Heute geht es um die Abkürzung RK. Bei RK denke ich an den Ronneburger Kreis, einem gemeinnützigen Verein, bei dem ich Mitglied bin. Der Ronneburger Kreis wurde von Menschen gegründet, die sich bei Management-Trainings von Rupert Lay kennengelernt haben und die der Meinung waren, man müsste etwas für ethisches Handeln in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft tun. Ich war Mitgründer und habe lange Jahre im Kuratorium und jetzt im Beirat des RKs gewirkt. Meine Erfahrung: als Lobby für ethisches Handeln hat man es auch nicht leicht.

Heute geht es aber um die Relevanzkriterien in Wikipedia, abgekürzt RK:

RK bzw. WP:RK
Sind Abkürzungen für Relevanzkriterien; WP:RK funktioniert als Abkürzungsredirect auf dieselben

(original aus dem Glossar von Wikipedia kopiert)

Das mit der Relevanz ist natürlich eines der Hauptprobleme einer demokratisch organisierten Enzyklopädie. Wikipedia ist multidimensional geworden. Gestartet als allgemeine Enzyklopädie enthält es heute (fast) alles. Man findet unter anderem:

  • Ein Nachschlagewerk für IT-Probleme (z.B. was gibt es für Ports?)
  • Beschreibungen technischer Sachverhalte (Wie funktioniert eine Nabenschaltung?)
  • Definitionen von (philosophischen) Begriffen (Was ist Glück?)
  • Beschreibungen von Unternehmen (Was ist Siemens?)
  • Das neue “Who is who” für Menschen und Unternehmen (Wer ist Rupert Lay?)
  • Geschichten der Pop-Musik (Was ist Hey Jude?)
  • Begriffe aus dem Management (Was sind “Lessons Learned “?)
  • Schachvereine (Gibt es einen FC Bayern München im Schach?)
  • und vieles mehr …. (Was ist wikipedia?)

Ich könnte die Liste noch ziemlich lange fortsetzen …

Was ist denn relevant?

Zuerst die Definition von Relevanz in Wikipedia. Man sieht am Eintrag, dass der Begriff nicht einfach ist. Deshalb ein (un-)lustiges Beispiel für persönlich empfundene Relevanz.

Bei der S-Bahn im Großraum München ist die von mir gefühlte Pünktlichkeit deutlich schlechter als die von der Deutschen Bahn AG veröffentlichte Statistik zur Pünktlichkeit. In der Statistik sind fast 80 % der S-Bahnen pünktlich, mein Eindruck als Nutzer ist, dass es nur jede zweite ist. Das liegt unter anderem auch daran, weil in der Statistik eine Verspätung von 5 Minuten als nicht relevant gewertet wird und deshalb eine S-Bahn erst dann als verspätet gezählt wird, wenn sie mehr als 5 Minuten später kommt. Fünf Minuten Verspätung seien nicht relevant. Das lasse ich für den Zug von Hamburg nach München gelten. Wenn ich aber von Riemerling nach Neuperlach will, dann sind 5 Minuten Verspätung bei 6 Minuten Fahrzeit schon relevant. Wenn die Zugfolge (wie ab und zu ab Unterhaching) im 10-Minuten-Abstand erfolgen soll, sind 5 Minuten die Hälfte des Takts und deswegen auch relevant. Und wenn die S-Bahn sich in einen Tunnel einreihen soll, in dem (theoretisch) im Minutentakt gefahren werden kann, so hat das auch relevanet Folgen. Wenn dagegen der Zug mit dem Atommüll nach Gorleben einen Tag Verspätung hat, dann ist das sicher nicht relevant, man denke nur an die vielen 100.000 Jahre, die der Müll noch strahlen wird.

In Wikipedia ist es natürlich noch viel schwieriger mit der Relevanz, gerade wenn es um Personen, Unternehmen oder gar Sport und Sportvereine geht. Aber es gibt für alles klare und demokratisch erstellte Regeln. Wer und was in Wikipedia rein darf, das steht in den Relevanzkriterien.

Nehmen wir zum Beispiel Schachvereine. Ein Schachverein gilt als relevant, wenn er einmal in einer höchsten nationalen Spielklasse und/oder in einer internationalen Spielklasse gespielt hat. Und dann wird in den Regeln präzise festgelegt, was in welcher Zeit und in welchem Land als höchste nationale Spielklasse zu gelten hat. Die Bayernliga von 1968 ist da nicht dabei, obwohl sie damals die höchste deutsche Spielklasse war. Das hat 1968 (da gab es im Schach noch keine Bundesliga) aber nicht gereicht. Da musste man als Verein in der Endrunde der deutschen Meisterschaft sein, um heute relevant zu sein. Der an Mitgliedern stärkste Verein ist den RKs folgend nicht relevant und darf so nicht in Wikipedia rein. Auch ein Verein, der in 1873 gegründet wurde und heute noch existiert, ist nicht relevant, es sein denn, er wäre mal Deutscher Meister geworden. Sollte ja auch in 135 Jahre der Existenz möglich gewesen sein. Man sieht, “gerechte” Relevanzkriterien festzulegen ist gar nicht einfach.

Gerade bei “Wirtschaftsunternehmen” sind die Relevanzkriterien besonders umstritten:

Als relevant für einen enzyklopädischen Eintrag gelten Unternehmen, die

  • mindestens 1000 Vollzeitmitarbeiter haben oder
  • mindestens 20 Zweigniederlassungen / Produktionsstandorte / Filialen (keine Verkaufsbüros/Handelsniederlassungen etc.) besitzen oder
  • an einer deutschen Börse im regulierten Markt oder in einem gleichwertigen Börsensegment im Ausland gehandelt werden oder
  • einen Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro vorweisen oder
  • bei einer relevanten Produktgruppe oder Dienstleistung eine marktbeherrschende Stellung oder innovative Vorreiterrolle haben (unabhängige Quelle erforderlich) oder
  • eines dieser Kriterien historisch erfüllten.

