Ethik&Informatik!?
31.07.08
Beim CeDoSIA Summer get together am 31. Juli 2008 durfte ich einen Vortrag zum Thema Ethik und Informatik halten. So war mein Vortrag angekündigt:
Schon in den 70iger Jahren haben systemkritische Geister der Neuzeit gewarnt, dass die Verbreitung der Computer zwangsläufig die Orwell’sche Vision wahr werden lässt. Jetzt stehen wir an der Zeitenwende vom auto-mobilen zum i-mobilen Zeitalter. IT und Informatik sind die dominanten Wirkungskräfte der Gesellschaft geworden. Unsere Zukunft wird davon abhängen, ob die Architekten des neuen Zeitalters - die Informatiker - in der Lage sind, ethisches Verhalten einzuüben.
Hier für die Zuhörer das Manuskript zu meinem Vortrag. Es ist ein wenig länglich. Einige meiner 16 Statements in diesem Vortrag werde ich als Einzelbeiträge ausführlicher in IF-Blog formulieren, so dass eine Lektüre nicht notwendig ist.
Hier geht der Vortrag los!
Als Vorgedanke ein Text von Bertrand Russel, einem britischen Philosoph, Mathematiker und Logiker:
Jeder Zuwachs an Technik bedingt,
wenn damit ein Zuwachs des menschlichen Glücks verbunden sein soll,
einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit!
Dieses schöne Zitat habe ich bei einem Vortrag von Prof. Dr. Christoph Wamser vom Institut für Management und Technik der DGMF gehört und gebe es gerne weiter. Bertrand Russel war einer unserer Idole in den 60iger, 70iger und 80iger Jahren des letzten Jahrhunderts.
- Ethik: Ethik bedarf keiner Definition. Ethik steht für sich selbst. Jeder Mensch ist in der Lage, eine Handlung als ethisch oder “unethisch” zu bewerten. Allen Menschen ist bewusst, dass Ethik eine subjektive wie eine objektive Komponente hat. In der Anwendung wie in der Qualität gibt es sicherlich “unterschiedliche Ethiken”, aber alle Ethiken bedürfen eines gemeinsamen Nenners, wie er z.B. in der UN-Charta hinterlegt wurde. Auch über die Grenzen der Kirchen hinaus gibt es Gemeinsamkeiten wie im Biophilie-Gebot (tue keinem das an was du dir nicht selbst angetan haben willst und helfe mit, dass sich Leben in allen Dimensionen entfalten kann).
- Informatik: Der Begriff “Informatik” wurde von einer Gruppe von IT-Pionieren um Professor F. L. Bauer kreiert. Informatik ist ein schlüssiges Wort, wahrscheinlich entstanden als Akronym des Wortes Informationstechnik. Die Informatik umfasst alle Technologien, die den Austausch, die Verbreitung und die Verarbeitung von Informationen und Wissen aller Art betreffen. Die Erfindung des Buchdrucks hat die Welt total verändert und ist frühe Informatik, ebenso wie später Rundfunk und Fernsehen. Mathematische Tabellenwerke, mechanische Rechenmaschinen und der analog funktionierende Rechenstab sind technische Vorläufer der Informatik. Das mobile Zeitalter geht zur Neige. Die Informatik kompensiert die zurückgehende Mobilität. “Informatik” ersetzt “Mobilti(c)k”, das wäre ein Wortspiel, wenn die Pioniere von Auto und Eisen diesen Begriff (der Mobiltechnik) so geprägt hätten. Die Informatik wird die Sozialität der Gesellschaft in den nächsten 100 Jahre beeinflußen, wie die Verkehrstechnologie die letzten 200 Jahre geprägt hat. Wesentliche zivilisatorische Errungenschaften von ähnlicher Tragweite wie die Mobilität und die heutige Informationsvernetzung sind die Erfindung von Ackerbau und Viehzucht, die Nutzung des Feuers in geschlossenen Öfen und Motoren (Dampfmaschine), die Entdeckung der Zeit und der Bau von Zeitmessern (genannt Uhren) ein, vielleicht auch noch Teile der Medizin.
- Belege für die gesellschaftliche Relevanz der Informatik: Hier ein paar Beispiele, welchen Einfluss die Informatik und Informations-Technologien schon heute haben:
- Der unvorstellbar schnelle Aufstieg von Unternehmen der Informationstechnologie wie z.B. Google, Microsoft, Oracel, SAP, Ebay und vielen anderen
- Der Erfolg von utopischen Unternehmensprinzipien wie OpenSource am Beispiel von Linux und der LAMP-Welt oder MySQL
- Das Wirklichkeit werden von völlig neuen kollaborativen Arbeitsmodellen, die z.B. physische Anwesenheit im Projekt unnötig machen.
- Die erfolgreiche Bewältigung von IT-Projekten und Entwicklung von relevanten Software-Systemen, die deutlich komplexer sind als z.B. die Entwicklung eines klassischen PKW
- Das Entstehen neuer Methodiken für Projekte der Softwarentwicklung (Scrum), Organisation und Qualitätssicherung
- Der gesellschaftliche Wandel durch die mobile Nutzung des InternetsEin Beispiel: Früher wurde die Mehrzahl der Ehen in der Eisenbahn, heute im Netz begründet
- Der radikale strukturelle Wandel des geschäftlichen Lebens durch WEB2
- Frühe Diskussionen (I): Bei InterFace fand die erste “Ethik-Diskussion” schon wenige Jahre nach der Gründung 1984 statt. Wir hatten eine junge Mitarbeiterin, eine Doktorin der Mathematik, die heute übrigens an einer Hochschule Mathematik lehrt. Ich nenne sie mal Gabi. Gabi hatte - wie viele junge Menschen damals - eine Sympathie für alternative Lebensformen und wohnte auf einem Bauernhof im Münchner Norden in einer Art Kommune. Gabi war bei InterFace sehr schnell recht erfolgreich. Reziprok zu ihrem Erfolg bei uns im Unternehmen sank ihr Ansehen in ihrer Wohngemeinschaft. Ihre Mitbewohner waren ganz schlicht der Überzeugung, dass der Einsatz von Computern die Verwirklichung eines unmenschlichen Überwachungsstaates im Sinne der Orwell’schen Utopie über kurz und lang bewirken müsste. Und der Geschäftszweck der InterFace war schon damals die Einführung von IT-gestützten Prozessen auch z.B. bei Behörden. Und in einem solchen Unternehmen dürfe man aus ethischen Gründen nicht mitarbeiten, so der Vorwurf gegen Gabi. Gabi war ein Mensch mit idealistischen Grundmotiven, für sie war der permanente Vorwurf der Mitbewohner ein großes Problem - und so entsteht in einem mittelständischen Unternehmen mit freundschaftlichen Strukturen eine ernsthafte ethische Diskussion. Vielleicht hat Gabi zum Teil deswegen später die vielleicht ethisch nicht so bedenkliche mathematische Laufbahn an der Hochschule eingeschlagen.
