitätsmanagement nur sehr schwer zu verwirklichen sind, und eine sorgfältig geplante “Identitätsschicht” in jede SOA gehört.
Man darf hier jedoch nicht den Fehler machen und IDM als ein einzelnes Produkt sehen, das einmal installiert alle Probleme in diesem Bereich löst (obwohl einem die Softwarehersteller das immer gerne glauben machen wollen). Stattdessen handelt es sich eher um eine Art Technologierahmenwerk, das vor einem tatsächlichen Einsatz immer erst auf das jeweilige Unternehmen angepasst werden muß.
Es gilt daher immer abzuwägen, ab welcher Schwelle sich der Einsatz eines IDM-Systems für ein Unternehmen lohnt, bzw. ab wann so ein Einsatz sogar unverzichtbar ist.
Für diese Berechnung wurden verschiedene Kennzahlensysteme entwickelt, deren Vorstellung jedoch hier den Rahmen sprengen würde. An dieser Stelle möchte ich daher gerne auf einen der nächsten Artikel verweisen.
Soweit die erste Einführung in das Thema Account Management. Der nächste Artikel wird sich dann um das Thema Föderierung drehen. Auch das ist ein sehr spannendes Themengebiet, das gerade dabei ist so richtig in Fahrt zu kommen, und das das Zeug dazu hat, zu einem der wichtigsten Treiber für IDM-Projekte zu werden.
BFI
Mathematik in der Schule
09.06.08
Gestern hat mich folgender Post von Dr. Werner Lorbeer erreicht:
Der Mathematikunterricht muss sich vor allem danach richten, die Lebenskraft des Schülers zu stärken!
Mein erstes BLOG, vielleicht auch das letzte, ich schreibe es, weil ich mich seit den 66er Schultagen mit Roland Dürre und seiner Familie verbunden fühle. Wir haben zusammen Schach gespielt, so ging das an. Und irgendwie sind wir immer gerne am diskutieren, finden ein überraschendes Thema und verwickeln uns.
Ich muss mich noch vorstellen: Werner Lorbeer, Jahrgang 48, aufgewachsen am wilden Lech bei Augsburg. Studiert habe ich Mathematik, Physik, Pädagogik und Psychologie und wie ich so aufgezogen bin, auch alles abgeschlossen. Promoviert habe ich dann im großen Thema Artificial Intelligence. Ende der 70er programmierte man noch Server-Betriebssysteme selber: File-Server, Print-Server, das war es auf der Basis von Cassettenports. Man hörte von Seymour Papperts Mindstorms aus dem educational center des MIT und Marvin Minsky saß schon mal bei einer Konferenz in Berkeley am Biertisch in der telegraphe avenue gleich nebenan.
Trotz dieser starken technologischen Impulse bin ich Lehrer geworden. An die Eltern unter Ihnen: Wozu ist Mathematikunterricht eigentlich gut? Stimuliert durch die Pädagogik treibt mich immer der Gedanke, dass es im Unterricht gar nicht um die c² = a² + b² - 2abcosγ geht, sondern um den Aufbau von nachdenklichen, selbstbewussten und charakterstarken Jugendlichen. Man benutzt die ästhetischen Möglichkeiten der mathematischen Probleme um die Schüler in einen bestimmten Erlebniszustand zu versetzen, der diese Erziehungsziele unterstützt. Mathematik als tool im Erziehungsprozess und nicht als ability.
Gelegentlich habe ich dabei ein Bonmot Rolands im Sinnen. Es stammt aus einem Gespräch, als die Interface gerade nach Unterhaching umgesiedelt war: „Weißt Du, meist sind die Dinge gar nicht komplex sondern werden nur kompliziert gemacht“.
Stimmt Roland!
Ein sehr gutes Motto für das Problem „ich verstehe die Mathematik nicht“. Man kann alles, was zu vermitteln ist auch einfach sagen, verständlich sagen – manchmal muss man auch aus der Ebene ausbrechen und zurückfallen auf die Ebene Sinn und Motiv. Oft muss man auch aufhören zu reden und für die Jugendlichen erst einmal die Erfahrung bereitstellen und als Coach oder Trainer oder Berater oder Vater andere Beziehungsebenen anbieten, ehe es dann eben doch zügig weiter geht zum Sinussatz.