(Originaltext Wikipedia, 16. 11. 2008, 19:35)

Eine klare Definition, die natürlich viele “relevante” Unternehmen ausschließt. Und da lief auch gerade wieder eine heftige Diskussion innerhalb Wikipedias ab (nach dem Motto: “Wikipedia ist kein Mädchenpensionat”), ob man die RKs für Unternehmen nicht erweitern sollte. Die Bandbreite der Meinungen geht da weit auseinander. Es gibt da auch Meinungen wie die, dass Unternehmen mit mehr als 5 Mitarbeitern relevant sind.

Die Relevanz von Personen ist auch ein schwieriges Thema. Natürlich lockt die Eitelkeit viele Menschen ins moderne “Who is who”. Und da wird es schwierig, wer rein darf und wer nicht. Mit meinem Selbstversuch bin ich ja schnell und den Kriterien folgend absolut zu recht gescheitert. Aber auch da gibt es interessante Konstellationen. Wie überall hat der Fußball auch in Wikipedia eine besondere Rolle. Als bekennender Haching-Fan habe ich natürlich nach den Spielern der Spielvereinigung gesucht. Da habe ich auch den Torwart Marcus_Stolzenberg gefunden, den ich nicht kannte. Er hatte nur ganz wenige Einsätze in der ersten Mannschaft von Haching (und auch sonst nicht), erfüllt aber die Relevanzkritierien für Fußballspieler. Auch hierzu habe ich vor kurzem in Wikipedia eine leidenschaftliche Diskussion entdeckt:  Ist ein Spieler, der nur einmal drei Minuten in der 2. Bundesliga zum Einsatz kam, relevant? Nach den Regeln sicherlich, aber man darf zweifeln, ob dieser junge Mann relevanter ist als ein Abteilungsleiter, der bei Siemens oder BMW 40 Jahre gearbeitet hat.

Technisch könnte man alle Menschen und Unternehmen in Wikipedia “reinlassen”. Aber wie kann man den hohen Qualitätsanspruch halten, wenn man eine solche Artikelflut zulässt? Wer soll das alles prüfen und gegebenenfalls korrigieren? Wer hält es auf dem Laufenden? Hilft ein Verfallsdatum für nicht gelesene und gepflegte Artikel? Alles noch zu lösende Probleme mit spannenden Diskussionen.

Der Prozess der demokratischen Meinungsbildung ist auch in Wikipedia nicht einfach, auch wenn mir scheint, dass er dort deutlich konstruktiver erfolgt als bei unseren politischen Parteien. Dazu gehört auch das Entwickeln von nPOVs (neutral Point of View), der Begriff kommt dann in der nächsten Folge von “Wikipedia und ich” dran.

RMD

P.S.

:-) Beim Prominentenkick habe ich auch schon mitgemacht, aber selbst deswegen bin ich nicht relevant! So erfreue ich mich an meiner Irrelevanz. Und weil ich es oben erwähnt habe, lasst uns gemeinsam Paul und sein Hey Jude (Vorsicht Musik!) anhören .

Der Vortrag von Jörg Schindler (hier die Ankündigung) im IF-Forum am 13. November 2008 war für alle Zuhörer hoch spannend. Herr Schindler fasste ganz knapp und präzise die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Rohstoffen Öl, Gas, Kohle und Uran zusammen und präsentierte klare Schlussfolgerungen. Beeindruckend, wie er durch Fakten erhärtete, dass sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten einiges im Energie-Sektor ändern wird. Herr Schindler verwahrte sich in seinem sachlichen Vortrag gegen Spekulationen aller Art, wie denn der Wandel vor sich gehen würde und welche direkten Auswirkungen sich auf die Wirtschaft und die globale Situation ergeben würden. Allen Zuhörern wurde im Laufe des Vortrages aber klar, dass wir definitiv vor einer entscheidenden Wende stehen, dass aber konkrete Prognosen nicht möglich sind. Und Herr Schindler verstand es, trotz der vorhandener Bedrohungsszenarien uns allen Mut für die Zukunft zu machen.

Im Anschluss eine lebendige Diskussion mit zahlreichen Fragen und Sachbeiträgen statt. Alle Zuhörer gingen ein wenig “schlauer” und sehr zufrieden nach Hause. Herr Schindler hat IF-Forum für 2008 nach den beiden Vorträgen von Dr. Simon Grand (St. Gallen) und Dr. Klaus-Jürgen Grün (Frankfurt) zu einem großartigen Abschluss verholfen. Ziel von InterFace ist es, in 2009 wieder 3 qualifizierte Sprecher zu besonderen Themen zu IF-Forum einzuladen, die konkrete Planung hat schon begonnen.

Die Folien des Vortrages sind in unserem Bereich “Dokumente” abgelegt. Wer sie nochn mal ansehen möchte oder den Vortrag versäumt hat, kann sich die Folien dort oder hier zum Lesen und Ausdrucken herunterladen.

Ein herzliches Dankeschön an unseren Referenten, für den spannenden Vortrag und für die Erlaubnis, die Folien seines Vortrages in IF-Blog einzustellen dürfen! Und ein genauso herzliches Dankeschön an Rollo Zollner, der wieder wunderbare Bilder gemacht hat! Zwei davon sind hier zu sehen.