- Frühe Diskussionen (II): Jahre später flammte die ethische Diskussion im Unternehmen noch heftiger auf. Bei der Entwicklung von sozialen Gesellschaften haben ja die Individuen prinzipiell der Gewalt abgeschworen und den sozialen Systemen, sprich dem Staat das Gewaltmonopol übertragen. Natürlich hat das nie komplett funktioniert, Restbestände von Gewalt blieben bei den Individuen (siehe Gewalt gegen Frauen oder Kindern in der Familie, Schlägereien am Stammtisch …), im wesentlichen war das Gewaltmonopol beim Staat ein großer Fortschritt. Jetzt waren wir mit unserem Produkt CLOU/HIT zum ganz schnellen und IT-unterstützten Generieren von Dokumenten gerade bei den Behörden vertreten, die die Kette des Gewaltmonopols bilden: Polizei - Staatsanwaltschaften - Gerichte - Vollzug - Resozialisierung. Das war einigen Kollegen nicht so ganz recht. Und wie dann die Bundeswehr als nächster Kunde für unser Produkt dazu kommen sollte, dann ging es diesen Leuten zu weit. Darf unser Produkt bei einem Militärgerecht eingesetzt werden, das Unrechtsurteile fällt (damals war die Affäre Filbinger in aller Munde)? Man würde ja auch bei keinem Unternehmen arbeiten, das Tabakwaren oder Minen herstellt.
- Die ethische Diskussion an diesem Beispiel:Vielleicht sollten wir auch heute solche Themen mehr diskutieren. Da würde sich eine für uns in Deutschland schwierige Diskussion entwickeln, immerhin stehen wir weltweit an 3. Stelle der Waffen exportierenden Nationen und allein die Verkäufe in die ärmsten Länder haben wir zuletzt vervierfacht. Aber was soll der Familienvater machen, wenn er z.B. in einer wirtschaftlich schwachen Region lebt und nur die Waffenfabrik Jobs anbietet? Man man denke nur an den Werbespot, der regelmäßig bei den Spielen der Fussball-EM lief (Tore schießen für ein neues Bein für afghanische Minenopfer) und der mich persönlich immer sehr berührt hat. Wir versuchen den Opfern zu helfen, die durch unsere Produkte zu Schaden gekommen sind!?
- “Unethische” Produkte und Ziele: Auch IT-Unternehmen können “unethische” Produkte herstellen. Man denke nur an Software zur Ausspähung oder Kontrolle. Man denke an den RFID-Chip im Blaumann oder an mobile Endgeräte mit NFC (near field connection)! Die Orwell’sche Vision zwingt uns, hier sehr vorsichtig zu sein. Interessant ist auch die aktuelle Diskussion, die entstanden ist, weil Google systematisch drei deutsche Städte filmte. Auf der anderen Seite gibt es die Besorgnis, dass IT-Unternehmen sich aufgrund der Besonderheit des Gutes Software ein Weltmonopol schaffen oder sich besonderes Weltwissen exklusiv aneignen könnten (Microsoft, Google). Auch Ausnahme-Unternehmen der alten Branchen hatten es da schwieriger. CocaCola hat immer PepsiCola und viele kleine Getränkehersteller als Mitwettbewerber. Bei Intel gibt es AMD und weitere Konkurrenten, z.B. Hersteller von Graphikprozessoren. Aber wo stände Microsoft ohne die Konkurrenz der Open-Source-Community?
- Ethik im Unternehmen: Es ist sicher hilfreich, wenn es einem ethischen Unternehmen gelingt, Kundennutzen und sozialen Nutzen zu vereinen. Produkte können einem Unternehmen zu einer Sinngebung verhelfen. Die Berechtigung für die Existenz des Unternehmens ist einfach darstellbar, wenn die Produkte des Unternehmens dem Gemeinwohl dienen. Unternehmen ohne Sinngebung sind jungen und kritischen Mitarbeitern schwer zu vermitteln. Ethik darf nicht nur betrachen, welchen Zweck und welches Ziel ein Unternehmen hat. Ob ein Unternehmen “ethisch funktioniert”, hängt davon ab, wie das Unternehmen “sozial” tickt. Und das ist ein mehrdimensionales Thema. Selbst ein Unternehmen, das so verabscheuungswürdige Produkte wie Minen herstellt, kann als Unternehmen ethisch funktionieren, auch wenn ich mir dies kaum vorstellen kann.
- Ethik und Manager: Manager vergessen oft, dass Unternehmen soziale Systeme sind. Sie sind vom Wesen her näher biologischen Wesen als determiniert funktionierenden Maschinen. Wie gehen die Menschen im Unternehmen mit einander um? Sind die Chefs Systemagenten, deren Selbstverständnis darin besteht, festgelegte Prozesse durchzusetzen und vorgegebene Wachstums- und Ergebnisziele zu erreichen? Werden Mitarbeiter ausschließlich als Mittel zum Zweck gesehen? Sind sie als Ergebnis der Industrialisierung der Arbeitswelt nur noch ein n-Tupel (Vektor) mit technischen Fähigkeiten, das mit einer Leistungs-Ampel versehen ist (Rot bedeutet unterperformant, Orange meint geht so und Grün steht für “den Überperformaner”). Und geht es nur noch darum, den richtigen “Skill” zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort zu bringen? Ist das mit Menschenwürde zu vereinbaren? Und schafft es das mittlere Management (seit Sommer 2008 auch als Lehmschicht bezeichnet), das Unternehmen geistig mobil zu halten? Ein funktionaler Führungsstil wird das fachliche und soziale Leben im Unternehmen reduzieren. Gerade bei Informatik-Unternehmen wird dies langfristig zum Schaden auch des Unternehmens sein.Oder sind die Chefs Führungskräfte, die sehr wohl wissen, dass Menschen sehr komplexe Wesen sind, die über ganz differenzierte Werte, Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse (Eselsbrücke WEIB) verfügen? Sehen sie sich als Multiplikatoren, deren Aufgabe es ist, fachliches und soziales Leben im Unternehmen zu mehren? Kreativität Können sie zuhören, sind sie im Denken “alterozentriert”? Verstehen sie den Unterschied zwischen einer Gruppe und einem Team. Sind sie in der Lage zu verstehen, dass “richtig” eingesetzte Mitarbeiter zu enormen Wertbeiträgen in der Lage sind. Ist ihnen klar, dass der Begriff “Leistung” kaum zu definieren und “Benchmarking” nur eine sehr trügerische Sicherheit gibt? Wie gehen die Vertreter des Systems mit Partnern, Lieferanten und Kunden um?