Was ist mit Computern im Unterricht? Dazu hätte ich eine Meinung, aber ich will Sie heute nicht damit langweilen. Der Beitrag hier ist eh schon ziemlich fremd in einer consulting- und computergetriebenen Umgebung.
gez. Dr. Werner Lorbeer
Werner Lorbeer ist ein ganz besonderer Freund von mir.
In der Schule habe ich ihn bewundert, weil er obwohl nicht viel älter als ich ein besonders ausgeglichener und achtsamer Mensch war. Er hat uns Mut gemacht, wenn wir verzweifelt waren. Wenn er vom “wilden Lech” spricht, denke ich an meine Tage auch an der “milden Wertach” oder im Augsburger “Familienbad”. Wir hatten “seasons in the sun”! Sein Leben lang hat er sich neben erfolgreichen beruflichen Stationen um das Gemeinwohl verdient gemacht. So kenne ich ihn als charismatischen Schulsprecher “meines” Gymnasiums Jacob Fugger in Augsburg, heute ist er im Vorstand von “PRO AUGSBURG“.
Seit 2005 leidet er an einem Plasmozytom. Den Post hat er aus der Intensivstation des Augsburger Klinikums gesendet. Von hier aus möchte ich ihm gute Besserung wünschen. Und ich glaube, wir würden uns freuen, wenn er uns seine Meinung zu Computern im Unterricht schreiben würde.
Danke, Werner!
P.S.
Wenn ich an unsere Jugend denke, dann bricht es mir oft das Herz und ich schreibe mir den Schmerz von der Seele. Und dann kommen die Gedanken über mein eigenes Leben und im Ohr habe ich Terry Jacks “Seasons In The Sun”:
Goodbye to you, my trusted friend.
We’ve known each other since we’re nine or ten.
Together we climbed hills or trees.
Learned of love and ABC’s,
skinned our hearts and skinned our knees.
Goodbye my friend, it’s hard to die,
when all the birds are singing in the sky,
Now that the spring is in the air.
Pretty girls are everywhere.
When you see them I’ll be there.
We had joy, we had fun, we had seasons in the sun.
But the hills that we climbed
were just seasons out of time.
Goodbye, Papa, please pray for me,
I was the black sheep of the family.
You tried to teach me right from wrong.
Too much wine and too much song,
wonder how I get along.
Goodbye, Papa, it’s hard to die
when all the birds are singing in the sky,
Now that the spring is in the air.
Little children everywhere.
When you see them I’ll be there.
We had joy, we had fun, we had seasons in the sun.
But the wine and the song,
like the seasons, all have gone.
Goodbye, Michelle, my little one.
You gave me love and helped me find the sun.
And every time that I was down
you would always come around
and get my feet back on the ground.
when all the bird are singing in the sky,
Now that the spring is in the air.
With the flowers ev’rywhere.
I whish that we could both be there.
We had joy, we had fun, we had seasons in the sun.
But the stars we could reach
were just starfishs on the beach.
Alles Gute Werner - Du bist nicht allein!
2-wochen-news - #4
09.06.08
Liebe Freunde, sehr geehrte Damen und Herren!
Wir haben weitere neue Autoren für IF-Blog gewonnen:
Dr. Edwin Ederle
Edwin ist Unternehmer und “kreativer Anarchist”. Er beschäftigt sich mit seinem Unternehmen data2impact vor allem mit der Lösung datengetriebener Management-Probleme.
Jens Gassner
Jens ist unser (InterFace AG) Spezialist für Datenmodellierung.
Ulf Posé
Ulf Pose ist Managementtrainer, Autor zahlreicher Bücher und als Rupert Lay Schüler und Freund ein engagierter Kämpfer für ethisches Leben und Verhalten in Wirtschaft und Politik. Er wird ab sofort regelmäßig alle 2 Wochen einen Artikel in IF-Blog zu ethischen Fragen veröffentlichen.