RMD

Endlich wieder Zeit für Wikipedia!

Ich habe ja schon im ersten Wikipedia-Beitrag berichtet, wie wichtig mir Begriffe wie Freiheit oder Weisheit sind. Christof und ich kamen vor einiger Zeit auf den Gedanken, dass geübte Freiheit in einem sozialen System, wie z.B. in einem Unternehmen, einer besonderen Art von Klarheit bedarf. Natürlich haben wir gleich mal in Wikipedia nachgeschaut, um eine vernünftige Definition zu finden. Fehlanzeige, der Begriff Klarheit war - auch im philosophischen Sinne - nicht vorhanden. Das habe ich als Defizit empfunden und wollte es ändern - und habe so meinen ersten Beitrag in Wikipedia abgeliefert. Jetzt bin ich aber kein Philosoph und konnte deshalb nur eine sehr rudimentäre Definition von Klarheit in 2 Varianten (allgemein und unternehmensbezogen) schreiben.

Es kam wie es kommen musste. Kurz später war er schon da, der erste SLA:

SLA
Abkürzung für „Schnelllöschantrag“, siehe Schnelllöschantrag.

(aus dem hochinteressant zu lesendem Glossar von Wikipedia).

Die Begründung war unter anderem, dass dieser Begriff schon einmal angelegt worden sei und wegen inhaltlicher Schwäche wieder gelöscht wurde.

Das Blatt wendete. Vielleicht hatte ich doch ein paar relevante Aussagen zur Klarheit hinterlegt, der SLA wurde selbst verworfen und der Artikel nicht gelöscht. Aber er veränderte sich. Ich hatte in meiner Unerfahrenheit einen weiteren Fehler gemacht. Ich habe Klarheit nur angerissen (aus zwei Sichten, die mir wichtig waren), jedoch nicht als zusammenhängenden Artikel mit Bedeutung, Hintergrund usw. des Begriffes beschrieben. Das war auch meine Absicht, ich wollte ja nur einen Stein ins Wasser werfen und dann die Profis ranlassen. Hat auch so funktioniert, ist aber kein guter Stil in Wikipedia und hat mir eine sanfte Rüge eingebracht. Immerhin lernt ich dabei, dass ich ein “Bausteinsetzer” war. Obwohl ich meinen Job als solchen nicht ausreichend gemacht habe, bin ich zumindest froh, dass es sie jetzt gibt, die Klarheit in Wikipedia.

Der Artikel Klarheit (Philosophie) ist übrigens noch in in ÜA:

ÜA
Vorlage:Überarbeiten wird von aufmerksamen Wikipedianern eingefügt, die einen Artikel einer gründlichen Nachbearbeitung würdig befinden. Dies wird üblicherweise mit „+ÜA“ in der Zusammenfassungszeile angemerkt. „-ÜA“, „minus ÜA“ oder „rm ÜA“ bedeuten, dass dass dieser Bearbeitungshinweis gelöscht wurde.

(auch aus dem Glossar von Wikipedia).

Deswegen bitte ich alle Leser, besonders die Philosophen, doch mal die Klarheit anzuschauen und zu verbessern. Ein Textteil, der mir besonders wichtig war, ist übrigens rausgerutscht:

Klarheit herrscht in einem Unternehmen dann, wenn ein Sachverhalt oder eine Aufgabe von den Mitarbeitern eindeutig und unmissverständlich verstanden wird. Klarheit sorgt bei den Mitarbeitern für identische Konstrukte über einen bestimmten Sachverhalt oder eine bestimmte Aufgabe.

Ein “Wikipedianer” hat mir empfohlen, ein neues Lemma, etwa Klarheit (Unternehmensführung) einzuführen (das geht übrigens ganz einfach). Werde ich auch machen - und wahrscheinlich wird das Lemma auch gleich wieder gelöscht werden. Das Problem ist halt, dass das doch sehr schwierige Themen sind, bei denen ich mich an (oder besser jenseits) meiner Kompetenzgrenze empfinde. Und wie soll ich eine Quelle für eine Definition von Klarheit finden, die ja von mir ist? Also, professionelle Unterstützung für mich und Wikipedia ist erwünscht - an die Arbeit!

Ich habe übrigens auch Artikel aus meinem Fach gefunden, die dringend ÜA gemacht werden sollten. Zum Beispiel bin ich mit SINIX und Informix in Wikipedia nicht zufrieden. Und da kenne ich persönlich eine ganze Reihe von Kollegen, die es besser wissen sollten, weil sie bei der Entwicklung hautnah dabei waren. Die möchte ich auch gerne für die Mitarbeit bei Wikipedia werben. Und unser CLOU ist auch nicht in Wikipedia. Ist auch schade, immerhin wurde CLOU und HIT hundertausendfach (wahrscheinlich mehr als das) in Deutschland eingesetzt. Allein die Siemens AG hat in 10 Jahre ihrer SINIX-Erfolgsgeschichte mehr Lizenzen von HIT/CLOU als von Informix verkauft (Quelle - wie bei Wikipedia üblich: Herr Öfelein, PM bei Siemens für HIT/CLOU in den 80iger und 90iger Jahren). Wer ist bereit, einen CLOU-Artikel für Wikipedia zu schreiben? Die InterFace-Archive stehen ihm offen.

Vielleicht noch eine Info. In Wikipedia gibt es zu jedem Artikel auch eine Diskussionsseite. :-) Hier die Diskussionsseiten zu Klarheit und Klarheit (Philosophie). Da sieht man auch die Geschichte, wie ich eben zur Klarheit in Wikipedia kam.