- Ethisches Handeln: Ethische Theorien entwickeln und dann mit angelernter Technik in die Praxis umsetzen - das geht nicht. Wir müssen ethisches Handeln im Alltag einüben. Als Voraussetzung müssen wir alte Fähigkeiten neu entwickeln: Die Kunst des Zuhören muss entfaltet werden. Wir müssen wieder lernen, unsere Umgebung achtsam zu beobachten. Und wenn wir als Manager täglich bewusst ethisch handeln, dann entwickelt sich auch die notwendige Sinngebung eines Unternehmens parallel mit dem sonstigen Erfolg. Wahrscheinlich stellen so geführte Unternehmungen Produkte her, die den Kunden einen echten Nutzen bringen.
- Vision: Teams arbeiten an Aufgaben. Ihr Gegner ist das zu lösende Problem, nicht die Menschen im Projekt. Sie konzentrieren sich auf die Herausforderungen der Aufgabe und wollen das Ziel erreichen. Systemische und bürokratische Hindernisse werden schnell aus dem Wege geräumt. Sinnvolle Regeln werden aus Einsicht eingehalten. Die Mitarbeiter wählen die Aufgaben, die sie übernehmen selber aus und stimmen sie im Team ab. - Jeder macht das, was er am besten kann.- Weiterbildung folgt dem eigenen Interesse.- Motivation ist intrinsisch begründet.- Alle Entwickler sind gleichzeitig Nutzer.- Der Kundennutzen wird selbst erlebt.- Die Organisationen ist einfach und klar.- Die Projektarbeit folgt eindeutigen Regeln.- Die Ziele sind transparent.- Der Erfolg der Arbeit wird fair geteilt.
- Vertrauenskultur: Können wir nicht in unseren Projekten fachlich präsent und leistungsstark sein, dies auch ohne persönliche Anwesenheit? Jeder im Team arbeitet im gemeinsamen Vertrauen, dass alle Teammitglieder ihre Aufgaben genauso motiviert und zuverlässig erfüllen. Täglich wird neues Vertrauen aufgebaut, es entwickelt sich eine Vertrauenskultur. Diese Vertrauenskultur ist in vielen OpenSource-Projekten vorhanden, sie hat den Erfolg dieser Entwicklungsgemeinschaften begründet. In der OpenSource-Welt ist die oben beschriebene Vision Realität geworden. Die aktuell sehr beliebte Methode “SCRUM” lebt auch von Vertrauenskultur. Und der RFID-Chip im Blaumann ist es nicht …
- NGO’s: Neue Kräfte werden in Politik und Gesellschaft wirksam. NGO’s (non governement organisation) wie Greenpeace, AI, Attac … spielen immer wichtigere Rollen in Gesellschaft und Politik. In Entwicklungsländern bringen sie oft mehr konkrete Hilfe für die Menschen als die nationalen Regierungen, ihr Ansehen ist dementsprechend höher. Um erfolgreich zu sein, müssen sie Abstand zu Politik und Wirtschaft halten. Die großen OpenSource-Produkte waren oder sind NGO-ähnlich. Wie würden wir die Welt ohne die großen OpenSource-Initiativen heute dastehen? Vielleicht werden Vereine wie der CCC (Chaos Computer Club) die nächsten wichtigen NGO’s des Informatik-Zeitalters.
- Zeitenwende: Sind wir fähig, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen? Die Einführung des Automobils hat verheerende Schäden angerichtet. Noch nie zuvor ist für eine Technologie soviel Umwelt geopfert worden. Der Blutzoll war und ist hoch. Allein in Deutschland sterben immer noch jedes Jahr mehr als 5000 Menschen durch die “automobile” Gesellschaft. Das sind mehr Verluste als die deutsche Wehrmacht im 1. Jahr des 2. Weltkriegs hatte. Die Amerikanische Streitmacht im Irak hatte in den 5 Jahren vom Beginn des Krieges bis zum Juli 2008 “nur” einen Blutzoll von 4000 Menschen zu beklagen. Vor einem Jahrzehnt waren sogar 10.000 automobile Opfer und mehr pro Jahr in Deutschland. Hätte man da nicht als verantwortlicher Entwickler früher Weichen stellen können oder gar müssen? Wie schaffen wir es als Informatiker, durch kluges Mitdenken und ethisches Handeln, andere aber wahrscheinlich ähnlich gravierende Fehlentwicklungen zu vermeiden? Meine Sorge gilt hier nicht nur den “virtuellen gated communities”.
- “gated communitiy”: Das ist ein ursprünglich positiv besetzter Begriff aus den USA: Eine (bessere) Wohngegend wird eingezäunt, Zugang und Zufahrt zentralisiert und kontrolliert. Als erwünschte Folge lebt es sich innerhalb der Zäune sicherer. Das ist sicher notwendig in einem Land, in dem jeder Schusswaffen besitzen darf und dies zu mehr als 30.000 Toten im Jahr führt. Aber ist das die Gesellschaft die wir uns wünschen? Ich bin ein Gegner von “eingezäunten Gesellschaften”. Schon als Kind wird - zu unserem Besten - unsere Freiheit im Kindergarten begrenzt. Schulen sollen eingezäunt und kontrolliert werden, die Hochschule der Bundeswehr ist es schon. Auch die Townships in Südafrika und Westberlin waren “gated communities”, wenn das für manche auch vorteilhaft war, so war das sicher kein schöner Zustand. Wie ich zur Siemens AG kam, war ich in der Hofmannstraße, einer eindeutig “gated community”. Neuperlach war Vision und Hoffnung: Hier sollte ein Forschungspark nach amerikanischen Muster entstehen, ohne Zäune aber mit integrierten Kindergärten, Geschäften, Cafés und Restaurants. Leider hat sich schon damals die Angst vor dem Terror durchgesetzt. Auslöser war wahrscheinlich der Mord am Forschungsleiter der Siemens AG, Kurt Beckurtz. Und so entstand eine weitere “gated community” - wie ich meine zu unser aller Schaden. In der neuen IT-Welt werden wir von virtuellen “gated communities” bedroht. Totalitäre Staaten kontrollieren ihre Bürger bei der Nutzung des Internets und schränken diesen systemgerecht ein. Private Unternehmen bauen technologische Zäune in ihre Software ein um Konkurrenten auszugrenzen. Andere entwickeln Wissens-Monopole. Staatliche Organisationen von demokratischen Staate sind bereit zur elektronischen Ausspähung, fördern sogar anonyme Anzeigen über das Internet (Denunziation), schaffen den transparenten Bürger und erzeugen Zäune der Angst und des Misstrauens. Unternehmen meinen, Sicherheitsmaßnahmen bis zum IT-Overkill ausbauen zu müssen, Privatleute sperren aus Angst vor dem Missbrauch durch Hacker ihr WLAN ab. Unser Denken wird von paranoiden Ängsten beherrscht, wir vergessen die realen Risiken, denen wir ganz normal als natürliche biologische Menschen und zusätzlich als Teil einer kompliziert kultivierten Zivilisation ausgesetzt sind. Wir Informatiker haben wirklich eine große Aufgabe vor uns und sind fürwahr verpflichtet uns in Ethik zu üben!