Hier die neuen Beiträge seit der letzten 2-Wochen-News:
korruption, monokultur, multikultur, shareholder value
Hier habe ich (RMD) mein Unverständnis über vermeintliche Management Wahrheiten formuliert. mehr…
objekte, entitäten und der “impedance mismatch”
Jens Gassner (JJG) “philosophiert” über Entitäten und Klassen. mehr…
selbstverständnis der it in großunternehmen - dienstleister oder bremser?
Der erste Beitrag von Dr. Edwin Ederle (E2E)! mehr…
Und dann noch zwei Nachträge von mir aus aktuellem Anlaß:
monokultur, multikultur, shareholder value - nachtrag
Der Kulturwandel in deutschen und europäischen Unternehmen geht (ging?) in die falsche Richtung. mehr…
korruption und menschenbild - nachtrag
Wer anderen eine Grube gräbt fällt selbst herein - oder wer ausspäht wird schnell mal selber ausgespäht. mehr…
Agile Softwareentwicklung mit Scrum
Mit Scrum geht es jetzt auch los (Dank an Axel, Christof und Olivier)! mehr…
der ethisch handelnde manager - entlassung
Und “last but not least” startet die Serie von Ulf Posé mit “Der ethisch handelnde Manager - Entlassung” mehr…
Vorstellung Ulf Posé
kurzes Porträt des Autors mehr…
Ein Hinweis in eigener Sache:
Jetzt stehen bei allen Artikeln auch immer Rückmeldebuttons zur Verfügung. Alle Autoren von IF-Blog freuen sich, wenn diese eifrig genutzt werden! Vielen Dank im voraus!
Die Serien “InterFace-Story” und Geschichten aus dem “Computer Vintage” Zeitalter werden bald wieder fortgesetzt. Ich bin da noch mit diversen Recherchen beschäftigt, da ich die Dinge ja möglichst wahrheitsgemäß beschreiben möchte.
Vielen Dank fürs Lesen und fürs Weiterempfehlen!
Einen gelungenen Start in die Woche wünscht,
das IF-Blog Team
Vorstellung Ulf Posé
04.06.08
Wir begrüßen ganz herzlich im Team:
Ulf D. Posé
Ulf wird unter dem Kürzel UDP alle zwei Wochen in IF-Blog einen Artikel veröffentlichen.
Hier ein paar Informationen zur Person:
Ulf D. Posé, Jahrgang 1947, verheiratet, drei Söhne, Hörfunk- und Fernsehjournalist, hat von 1968 bis 1980 als Journalist für RNI, RTL, WDR, SDR, SWF, NDR, RB, DLF und Deutsche Welle gearbeitet.
Seit seiner journalistischen Tätigkeit beriet er Politiker in Kommunikationsfragen.
1977 ließ sich U. D. Posé parallel zum Managementtrainer in Instituten in der Bundesrepublik, Schweiz und Österreich ausbilden.
Prof. Dr. R. Lay wurde durch seine Arbeit zum Mentor und Supervisor, durch seine Menschlichkeit und Weisheit zum väterlichen Freund.
1984 schrieb Posé sein erstes Buch „Führen durch überzeugen“ (ECON-Verlag). Er ist Co-Autor der Bücher „Verhandeln leicht gemacht“ und „Delegation“ (VBU-Verlag). Für den GOVI-Verlag schrieb er für das „Wirtschaftshandbuch für die Apotheke“ den gesamten Kommunikations- und Führungsteil. 2004 erschien sein Buch „Von der Menschenführung zur Lebensführung“ im Ronneburger Kreis. 2006 erschien im März das Gemeinschaftswerk mit Prof. Dr. Rupert Lay: „Die neue Redlichkeit - Werte für unsere Zukunft“ im Campus Verlag. 2008 erschien im Ronneburger Kreis sein Buch: „Worauf es ankommt – Der ‚zukünftige Mensch’ zehn seiner wichtigsten Eigenschaften“
Lehrtätigkeiten an deutschen Universitäten und Fachhochschulen, Vortragsreihen und zahlreiche Fachveröffentlichungen runden seinen kommunikativen Auftritt ab.
Seit Dezember 2003 ist Posé ehrenamtlich Präsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft e.V. Seit April 2004 ist Posé zusätzlich Mitglied des Bundes-Senats im Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft, BWA.
RMD
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