Die Diskussionsseiten sind oft sehr spannend zu lesen, da gibt es weitere interessante Überlegungen zu den Artikeln. Ich bevorzuge zurzeit indirekte Verbesserungen auf den Diskussionsseiten, bevor ich mich wieder an echte Artikel wage.

Das war es für heute, das nächste Mal kommen dann Relevanz und RK’s dran!

RMD

Beim Vortrag von Peter Scholl-Latour zu Afghanistan war der Andrang unerwartet groß. Das Audimax der Hochschule der Bundeswehr in Neubiberg mit mehr als 400 regulären Plätzen war überfüllt. Der Vortrag wurde akustisch in den Vorraum übertragen. Dort standen zahlreiche Besucher und lauschten der Rede, die aus den Lautsprechern kam. Weit mehr als 100 Besucher konnten nicht teilnehmen und gingen wieder heim. Ich stand auch vor verschlossenen Hörsaaltüren, gemeinsam mit Freunden haben wir dann beschlossen, den Vortrag zu schwänzen und einen vergnüglichen Abend im Offizierskasino bei Bier und Currywurst mit Pommes zu verbringen. So kann ich hier nicht berichten, was Scholl-Latour gesagt hat. Sorry!

Der auch vom Veranstalter in dieser Form nicht erwartete Besucherandrang zeigt, wie aktuell das Thema Afghanistan ist. Und vielleicht wird es jetzt mit einem neuen Präsidenten der USA für uns Europäer und Deutsche bald noch aktueller werden.

Aber man muss Afghanistan auch aus einem anderen, vielleicht noch unheilvollerem Blickwinkel betrachten. Las ich doch vorgestern (7. 11. 2008) in der Süddeutschen auf Seite 11 einen unscheinbaren Artikel mit der Überschrift “Heroinkonsum in der EU nimmt dramatisch zu“. Und da stand drin, dass “die weltweite Produktion von Heroin in 2007 drastisch zugenommen hätte”. Laut EMCDDA sei “allein im Jahre 2007 ein Anstieg um 34 % zu verzeichnen gewesen”. Und für mich kaum vorstellbar: “von den insgesamt im vergangenen Jahr hergestellten 8870 Tonnen stammten 8200 Tonnen aus Afghanistan”! Ich hätte da immer auf Südamerika getippt.

Ich zitiere noch ein paar Sätze: “Die Rekrutierung neuer Süchtiger schreitet in einem Tempo voran, das einen baldigen Rückgang der Problems unwahrscheinlich macht”, “Auch bei den Todesfällen durch Drogen liege Heroin an erster Stelle”, “Jedes Jahr sterben in Europa am Drogenkonsum zwischen 7000 und 8000 Menschen” und “Das Spritzen dieser Drogen ist ein Hauptübertragungsweg des HIV-Virus und Hepatitis C”.

Was kann man dazu noch viel sagen? Sicher ist eine der Ursachen für dieses Grauen eine verfehlte Drogenpolitik in den Konsumländern. Wahrscheinlich würde eine staatlich kontrollierte Heroinabgabe an Süchtige einen Beitrag zur Entkriminalisierung des Heroingeschäfts leisten und die Situation verbessern. Und der Glanz des Heroins (und das Geschäft der Heroin-Barone) würde verfliegen, wenn man sich die Droge ganz legal auf der nächsten Polizeistation kontrolliert spritzen dürfte, sich dabei allerdings als Süchtiger “outen” müsste. Aber anscheinend ist es aus mir nicht einsichtigen Gründen unmöglich, durch eine intelligente Politik der organisierten Kriminalität die Wahnsinnsprofite zu nehmen und Drogen gesellschaftlich zu ächten.

Angesichts obiger Zeilen und Zahlen könnte man auf die Idee kommen, die Welt an Stelle des “Krieges gegen den Terror” zum “Kampf gegen die Drogen” aufzurufen. Wenn ich so rechne, ergibt sich, dass die Drogen unsere Gesellschaft und Kultur weit mehr gefährden als der “Weltweite Terrorismus”. Und dann wäre es doch fast logisch, den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan “zum Kampf gegen die Drogen” zu fordern!

Aber die Bundeswehr ist ja schon in Afghanistan und verteidigt sich dort tapfer selbst. Das Thema “Heroinanbau in Afghanistan” jedoch ist kompliziert und folgerichtig hat es der Bundestag zum Tabu erklärt. Die Bundeswehr vor Ort muss - oder darf (?) - den Anbau ignorieren. Vielleicht schützt sie den Anbau ja sogar unfreiwillig durch ihre Präsenz!?

RMD

P.S.

Der scheidende Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat anlässlich der Vorbereitung der Übergabe der Regierungsgeschäfte an seinen Nachfolger gesagt, dass “dies der erste Präsidentenwechsel seit mehreren Jahrzehnten zu Kriegszeiten” wäre. Ist das makaber, zynisch, fremd jeder Realität oder einfach dumm? Ich meine, dass wir eigentlich doch ziemlich in Frieden leben. Unser Bundesverteidigungsminister (!) spricht ja auch nur von “einer einseitigen Bedrohungslage”. :-) Das ist schön formuliert und leuchtet mir als Radfahrer ein, ich muss ja nur an die Autofahrer denken, wenn ich auf einer Landstraße unterwegs bin. Dann wären Autofahrer ja auch …?