- Appell: Im Bayerischen Rundfunk gibt es eine Sendung “Musik und Politik”. Musiker spielen Jazz für die Demokratie. Ich wünsche mir Informatiker für Demokratie. Musiker sind Künstler, sie handeln mit Emotionen. Musiker sind sehr oft freie “Menschen”. Ihnen gelingt es - vielleicht auch aus Not - sehr oft, ihr Leben in Eigenverantwortung zu führen. Ich wünsche mir Ingenieure für Demokratie. Die Freiheit ist ein hohes Gut - sie ist die Basis für ethisches Handeln. Informatiker sind die Ingenieure der Welt von morgen. Und ich wünsche mir keine Informatiker, die glücklich aber unfrei sind, denn “The greatest enemy of freedom are happy slaves”. Also seien Sie alle frei-denkende Menschen und keine glücklichen Sklaven!
RMD
IF-Blog inside ?
31.07.08
IF-Blog wird jetzt bald vier Monate alt. Intuitiv gestartet haben wir Kontur gewonnen. Wo wollen wir hin?
Wir wollen der Blog für Unternehmer, Manager, Führungskräfte, Organisatoren und Informatiker werden. Unser Ziel ist es, bei der Eingabe von nachfolgenden Kombination in eine der Weltsuchmaschinen bei den Treffern ganz oben dabei zu sein:
Blog und
Unternehmer, Manager, Führung, Organisation, Informatik, Ethik …
oder auch
Ethik und
Unternehmer, Manager, Führung, Organisation, Informatik …
Dazu haben wir schon eine Reihe von namhaften Autoren gewonnen und suchen natürlich weitere. Als freie Kommunikationsgemeinschaft arbeiten wir ohne Redaktionskonferenzen. Alle drei Monate feiern wir eine Party. Als “OpenSource ähnliche” Gemeinschaft haben wir für unser Produkte die Creative Commons License gewählt.
Alle Dinge haben zwei Seiten. Unser Ziel ist es, auch die unpopuläre und kritische Seite aufzuzeigen. Wir wollen nicht dogmatischen Vorurteilen wie “das ist halt so” oder “das macht man so” folgen, sondern “gegen den Strich bürsten” und nachdenklich machen. Oft nehmen wir (noch) eine Aussenseiterposition ein. Wir wollen keine “glücklichen Sklaven” sein sondern frei urteilen.
Die Informatik spielt in IF-Blog eine zentrale Rolle, da die Informations-Technologie (IT) unsere Welt in einem Maße verändert hat und weiter verändern wird, wie das nur die “industrielle Revolution” oder in den letzten Jahren das Automobil bewirkt haben. Wir stehen an einer Zeitenwende, die “automobile Gesellschaft” wird an Gewicht verlieren, die “informations-mobile” Gesellschaft kommt
Die Relevanz von Informatik und Informations-Technologien ist schon heute evident. Man denke nur an den unvorstellbar schnellen Aufstieg von Unternehmen der Informationstechnologie wie z.B. Google, Microsoft, Oracel, SAP, Ebay und vielen anderen. Haben sich jemals utopische Unternehmensprinzipien wie OpenSource am Beispiel von Linux oder MySQL in anderen Technologien durchgesetzt? War ein Werk wie Wikipedia je vorstellbar? Der strukturelle gesellschaftliche Wandel durch WEB2 hinterlässt schon jetzt kräftige Spuren. So sind Ehen früher mehrheitlich in der Eisenbahn begründet worden, heute passiert dies im Netz.
IF-Blog werden wir mit Print-Medien vernetzen. Vor kurzem habe ich z.B. ein Magazin namens brandeins gefunden und war sehr angetan. Unser Ziel ist es, mittelfristig auch in solch bemerkenswerten Magazinen wie auch in IT-Fachzeitschriften, Tagespresse und bei Periodikas präsent zu sein und mit diesen zusammen zu arbeiten.
RMD
2-wochen-news - #7
31.07.08
Liebe Leser, sehr geehrte Herren und Damen!
Dies ist schon die 7. (siebente!) 2-wochen-news von IF-Blog. Aufgrund vieler positiver und oft sehr menschlicher Rückmeldungen haben wir den Versandkreis diesmal wesentlich vergrößert. Wir freuen uns, wenn Sie in unseren Blog hereinschauen, unsere Leser werden und bleiben, uns weiterempfehlen und uns vielleicht sogar einen Link von Ihrer Seite spendieren!
Wer nicht will, dass er auch in Zukunft von uns informiert wird, kann sich ganz einfach unter @@conf_url abmelden.
Für unsere alten Leser gibt es Neuigkeiten:
Hurra, wir haben ein neues Style-Sheet! In IF-Blog kann jetzt gesucht werden, die Einträge in Archiven oder Kategorien sind nicht mehr beschränkt, man kann Autoren herausfiltern. Die Autoren freuen sich, da der Umgang mit Bildern einfacher wird.
Hier die neuen Beiträge:
Geschundene Freiheit
Klaus-Jürgen Grün versucht folgende Fragen zu beantworten: Was bringt Menschen dazu, wie aus heiterem Himmel in eine Universität einzudringen und Dutzende von Kommilitonen zu erschießen? Warum rasten Eheleute nach dreißig Jahren Ehe ohne sonderliche Vorfälle plötzlich aus und erschlagen ihren Partner? Wie kommt es, dass unauffällige brave Männer in Ihrer Nachbarschaft eines Morgens als brutale Triebverbrecher enttarnt werden?
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der untergang der demokratie – ein übergang?
Eine bittere Abrechnung mit der Demokratie-Müdigkeit von Ulf D. Posé.
http://www.interface-ag.com/blog/kjg/geschundene-freiheit/
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wie ruiniert man eine firma … ? (rmd)
Roland M. Dürre erklärt an einem Witz, wie man es macht und ärgert sich über Firewalls mit 5000 Regeln …
http://www.interface-ag.com/blog/udp/der-untergang-der-demokratie-%e2%80%93-ein-ubergang/
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vorträge ohne folien (rmd)
Derselbe Autor meint, dass Folienvorträge langsam langweilig werden und man es anders besser machen kann …
http://www.interface-ag.com/blog/rd/wie-ruiniert-man-eine-firma/
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wie man eine firma nicht ruiniert, sondern nachhaltig nach vorne bringt!
Noch mal RMD mit Empfehlungen, die aus der Folgediskussion zum vorletzten Artikel entstanden sind …
http://www.interface-ag.com/blog/rd/vortrage-ohne-folien/
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selbst für den lieben gott ein harte nuß!
Eine kleine Geschichte, gefunden von Rudi Jansche.
http://www.interface-ag.com/blog/rd/selbst-fur-den-lieben-gott-ein-harte-nus/
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von ottobrunn nach unterhaching #3 im regen (rmd)
RMD macht (wieder mal) Werbung fürs Radfahren.
http://www.interface-ag.com/blog/rd/von-ottobrunn-nach-unterhaching-3-im-regen-rmd/
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wer braucht office wirklich (it-erfahrungen)?
Office sind ein muss auf vielen Rechnern, aber braucht man sie überhaupt?
http://www.interface-ag.com/blog/rd/wer-braucht-office-wirklich-it-erfahrungen/
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prototypen schlagen konzepte
Edwin Ederle wurde inspiriert vom Artikel von Frank Schütz über die Notwendigkeit von Konzepten!
http://www.interface-ag.com/blog/ee/prototypen-schlagen-konzepte/
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internet autobiographie rmd ![]()
Der Hauptautor stellt sich (nicht ganz ernstgemeint in Kurzform) vor.
http://www.interface-ag.com/blog/rd/internet-autobiographie-rmd/
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wie man eine firma entwickelt (positive gedanken)
Noch einmal Gedanken zur strategischen Unternehmensentwicklung, Fortsetzung folgt …
http://www.interface-ag.com/blog/rd/wie-man-eine-firma-entwickelt-positive-gedanken/
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brauche ich office?
Die Antwort von Edwin Ederle …
http://www.interface-ag.com/blog/?p=204
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sind neufahrzeuge wirklich so umweltfreundlich?
Der erste Beitrag von Jens-Uwe Schmidt; eigentlich ist er unser Storage-Experte, aber diesmal schreibt er über Autos …
http://www.interface-ag.com/blog/jus/sind-neufahrzeuge-wirklich-so-umweltfreundlich/
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flieger für die wüste
Und dann noch mal Roland Dürre, er macht sich Gedanken über die Zukunft der Airlines, Entschuldigung der Luftfahrtgesellschaften.
http://www.interface-ag.com/blog/rd/flieger-fur-die-wuste/
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zum thema “profiling” - oder auch: wie nutzt man die heutige informationsflut zum erkenntnisgewinn? teil 1
Bernhard Findeiss setzt seine Artikelserie fort mit dem Thema “profiling”. Im ersten Beitrag definiert er erst mal den Begriff.
http://www.interface-ag.com/blog/bf/zum-thema-profiling-oder-auch-wie-nutzt-man-die-heutige-informationsflut-zum-erkenntnisgewinn-teil-1/
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sind die einfachen antworten immer so einfach?
Edwin Ederle zeigt am Beispiel eines Verbotes von Energiesparlampen, dass die Dinge nicht immer so einfach sind wie sie es scheinen.
http://www.interface-ag.com/blog/ee/sind-die-einfachen-antworten-immer-so-einfach/
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Allen “Neulesern” wünsche ich ein herzliches Willkommen, bei den Altlesern möchte ich mich für Ihre Treue und die zahlreichen Rückmeldungen bedanken!
Roland Dürre
Australien, eins der Länder mit dem größten CO2-Ausstoß pro Kopf will die Glühlampe verbieten und erwartet durch den Einsatz von Energiesparlampen eine jährlich CO2-Einsparung von 800.000 Tonnen. (Siehe Tagesschau vom 30.7.2008). Bei einem jährlichen Ausstoß von 603 Millionen Tonnen ist das eine Einsparung von 0,13 Prozent!
Dies wird als energiepolitischer Fortschritt gesehen - meines Erachtens keine so bemerkenswerte Einsparung - die Schweiz hat sich angeschlossen und auch ein EU-weites Verbot ab 2010 wird diskutiert. (Ich wüsste gerne, wieviel CO2 verbraucht wird durch all die Flüge zu den dafür nötigen Abstimmungsrunden). Focus entkräftet alle Argumente gegen Energiesparlampen und bei Zitaten wie “Im Vergleich zu Glühlampen, die ihre Wärme im wesentlichen in Wärme umsetzen, 95:5%, geht bei Energiesparlampen viel mehr Energie in Licht und weniger in Wärme, nämlich 20%. Sie werden es merken, wenn sie sie anfassen, sie sind nicht warm.” (gefunden im Deutschlandfunk ) scheint es auch die logische Antwort zu sein.
Die einfachen, ach so logischen Antworten reizen mich oft zum Nachdenken - denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Realität oft vielschichtig und kompliziert wird. Die einfachen Antworten erscheinen nicht mehr so einfach, wenn man mehrere Dimensionen betrachtet.
So könnte man überlegen, wann man in unseren Breitengraden am meisten Licht benötigt. Bestimmt nicht in der Sommerzeit, sondern in den langen (kalten) Winternächten. Hier geht dann 95% der eingesetzen Energie verloren! Verloren? Sie wird in Wärme umgesetzt, was aber doch in den kalten Winternächten gar nicht so schlecht ist. Da unsere Heizungen mit Thermostatreglern ausgestattet sind, muß damit die Heizung weniger arbeiten. Somit ist die Netto-Energieeinsparung wohl geringer, sobald man nicht mehr nur die eine Dimension “Licht” betrachtet. Wenn man nun noch berücksichtigt, dass Energiesparlampen aufwändiger in der Produktion sind und wegen giftiger Inhaltsstoffe als Sondermüll entsorgt werden müssen, frage ich mich, ob man wirklich mit neuen Gesetzen und Verordnungen gegen Glühbirnen vorgehen sollte. Oder ist das nur ein Feigenblatt für die Politik, weil es ja auf den ersten Blick so verlockend logisch klingt?
Durch Zufall bin ich in dem Zusammenhang auf das Märchen vom CO2-freien Atomstrom gestoßen. Ohne zu wissen, ob die Aussagen dort wahr sind, mahnt mich auch das wieder daran, die einfachen Antworten zu hinterfragen.
E2E
In der heutigen Zeit ist oftmals von der “Informationsflut” die Rede, die immer mehr über uns hereinbricht. War in früheren Zeiten Information noch ein knappes Gut, dessen größtes Problem die Beschaffung war (ihre Verwendung, sollte sie einmal in Besitz sein, jedoch klar), so hat sich diese Situation in unserer heutigen Informationsgesellschaft genau ins Gegenteil verkehrt:
Informationen sind überall, zu (fast) jedem beliebigen Thema, in großer Zahl und leicht erhältlich.