Krieg sieht anders aus - so wie ich das von Menschen erzählt bekommen habe, die den 2. Weltkrieg erlebt haben oder in Vietnam dabei waren. Und wie gering sind die von Terroristen angerichteten Schäden im Verhältnis zu dem Kollateralschaden, den unsere Zivilisation täglich verursacht und den wir alle billigend in Kauf nehmen, wie eben Drogen- oder Verkehrsopfer und vieles mehr. Dies soll aber keine Verniedlichung des Terrorismus sein. Terrorismus ist eine solche Form des Wahnsinns, dass es keinen, aber auch gar keinen Grund gibt, ihn nicht schärfstens zu verurteilen.

Da kann ich nur noch auf zwei Lieder hinweisen: “Imagine” und “Give peace a chance” (Vorsicht Musik!) von John Lennon. Und vielleicht auch noch zum Nachlesen die Wikipedia-Einträge: “Imagine” und “Give peace a chance“.

Essen hält nicht nur Körper und Seele zusammen. So spielt es im Leben des Studenten wie des Werktätigen eine zentrale Rolle. Auch uns HighTec Ingenieure der modernen Datenverarbeitung bei der Siemens AG lockten die Kantinen im großen Werksgelände am Standort Hofmannstraße. Besonders bei schönem Wetter ging es heraus aus unserem Bau in der Ortenburgstraße, der mittägliche Spaziergang ins Stammgelände war eine schöne Abwechslung, gut geeignet zum frische Luft schnappen. So ließen wir unseren “Haus-Bäcker” links liegen und machten uns auf den Weg ins Kasino. Bei Siemens gab es damals gutes Essen. Es gab Frühstück, Mittag- und Abendessen. Wir als “weiße Kragen” gingen meistens nur zum Mittagessen. Das Abendessen nutzten wir nur gelegentlich, wenn eine “Spätschicht” angesagt war.

Bezahlt wurde damals auch schon bargeldlos. Der Prozess war gnadenlos einfach - echt  “cheap design“. Es gab Automaten, in die konnte man DM-Münzen einwerfen und die spuckten dann eine Anzahl grüner, roter oder gelber Metallscheibchen aus. In der Mitte der Scheiben war ein Loch, außenherum eine (vergessene) Inschrift. Für die grünen bekam man ein Essen I, für die roten ein Essen II und für die gelben Marken wahlweise eine Extra-Beilage, einen Salat oder eine Nachspeise. Die Suppe war im Preis inbegriffen. Am Ausgang gab man dann entsprechend seiner Auswahl eine oder zwei Marken ab, das war es.

Das Essen wurde damals aus großen Töpfen und Pfannen ausgegeben. Man nahm sich ein Tablett und stellte ein typisches Kantinengeschirr aus Porzellan mit 4 Fächern (2 waren größer und 2 kleiner) darauf und ging zur Essensausgabe. Dort konnte man durch “Spracheingabe” auf die Größe der Portion Einfluss zu nehmen. Man musste nur sagen “Bitte weniger” oder “Bitte ein wenig mehr” von diesem oder jenem. Dem entsprechend bekam man von der meist freundlichen und ab und zu knurrigen Dame einen größeren oder kleineren Schöpfer (oder ein großes oder kleines Stück). Meistens wurde aufgegessen und es ging weniger Essen  in den Abfall, eigentlich doch auch ein Wert.

Wie ich meinen Abschied von der Hofmannstraße nahm und nach Neuperlach ging, hat die grüne Marke DM 1,60 gekostet, die rote 2 Mark und die gelbe 30 Pfennige. Zu Beginn meiner Werkstudentenzeit 8 Jahre früher hieß das Kasino noch Kantine, das grüne Essen kostete 1,20 und das rote 1,50, die Nachspeise 20 Pfennig. Das waren dann umgerechnet 60 Cent für ein vollwertiges Mittagessen inklusive Suppe. Und damals haben ältere Kollegen auch schon davon erzählt, wie billig das Essen in der Kantine noch vor der letzten Preiserhöhung gewesen wäre.

Das Essen in der Siemenskantine war damals wesentlich billiger und deutlich besser als in der neuen Mensa der Technischen Hochschule München (TH München) in der Arciss-Straße. Ein Grund mehr, immer mehr Zeit von der THM (später TUM - U für Universität) zu Siemens zu verlagern. Dort hatten wir den direkten Zugriff auf moderne Rechner, beliebig Rechenzeit, eine zumindest die IT betreffend bessere Bibliothek und spannende Projekte. Wir haben wahnsinnig viel gelernt - und bekamen auch noch Geld dafür. Es war eine gute Zeit. Auch deswegen bieten wir guten Werkstundenten gerne interessante Aufgaben bei InterFace an.

Aber zurück zum Essen. Braucht man das vielfältige Angebot in den modernen Kantinen mit “dem Fisch des Monats”, Grill- und Steakwochen, exotischen Landesspezialitäten und vielem mehr wirklich? Wie überall werden die Namen schicker (und englischer), die Uniformen des Personals aparter, die Freundlichkeit sehr konstant, aber sie wirkt oft doch recht antrainiert. Für das Abrechnungssystem braucht man ein Rechenzentrum, wahrscheinlich fließen die Daten ins SAP-System ein. Leiser und menschenfreundlicher sind die Kantinen aber deswegen nicht geworden

In Neuperlach in der Kantine war dann alles schicker, aber Teller und Besteck waren Einmalgeschirr aus Plastik (aus Kostengründen!). Aber zu Neuperlach komme ich dann später.

Ja, da hat er wieder geweht, der “Wind of change”, nicht ganz so positiv wie bei den Scorpions (Vorsicht Musik!).

RMD

P.S.

In Wikipedia gibt es auch einen Artikel zum “Wind of Change“.

Seit einem halben Jahr darf ich bei Manage&More mitmachen, einer Aktivität von unternehmerTUM. Ich übe mich dort in der Rolle eines Mentors und habe einen Mentee. Bis vor kurzem wusste ich gar nicht, was ein Mentee ist, mittlerweile bin ich selber ein Mentee und zwar in Sachen Wikipedia. Das ist aber eine andere Geschichte.

Mein Mentee heißt Michael, er passt also auch vom Namen gut zur Überschrift. Michael ist ein sympathischer und authentischer Typ, früher hätte man gesagt, “einer mit dem man Pferde stehlen gehen kann”. Alle 4 - 6 Wochen treffen wir uns und sprechen über ein vorher vereinbartes Thema. Mal berichtet der eine und der andere spiegelt und fragt nach und mal machen wir das anders herum. So lernen wir voneinander einiges. Zum letzten Treffen hat Michael mir eine E-Mail gesendet: “Lass uns doch mal über Motivation sprechen!?” Das Thema hat mich angesprochen. Denke ich doch oft selbst genug darüber nach, wie meine Motivationslage so ist und warum ich für manche Themen gar nicht zu motivieren bin. Vorbereitet hab ich mich auf das Treffen zu erstmal mal, in dem ich - wie fast immer - den Begriff in Wikepedia gesucht habe. Da stand einiges zu Motivation drin. Ich habe es ausgedruckt, es waren 13 Seiten - und in der Tat war kaum etwas Falsches oder wirklich Unwichtiges dabei.

Michael wollte über Motivation mit mir sprechen, weil ihm in einem Feedback-Gespräch zurück gemeldet wurde, dass er ab und zu in Besprechungen seine Unlust zu gewissen Themen nicht verbergen könne und durch dieses “Fehlverhalten” die anderen Teilnehmer der Besprechung demotivieren würde. Und wie alle anständigen Menschen hat er zuerst die Schuld bei sich selbst gesucht. Aber Heucheln ist nun mal gar nicht so sein Ding.

Die spannende Frage war: Was soll man machen, wenn man in einer Besprechung an einem Thema mitwirken muss, das einem völlig unsinnig erscheint, man aber aus irgendwelchen Sachzwängen dabei sein muss. Ich glaube, das passiert uns allen hin und wieder - und wahrscheinlich in größeren Organisation noch häufiger als in kleinen.

Soll man dann heucheln, das Desinteresse verbergen und einfach aufs Tempo drücken, damit die grausame Besprechung schnell zu Ende geht und man sich dann ganz schnell wieder seinen wichtigen und geliebten Aufgaben widmen kann? Oder soll man den anderen Beteiligten ehrlich sagen, das man das Thema für nicht relevant hält, die eigene Beteiligung deswegen eh nicht zielführend wäre und dann die Besprechung mit einem freundlichen “Das könnt Ihr ohne mich ja eh viel besser, ruft mich an, wenn ihr das Thema durch habt!” verlassen?

Eine andere Idee: Man könnte sich auch das ungeliebte Thema zu eigen machen und sich die Frage stellen, welche Bedingungen denn erfüllt sein müssten, damit man es selber auch für sinnvoll erachten kann? Dann würde man sicher gute Argumente finden, die man trefflich einsetzen könnte oder die aber den eigenen Standpunkt verändern würden.

Wenn man aber wirklich der Meinung ist, dass das Thema absoluter Blödsinn ist, dann müsste man doch die Zivilcourage aufbringen, dies zu formulieren und einen innovativen Verbesserungsvorschlag zu machen - auch wenn man vor der Macht von entpersonalisierten und sich verselbstständigten Systemen resigniert hat und keine Chance sieht, etwas positiv zu wenden.

Wie man sieht, das Problem ist nicht einfach. Ich glaube, dass Heucheln und “Gute Miene zum bösen Spiel machen” die schlechteste Empfehlung ist.

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Die schönste Zeit bei Siemens habe ich am Standort Hofmannstraße in einem ausgelagerten Labor verbracht. Siemens platzte damals aus allen Nähten, deshalb wurden im Umfeld der Hofmannstraße zahlreiche Büroräume angemietet (und dabei wahrscheinlich auch aus Wohnungen Büros gemacht). Dort startete ich nach Abschluss meines Mathematik-Studiums in fester Anstellung als SW-Entwickler bei der Siemens AG im Bereich Datenverarbeitung im Werk für Systeme in der Datenfernverarbeitung. In Kurzform hieß meine Abteilung UB D WS DF 131. Über mir gab es inklusive des Vorstandes 9 Führungsebenen (heute meine ich, dass das gar nicht so schlecht war - von den tollen flachen Führungsstrukturen bin ich gar nicht mehr so überzeugt. Aber das ist ein anderes Thema). Drei meiner Chefs kannte ich persönlich, das waren Herr Henning, Herr Jilek und Herr Obst, die auch alle drei in der Ortenburgstraße ihr Büro hatten. Das Wachstum von Siemens war zu dieser Zeit unheimlich stark. Laufend strömten junge Kollegen aus ganz Deutschland zu uns, so dass ich schon nach einem Jahr zu den alten und erfahrenen Kollegen gehörte.

Wir hatten Glück, unser Softwar-Labor war in der Ortenburg-Straße. Von außen sah das Gebäude aus wie ein Wohngebäude, innen war es richtig gemütlich. Es gab zwar keine Parkplätze - und die Mega-Parkplätze der Siemens AG waren ziemlich weit weg - aber das machte mir nichts, weil ich damals gerade wieder in die Fraktion der Radfahrer gewechselt war (Die Staus auf der Fürstenrieder Strasse waren sehr unerfreulich). Drei Kollegen habe ich damit angesteckt, die sind dann auch nicht mehr mit dem Auto ins Büro gefahren. Einer davon hat sich ein besonders schweres Holland-Rad gekauft und gemeint, dass würde ihn mehr anstrengen und wäre deshalb gesünder.