Nun ist es ist die Verarbeitung, die uns vor Probleme stellt. Dies ist auch dadurch bedingt, daß es heute i.d.R. eine Informationsmenge zu sichten gilt, die für Menschen nicht mehr überschaubar ist. Der Einsatz computergestützter Mittel ist daher oftmals der einzige Ausweg.
Dies bedeutet daher, mithilfe statistischer Methoden eine große Menge von zur Verfügung stehenden Informationen nach zusammenhängenden Strukturen zu durchsuchen (etwa nach Person, Sache oder Ereignis), und daraus automatisiert Wissen abzuleiten.
Eine solche zusammenhängende Struktur nennt man ein Profil. Je nachdem, ob das durch das Profil repräsentierte Subjekt eine Person oder eine Gruppe ist kann man zudem weiter verfeinern in persönliche Profile oder Gruppenprofile.
Profiling kann somit auch als “der Prozess der Erstellung oder Anwendung eines Profils einer Gruppe oder einer Person” bezeichnet werden (freie Übersetzung nach FIDIS ).
Profiling ist zudem mit einem Lernprozess verbunden. Die bloße Anwendung eines Satzes von Regeln ist nicht ausreichend. Deswegen sind aus Profiling gewonnene Erkenntnisse auch immer kritisch zu hinterfragen und sollten nicht automatisch als korrekt angesehen werden. Ihre Qualität ist außerdem auch abhängig von der Menge an Informationen, die zur Analyse zur Verfügung stehen: Je größer die zugrundeliegende Datenbasis, desto besser wird in der Regel auch das Ergebnis sein (auch wenn man das natürlich nicht garantieren kann).
Profiling ist in der heutigen Zeit sehr verbreitet. Beispiele hierfür findet man z.B. auf Shopping-Seiten (”Andere Kunden, die dieses Produkt gekauft haben, kauften auch dieses andere Produkt…”), bei Rabattsystemen, die Kunden im Austausch für persönliche Daten bestimmte Vergünstigungen anbieten (Beispiel “Payback”) oder auch bei Kreditkartenfirmen, die Profiling einsetzen, um möglichen Kartenmißbrauch aufzuspüren. Einige der neuen Dienste im Web nutzen Profiling sogar als zentralen Aspekt ihres Angebots, etwa der Musikdienst last.fm. Dieser bietet eine Art persönliche Radiostation an, die nur Titel spielen soll, die einem auch gefallen. Hierzu werden die musikalischen Vorlieben eines Benutzers anhand seiner in der Vergangenheit häufig gespielten Lieder ermittelt, um dann andere Benutzer zu finden, die über einen ähnlichen Musikgeschmack verfügen. Die Titel, die ihn deren persönlicher Abspielliste stehen werden dann auch für die eigene persönliche Radiostation übernommen.
Man kann sich nun leicht vorstellen, warum Profiling ein sehr sensibles Thema ist, und auch eine hohe datenschutzrechtliche Relevanz besitzt:
- Man arbeitet in der Regel mit einem sehr großen Satz an Daten (heutige Data Warehouses erreichen schon mal mehrere 100 Terabytes)
- Diese Daten lassen sich alle auf bestimmte Personen oder Gruppen von Personen beziehen
- Man versucht, durch geeignete Verknüpfung dieser Daten neue Erkenntnisse zu gewinnen, aber
- Diese Erkenntnisse müssen nicht korrekt sein
Beim Einsatz von Profiling ergeben sich daher eine Reihe von Risiken.
Welche Risiken das sind, und wie man am besten mit ihnen umgeht, wird jedoch Thema von Teil 2 dieses Artikels sein.
Flieger für die Wüste
29.07.08
Anfang 2008 bin ich mit der MS Europa und mit lieben Freunden von CAIRNS in Australien nach MANILA auf den Philippinen gereist. Das war vor meiner flugfreien Zeit. Hin bin ich für unglaubliche 750 EURO mit Quantas und Jetstar Airline von Frankfurt via Singapur und einem Zwischenstop in Darwin nach CAIRNS geflogen. Es war die “Holzklasse” und gerade die Jetstar Airline hat doch stark an die deutsche BA von Herrn Wöhrl erinnert. Rückwärts von Manila via Abu Dhabi nach München sind wir dann für ebenso unglaubliche 700 EURO mit Etihad in der Business-Klasse geflogen!
Zwar kannte ich damals Etihad noch nicht, aber meine nicht nur in touristischen Fragen sehr kundige Tochter Sabine konnte mich schnell beruhigen, dass dies eine Airline vergleichbar mit Emirates wäre und ich mir keine Sorgen machen müsse. Meine Freunde hatten übrigens ein wenig früher gebucht und für den gleichen Flug in der Business Klasse nur 650 EURO bezahlt. Die Business Class in den Etihad-Maschinen war von maximalem Luxus, nur die Stewardessen machten einen leicht “zombi-haften” Eindruck. Mir ging es aber nur darum, im Flugzeug flach liegen zu können, auf den ganzen Techno-Schnickschnack verzichte ich gerne. Immer wieder frage ich mich, warum die Langstreckenflieger nicht einfach Liegen haben (wie im Liegewagen der Eisenbahn). Das wäre billiger und könnte mit ein wenig Nachdenken sicher genauso platzsparend gelöst werden wie die Bestuhlung.
Im Juli las ich dann in der Süddeutschen im Wirtschaftsteil, dass Etihad am ersten Tag der Farnborough Air Show 45 Maschinen des Typs Boeing 777 und 787 (mit Optionen fast 100) bestellt habe und außerdem bei Airbus zehn A380, 20 A350-1000 und 25 A320 kaufen wolle. Weiter hätte Etihad einen Jahresverlust erwirtschaftet, der ungefähr den Öleinnahmen eines Tages von Abu Dhabi entspräche. Und dass Abu Dhabi in den nächsten Jahren etwa 200 Milliarden Dollar investieren wolle, um sich unabhängiger von Öleinnahmen zu machen. Die Frage sei mir gestattet, wie man sich mit dem Aufbau einer Airline vom Öl unabhängig machen kann?
Im Juli 2008 lese ich auch folgende Presse-Mitteilung:
“IEA-Direktor Tanaka glaubt nicht an ein wirkliches Absinken der Ölpreise. In den kommenden zwei Jahren mag es zu Preisentspannungen kommen, da neue Ölförderprojekte die Produktion aufnehmen. Danach werde die Förderleistung aber sinken, bei gleichzeitig steigender Nachfrage aus Entwicklungsländern.”