Obwohl Programmierer hatten wir zu Beginn noch fast keine Computer im Büro, aber Kaffeemaschine und Kühlschrank. Das erstere war möglich, weil wir damals nur auf speziellen Assembler-Formularen programmierten. Ein Programm wurde gründlich durchdacht, dann ordentlich in spaltenorientierte Formulare eingetragen. Nach gründlichem Code-Reading wurde es vom Botendienst abgeholt und von einem speziellen Lochkartendienst (der war damals schon “outgesourced”) gestanzt. Getestet wurde im Feurich-Bau (das war das Gebäude einer ehemaligen Keks-Fabrik mit echtem “Loft-Charakter” im nördlichen Teil des Geländes an der Hofmannstraße), da war unser Versuchsfeld und da standen die ganz neuen DUETs und BS2-Systeme. Und wenn wir einen Fehler hatten, den wir nicht auf Anhieb lokalisieren konnten, dann produzierten wir einen Dump (so ein PDN-Dump hatte schon eine Höhe von deutlich mehr als 20 cm und das Schnelldrucker-Papier war ganz schön schwer). Die Dumps wurden im Rechenzentrum ausgedruckt und dann in die Ortenburgstraße gefahren. Es sah schon lustig aus, wenn wir zu dritt - alle im Anzug mit Krawatte, das hat sich auch erst später gelegt - im Zimmer in den Dumps wühlten.

An Kühlschrank und Kaffeemaschine erinnere ich mich gut, weil es durchaus eines kleinen Aufstandes bedurfte, um so etwas mit ins Büro bringen zu dürfen. Ich glaube, dass unsere damaligen Chefs da doch ein paar Augen zu drückten. Kühlschrank und Kaffeemaschine waren potentielle Brandherde und so ein enormes Sicherheitsrisiko. Aber es waren Symbole einer neuen Freiheit auch im Arbeitsleben.

Die geniale Ergänzung war der Bäcker im Erdgeschoss unseres Gebäudes. Da duftete es immer so gut, dass wir immer öfters auf den Gang in die Kantine verzichteten. In dieser Zeit kam ich auch das erste Mal mit einer Betriebsversammlung in Kontakt. Ich als Neuling fragte meine Kollegen, was das wäre. Die lapidare Antwort war, dass man darauf gut verzichten könnte. So habe ich das dann auch gemacht. Später war ich einmal dabei, meine Kollegen hatten zweifelsfrei recht.

Dafür gab es bei Siemens tolle Vorträge, fachlich und gesellschaftlich, da lohnte es sich hinzugehen. Ein Kollege war Mitglied der Siemens-Laien-Bühne, den haben wir dann bei seinen Auftritten im Siemens-Casino besucht. Mit unserem Chef sind wir ab und zu im Siemens-Sport-Gelände gejoggt - er wollte seine Mitarbeiter immer fit halten. Irgendwie war das schon so etwas wie die Siemens-Familie.

Fachlich war auch einiges zu tun. Am Anfang gab es keine Manualredaktion und keine eigene Qualitätsabteilung. Im kleinen Team (ich meine auch ziemlich scrum-mäßig) pflegten wir die letzte Version, entwickelten eine aktuelle Version und planten die Funktionalität und Realisierung der nächsten. “Nebenbei” schrieben wir Manuale und berieten unsere Kunden, sprich Kollegen die mit unserer Software (Transdata und PDN inklusive KOGS und APS und manches mehr) aufregende Großprojekte wie ITS, START, DISPOL und viele weitere realisierten. Wir waren damals unheimlich produktiv - und oft wurde es abends auch ziemlich spät. Obwohl wir immer pünktlich um 7:30 da waren (das war unsere Schicht, es gab zwei weitere, die um 7:10 und 7:50 begannen, dies diente der Entflechtung des Anfahr- und Abfahrverkehrs), ging kaum einer von uns um 16:15 heim. Stechuhren oder ähnliches gab es auch nicht, wir arbeiteten eigenverantwortlich und schauten, dass wir unsere Arbeit im Team schafften und gingen heim, wenn wir meinten es würde passen.

Mir fällt da nur das Lied (Vorsicht Musik!) “Those were the days my friends!” von Mary Hopkin (1968) ein …

RMD

Es gibt schon wieder Neuigkeiten in IF-Blog. Wir haben jetzt eine neue Seite “Dokumente“. Auf dieser Seite werden wir regelmäßig interessante Artikel zum Herunterladen, Lesen und Ausdrucken anbieten. Als ersten Beitrag stellen wir die Mitschrift einer Rede bereit, die Rupert Lay an einem Ronneburger Sonntag im Jahr 2001 gehalten hat. Der Ronneburger Sonntag findet in der Regel zwei Mal im Jahr statt und ist eine Veranstaltung des Ronneburger Kreises, einem gemeinnützigen Verein, der sich für ethisches Verhalten im Alltag wie auch in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft einsetzt.

Hier kann die Mitschrift der Rede von Rupert Lay gelesen und zum Ausdrucken geladen werden. Der Artikel enthält ein Vorwort von Rudi Jansche, redaktionell überarbeitet wurde der Text von Irmgard Huesmann.

Wir bedanken uns beim Ronneburger Kreis, der uns die Veröffentlichung des Textes gestattet hat. Ich freue mich sehr, dass ich eine wichtige Stellungnahme meines Mentors und Freundes Rupert Lay in IF-Blog veröffentlichen kann.

Die Veröffentlichung weiterer Texte von verschiedenen Autoren werde ich regelmäßig im Post-Bereich des Blogs ankündigen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn unsere Download-Seite zahlreich genutzt wird.

RMD

Ja, es ist gar nicht so einfach in so einem Blog zu schreiben. Ideen habe ich viele. Ob die Ideen immer gut sind, ist für mich nicht einfach zu entscheiden. Das kann früh morgens um vier ganz anders aussehen als nachmittags um fünf. Ebenso schwankt meine Bewertung in dem, was für meine Leser interessant sein könnte - und was nicht.

Der Versuch, trotz einer klaren und vielleicht einseitigen Position einen halbwegs neutralen “Point of View” zu finden, wird gelegentlich zum Drahtseilakt. Wenn ich an den Themen emotional hohen Anteil nehme, steigt meine eigene Unsicherheit. Je wichtiger mir ein Thema ist, desto unzufriedener bin ich oft mit dem Ergebnis meines Schreibens. Ich habe Angst, Blödsinn zu schreiben. Das Ziel, Dinge klar zu machen und (vielleicht nur vermeintliche) Erkenntnisse zu vermitteln, führt oft zu einer plakativen Sprache. Ab und zu schleichen sich falsche Aussagen ein. Wenn schmerzhafte und persönliche Erfahrungen beteiligt sind, gerate ich in Gefahr, Menschen oder gesellschaftlichen Gruppen Unrecht zu tun. Das ist nie meine Absicht. Und passiert sicher trotzdem ab und zu.

Wenn ich mich bei solchen Fehlleistungen ertappe, dann bessere ich meine Beiträge “heimlich” nach. Sollte sich trotz allem ein Leser persönlich oder als Gruppe verletzt fühlen, dann bin ich immer bereit, meine Aussagen zu korrigieren. Und bitte die Betroffenen um Verzeihung, gerne auch gleich an dieser Stelle.

RMD

P.S.

Den Titel dieses Beitrags habe ich von John Lennon entlehnt, dessen “in his own wrote” mich vor vielen Jahren inspiriert hat. John Lennon habe ich in meiner Jugend intensiv erlebt, mit seinem radikalen Einsatz für den Frieden hat er für mich Vorbildcharakter und unseren Respekt verdient.

Vor gut einem Jahr wurde mir ein junger Doktor der Mathematik aus guter Quelle sehr empfohlen, der von der Universität in die freie Wirtschaft wechseln wollte. Natürlich habe ich ihn sofort zu einem Gespräch eingeladen. So habe ich die Bekanntschaft eines jungen Mannes gemacht, der so ziemliche alle Talente hatte, die man sich vorstellen kann: Sympathisch, selbstbewusst, vertrauenswürdig, verbindlich, hoch intelligent, kompetent, zielorientiert und sichtlich mit guter Allgemeinbildung. Er konnte genau zu hören und war präzise in seinen Aussagen. Er verstand klug fachliche und vertriebliche Themen abzuwägen, sprach perfekt Englisch und sah auch noch gut aus. Wenn er einen Nachteil hatte, dann den dass er mit 29 Jahren nicht mehr so ganz jung und an Erfahrungen noch ziemlich “grün” war. Studium, Doktorarbeit und dann noch ein Jahr an der Uni, das kostet halt auch Zeit.

Allerdings hatte er außer LaTex und ein wenig Office keine IT-Erfahrung (sein Nebenfach war Physik, da schien er sehr beschlagen zu sein). Da ihm unser Unternehmen empfohlen wurde, wollte er die InterFace auch gerne kennen lernen und unser Unternehmen hat ihm gut gefallen. Trotzdem stellte sich schnell heraus, dass seine Zukunftspläne und unser Bedarf nicht zusammen passten. Trotz seiner vielen Qualitäten hätte es einige Zeit gebraucht, um aus ihm einen qualifizierten IT-Berater zu machen. Er wiederum wollte ein “richtiger” Unternehmensberater werden und nicht in die IT gehen. Da wir uns gut verstanden, blieben wir eine Zeit lang in Kontakt.

So habe ich erfahren, dass er (wohl aufgrund seines Alters) bei den Unternehmensberatungen wie McKinsey oder BCG nicht zum Zuge kam. Dafür gelang es ihm, bei einem kleinen Finanzdienstleister mit einem ganz “innovativen” Produkt unterzukommen. Und sein Gehalt dort war ungefähr 2,5 mal so hoch wie das, was ein Berufsanfänger bei einem Informatik-Unternehmen verdienen kann. Ich habe mich dann erkundigt, wie die Gehaltsstrukturen für universitäre Berufsanfänger aussehen und ich musste lernen, dass junge “Highperformer” tatsächlich bei den Unternehmen, die jetzt unter den Milliarden-Schutz-Schirm der Bundesregierung flüchten, Startgehälter erreichen, die 2 - 3 Mal so hoch sind, wie das eines guten Informatikers oder Ingenieurs. Bei den berühmten Beraterfirmen ist nach meinen Kenntnissen “nur” das 1,5 bis 2 Fache drin.

Allerdings musste er bei seinem neuen Arbeitgeber dann an sechs Tagen eher 14 als 12 Stunden arbeiten. Und als Dankeschön sind sie dann auch gelegentlich am Samstag auf Kosten des Unternehmens kurz mal nach London geflogen und haben dort beim prominenten Abendessen einen besonders guten Abschluss gefeiert.

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