Dies erscheint mir eine recht realistische Prognose. Und Abu Dhabi hat ja auch genug Platz in der Wüste, um dann seine wahrscheinlich nicht mehr benötigten Jets abzustellen. Vielleicht passen dann auch die ja noch mal auszuschreibenden Tankflugzeuge der US Army (im zweiten Anlauf dann von Boeing) auch noch hin.
RMD
Ich finde es ist an der Zeit, das ganzen Geschrei über die Umweltbelastung der Autos auf unseren Straßen etwas kritisch zu kommentieren. Überall hört man, dass man tunlichst neue, verbrauchsoptimierte Kraftfahrzeuge kaufen möge, um den Ausstoß an CO2 zu minimieren. Bei den Diskussionen im Fernsehen sind dann auch lauter Fachleute eifrig am Argumentieren, zum Beispiel Herr Wissmann (Präsident des Verbandes der Automobilindustrie) oder noch direktere Abgesandte der Automobilhersteller. Ein Schelm, wer böses dabei denkt, denn natürlich haben diese Herren nur die Minimierung der Umweltbelastung im Sinn und nicht etwa die Gewinnmaximierung ihrer Brötchengeber.
Beleuchtet man die “Schädlichkeit” eines Autos, so wird immer wieder gerne der Ausstoß des Fahrzeuges im Betrieb hergenommen, aber Autos wachsen nun mal nicht auf Bäumen sondern müssen hergestellt werden. Die Herstellung eines Kraftfahrzeuges beansprucht ein erhebliches Kontingent an Energie, aufwändige Rohstoffherstellung, Transport zum Kunden etc. Und wenn das Auto nicht mehr gebraucht wird muss es natürlich fachgerecht entsorgt werden.
Der komplette Lebenszyklus wird nur in der Öffentlichkeit so gut wie nie diskutiert, denn da sähe es für die ach so verbrauchsarmen Kleinwagen gar nicht mehr so gut aus, denn sie halten nicht so lange wie die “Großen”.
Besonders angeführt sein soll hier der ach so hoch gelobte Toyota Prius. Die Herstellung dieses Hybridfahrzeuges ist ungleich aufwendiger als die eines konventionellen Fahrzeuges, zum Beispiel die Gewinnung und Weiterverarbeitung des für die Batterien notwendigen Nickels. Dieser Rohstoff wird in Kanada gewonnen, die Gegend um den Betrieb gleicht durch den Ausstoß an saurem Abgas eher einer Hölle. Dieses nutzt zum Beispiel die NASA, um in diesem Gebiet ihre Mond- und Marsfahrzeuge zu testen. Der Nickelrohstoff (ca. 1000t pro Jahr für Toyota) wird dann zur Weiterverarbeitung nach Wales verbracht, von dort aus geht es nach China, wo Nickelschaum daraus gemacht wird, der dann zu Toyota nach Japan verschifft wird. Diese Transporte erzeugen natürlich auch wieder CO2. Dies ist nur ein Beispiel über zu zuliefernde Güter, eine komplette Analyse der anfallenden Emissionen über alle herstellungsbedingten Prozesse ist natürlich äußerst aufwendig. Ein Beispiel für eine solche, “Produktlinienanalyse” genannte, Untersuchung ist hier für einen simplen Joghurt nachzulesen.
In Amerika hat sich ein Marktforschungsinstitut daran gemacht, eine Studie über diese Zusammenhänge zu erstellen. Das Werk heißt “Dust to Dust” von CNW Marketing Research wo nachzulesen ist, was ein Kraftfahrzeug an Energie pro gefahrener Meile kostet. Viele hundert Variablen sind dort berücksichtigt: Herstellung und Transport der Rohstoffe, der Weg der Arbeiter zur Fabrik, die in der Fabrik verbrauchte Energie, der Transport des fertigen Autos zum Verkaufsort, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Das Ergebnis ist in einigen Punkten wenig überraschend, dass zum Beispiel ein Maybach äußerst schlecht dasteht oder dass Kleinwagen (für amerikanische Verhältnisse) mit Ausnahmen gut dastehen. Überraschend ist, das Autos, wie zum Beispiel ein Jeep Wrangler, das Offroad Urgestein, sehr gut wegkommen. Die Erklärung ist relativ einfach: Das Auto ist recht simpel in der Herstellung, es wird vergleichsweise über einen langen Zeitraum aber mit wenig zurückgelegter Fahrtstrecke bewegt und ist auch relativ einfach zu entsorgen, weil es aus wenig Teilen besteht.
Äußerst interessant dazu ist auch der Artikel in der aktuellen (07/2008) Ausgabe der Oldtimer Markt wo ebenfalls der Schluss gezogen wird, dass der Kauf von Neuwagen keineswegs das Klimaproblem lösen wird. Denn je länger man ein Auto benutzt um den eigentlichen Zweck des Autos, nämlich Menschen und Güter von A nach B zu befördern, zu erfüllen, um so klimaverträglicher wird es. Denn es ist ja schon da.
Ich würde mir wünschen, dass der Hersteller meines Autos mir anbieten würde, alle 5 Jahre mein Auto mit einem aktuellen Motor oder einer verbesserten Motormanagementelektronik mit besserem Abgasverhalten nachzurüsten. Aber das wird die Automobilhersteller nicht interessieren, sie werden zusammen mit den Politikern, nicht zuletzt wegen dem Erhalt von Arbeitsplätzen, auf der derzeitigen Argumentation verharren. Ich aber werde weiterhin mein Auto, was auf Autogas umgebaut ist, weiter benutzen. Es ist mit gut 230000 zurückgelegten Kilometern für meine Begriffe auch gerade erst gut eingefahren. (JUS)
Brauche ich Office?
27.07.08
RMD’s Frage wer denn Office wirklich braucht , hätte ich gerne spontan mit “Niemand” beantwortet, hielt dann kurz inne und fing an zu überlegen, warum ich dann täglich mit Office arbeite. (Es ist generell empfehlenswert, zu überlegen, bevor man etwas sagen will ;-))
Die Antwort darauf ist relativ einfach: weil all meine Kunden und die meisten Leute, mit denen ich interagiere Office benutzen. Ein Henne-Ei-Problem: Ich (und vielleicht viele andere auch) benutzen ein Produkt, das meines Erachtens seinen Fokus schon längst wegbewegt hat vom Kundennutzen zum Nutzen für Microsoft, weil alle anderen es benutzen.
Und hier muß man wohl ansetzen: Die meisten Privatanwender, die nur selten “Anwendungen” austauschen, Word statt einer Schreibmaschine benutzen, Excel benutzen, weil man damit so schöne Tabellen machen kann (und ich habe auch schon im geschäftlichen Umfeld gesehen, dass Zahlen in einer Spalte mit dem Taschenrechner aufaddiert wurden und die Summe eingetippt wurde) und eine Access-Datenbank erstellen, um ihre CDs zu katalogisieren (die moderne Beschäftigungstherapie als Alternative zum Briefmarkensammeln?), brauchen kein Office - und ganz bestimmt nicht eine aktuelle Version. Schon auf einem Commodore 64 gab es Textverarbeitung, die alles konnte, was 99% der Word-user benutzen - ohne viele MBs an Hauptspeicher zu verschlingen. Für diese Benutzer gibt es eine Fülle an besseren (und billigeren) Tools.
Auch die Ingenieure und Wissenschaftler wissen, welches Tool für sie den besten Nutzen bringt - sobald sie aber Dateien austauschen wollen, hat es enormen Vorteil, sich “einig zu sein” über das Tool.
Dasselbe trifft innerhalb eines großen Unternehmens zu: wenn jede Sekretärin ihr “Lieblings-Textverarbeitungs-Programm” benutzt, dann entsteht enormer Reibungsverlust.
Was ich aber gar nicht nachvollziehen kann: warum brauchen wir alle 2 Jahre eine neue Office-Version (die soviel Resourcen frisst, dass man nur dafür neue Hardware und neue Betriebssysteme braucht, die zu horrenden Kosten auf alle Arbeitsplätze in einem Unternehmen ausgerollt werden müssen). Ein gigantisches Konjunkturprogramm für Microsoft und die Hardware-Industrie? Die Open-Source-Produkte machen existierenden Office-Benutzern den Umstieg leider so schwer, dass die nötige kritische Masse neben Microsoft nur schwer entstehen kann.
Ich gehöre sicher zu den “Power-Nutzern” der Office-Produkte, aber seit Office 2000 (eigentlich auch da schon nicht richtig) gab es keinen wirklichen Fortschritt mehr und die neuen Features sind nicht wirklich nützlich. Ich schätze, dass 99% der Word-User maximal mehrseitige Briefe auf Word schreiben (und keine Ahnung davon haben, dass Fußnoten, automatische Inhaltsverzeichnisse, Serienbriefe, Stichwortverzeichnisse und vieles mehr unterstützt wird.) und dass viel Excel-Benutzer die Zellen nur benutzen, weil sie nicht wissen, dass man auch in Word Tabellen erstellen kann. Niemand, der in Excel Modelle erzeugt, würde auch nur einen cent für die neu eingebaute Rechtschreibhilfe bezahlen (sich aber freuen würden, wenn stattdessen einige Fehler behoben würden). Und wenn man liest, dass Excel 2007 bis zu 1 Million Zeilen und 16000 Spalten unterstützt, weiß man, das nur noch mehr Leute das falsche Tool benutzen werden. Ich hatte einen Kunden, der eine 820-MB-Excel-Datei gebaut hat, die nur noch Probleme machte. Durch intelligentes Redesign (und etwas Erfahrung) konnten wir das auf 6MB bei gleicher Funktionalität reduzieren (die Rechenzeit von 25 Minuten auf Sekunden-Bruchteilen). In solchen Fällen nur das Kaliber der Waffe zu erhöhen, kann nicht die Lösung sein.
Deshalb: wenn Unternehmen statt Millionen in neue Software und Hardware lieber in Ausbildung ihrer Mitarbeiter investieren würden, dann könnten diese auch mit “veralteter” Software all ihre Probleme lösen.
E2E
Wolf Geldmacher (mein langjährige Freund und Partner aus der Schweiz, gemeinsam haben wir die InterFace Connection GmbH, die heutige InterFace AG, gegründet) und ich versuchen immer wieder hinter die Geheimnisse erfolgreichen Unternehmertums zu gelangen. Dieses Wochenende hatten wir wieder mal die Gelegenheit, uns auszutauschen.
Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein und was kann man tun, um eine kurzfristig wie langfristig erfolgreiche und nachhaltige Entwicklung eines Unternehmens abzusichern? Gibt es Bedingungen, die nützlich, notwendig oder vielleicht sogar hinreichend für den Erfolg eines Unternehmens sind?
Eine ganz schwer zu beantwortende Frage!
Aber vielleicht ist es ja ganz einfach:
- Wir beobachten aufmerksam die Umwelt des Unternehmens und nehmen die stattfindenden Veränderungen ernst.
- Wir nutzen das Wissen aller Stakeholder des Unternehmens, besonders das unserer Mitarbeiter, Kunden und Partner.
- Wir folgen der Dynamik des Marktes.
- Wir versuchen immer klug zu Handeln.
- Wir bleiben uns und dem Unternehmen immer treu!
Mit anderen Worten:
Wir betrachten ein Unternehmen wie einen Organismus, der sich ganz von selbst entwickeln möchte. Wir als Unternehmer haben eine besondere Verantwortung, das Gelingen zu beeinflussen. Und dank unserer unternehmerischen Freiheit haben wir vielleicht sogar auch besondere Möglichkeiten, die Entwicklung des Unternehmens zu fördern.
Daraus folgt:
Ein erfolgreiches Unternehmen muss eine vom Markt gesteuerte (market driven) Stätte der Entfaltung für alle im und fürs Unternehmen tätigen Menschen sein.
Klingt doch ganz einfach? Und ist doch täglich eine Riesenherausforderung!
RMD
Internet Autobiographie RMD :-)
23.07.08
Da wir laufend mehr Leser gewinnen, die mich (RMD) noch nicht kennen - und um das Sommerloch zu füllen, hier meine Autobiographie. Natürlich ganz kurz, sehr schematisch und modellhaft, skaliert in 10-Jahres-Scheiben und nur die wirklich wichtigen Ereignisse enthaltend, eben internetgerecht:
Lebenslauf RMD erstellt im Juli 2008:
1950 geboren als Mensch mit der Perspektive des “Tagelöhners”, zugewiesener Nachname Dürre, getauft auf die Vornamen Roland und Maria.
1960 im Gymnasium erwachsen werdend, “starting over”.
1970 Zwangsdienst leistend bei der nicht königlichen Deutschen Luftwaffe, Barbara lieben, mit Computer arbeiten, Mathematik studieren und Siemens kennen gelernt.
1980 endlich rauchfrei geworden, begonnen viele Kinder zu kriegen, unternehmerische Attitüden entwickelt.
1990 ziemlich fernsehfrei geworden (außer Fußball), mit HIT und CLOU unternehmerisch ganz schön weit oben angekommen.
2000 Dummheiten gemacht, Rückschläge eingesteckt, wieder aufgerappelt.
2010 (fast) autofreier und kaum mehr fliegender, in virtuellen Welten lebender WEB2-Teilnehmer.
2020 ausklingende Einsätze, weniger Stress, aber immer noch dabei.
2030 End of Game
So könnte es sein.
RMD



