Benötigen wir eine neue Moral in Wirtschaft und Politik?

Die Ereignisse der letzten Monate, die in den letzten Wochen Panik, Hysterie und Angst in der Finanzwirtschaft ausgelöst haben, animieren immer mehr Menschen zu der Aussage: „Manager sind gierig, korrupt und völlig abgehoben, ohne Anstand, Moral und Sittlichkeit. Brauchen wir also eine neue Moral in Wirtschaft und Politik? Die Antwort ist einfach: nein, wir benötigen keine neue Moral in Wirtschaft und Politik. Was wir benötigen, ist nur mehr Bereitschaft, sich an Moral und Ethik auch zu halten. Was wir allerdings auch benötigen, ist mehr Kompetenz in Sachen Ethik und Moral.

Denn es sieht nicht gut aus. Schon 2004 hielten laut einer Umfrage des Emnid Instituts für das World Economic Forum 70 Prozent der Deutschen Konzernchefs für unehrlich und stuften das Verhalten als unethisch ein. 80 Prozent der Deutschen halten Konzernchefs für zu mächtig.

Im Vergleich dazu halten nur 22 Prozent der Franzosen deren Wirtschaftsführer für unehrlich. Bei den Engländern sind es 42 Prozent, bei dem Amerikanern 37 Prozent, in Japan 47 Prozent. Wir schießen also den Vogel ab.

Nach einer Untersuchung von Ulich/Lunau/Weber von 1998 besteht zwar in Unternehmen eine stärkere Sensibilisierung für den Sinn und die Notwendigkeit ethisch gerechtfertigten Handelns, eine konsequente Umsetzung in einzelne, Ethik sichernde Maßnahmen steht aber auf breiter Front noch aus. Das betrifft mögliche Instrumente, wie Moralbilanzen, Ethik-Kommissionen oder Moralbeauftragte, Sanktionsrepertoires oder umfassende Ethik-Trainings.

Der sorglose Umgang mit Ethik wird sich wahrscheinlich erst dann nachhaltig ändern, wenn Unternehmen klar wird, dass für 70 % aller europäischen Kunden das soziale Engagement eines Unternehmens die Kaufentscheidung beeinflusst.

Nur fachliche Qualifikation reicht nicht.

Ein hilfreicher Schritt dazu beginnt bereits bei der Personalauswahl. Wer macht in einem Unternehmen Karriere? Manager werden überwiegend nach fachlicher Qualifikation ausgesucht. Ich fordere hier ein Umdenken. Neben der fachlichen Qualifikation ist unbedingt die soziale und ethische Qualifikation zu berücksichtigen. Soziale Qualifikation meint, ein Vertrauensklima herstellen zu können. Ethische Qualifikation bedeutet, kompetent in der Lage zu sein, ein Wertesystem zu implementieren, das nicht nur auf Hochglanzbroschüren gedruckt wird, sondern vorgelebt wird. Ethische Qualifikation bedeutet für mich auch, entscheidungskompetent zu sein. Wenn ich mir allerdings anschaue, wie viele meetings erforderlich sind, und wie viel Zeit investiert wird, um Entscheidungen zu fällen, die sich dann als falsch herausstellen, wird mir manchmal Angst und bange. Dabei ist es eigentlich nicht so schwer, zu sinnvollen Entscheidungen zu kommen. Die griechische und römische Dialketik hat dazu alle Methoden entwickelt, die man nur konsequent lernen und anwenden sollte.

Damit wäre mein Artikel eigentlich schon beendet, wenn es denn so einfach wäre. Aber wir sind alle Kinder dieser Gesellschaft. Auch Wirtschaftsführer und Politiker sind Kinder dieser Gesellschaft. Leider steht es damit nicht immer zum Besten.

Es ist erst wenige Wochen her, da haben CDU und SPD noch aufeinander eingedroschen.

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Spätestens seit der Spruch: „Jeder denkt nur an sich, damit ist ja an alle gedacht“ seine erfolgreiche Runde macht, ist es in unserer Kultur mit der Redlichkeit vorbei. Erziehung findet oft nicht mehr in Familien, eher vor dem Fernseher statt. Die Delegation an die Kindergärten oder an die Lehrer in Schulen funktioniert nicht, da hier Erziehung eher verweigert wird. So bleiben die Unternehmen als Kaderschmieden übrig. Und was lernen  wir da? Sei opportunistisch, wenn du Karriere machen willst, schau auf den berühmten shareholder value. Kapitalmehrung scheint das einzig Wichtige zu sein. Die Globalisierung fordert von uns, nur noch zu schauen, wo die besten Produktionsbedingungen herrschen, wo die besten rahmenpolitischen Voraussetzungen sind, und wo wir über die Umwelt besonders billig verfügen können. Die Geburtenrate ist in diesem Jahr zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik geringer als 1946. Kinder sind zum zu teuren Kostenfaktor geworden.

Was ist los? Wir reden von gesellschaftlicher, unternehmerischer Verantwortung und es ist keiner da, der bereit ist, sie persönlich wahrzunehmen. Wir wundern uns, dass es möglich ist, mit einem Vollzeitjob weniger zu verdienen, als jemand, der nicht arbeitet.

Eine neue Unredlichkeit macht sich breit. Früher wussten Menschen noch, dass sie sich unredlich waren, wenn sie sich unredlich benahmen, sie hatten zumindest ein schlechtes Gewissen. Heute erleben wir eine neue Form der Unredlichkeit, in der Menschen sich völlig daneben benehmen mit dem Gefühl, redlich zu sein.

Das Wesen der neuen Unredlichkeit ist es also, unredlich zu sein, ohne es zu bemerken. Dagegen sollten wir, müssen wir etwas tun. Wir müssen wieder Bewusstsein entwickeln für das, was unredlich ist und wir benötigen ein Bewusstsein dafür, was zukünftig redlich ist.

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Soziale Gerechtigkeit – ein Treppenwitz!! 

Einer meiner Freunde fährt einen Aston Martin. Rund 89.000,00 Euro hat er gekostet. „Und“, fragte ich ihn, „macht es dir Spaß, den Wagen zu fahren?“ „Ja schon, nur bei meinen Kunden kann ich mich damit nicht sehen lassen. Dann meinen sie, ich fahre den Wagen von deren Geld.“ 

Eigentlich hat mein Freund ja recht. Es ist das Geld seiner Kunden. Nur hat er es nicht für seinen Wagen bekommen, sondern für seine außergewöhnlichen und nutzenstiftenden Anregungen und Ratschläge. 

Als Marius Müller-Westernhagen einmal wegen seines Geldes angefeindet wurde, da meinte er: „Ich habe mein Geld doch nicht gestohlen!“ 

Wenn ich manchmal über die Höhe meiner Steuerabgaben im Bekanntenkreis stöhne, höre ich nur: „Ich wollte, ich müsste soviel Steuern zahlen wie du.“ Bis heute hat mich noch nie jemand zu meinen Steuerleistungen beglückwünscht. Keiner hat jemals gesagt: „Mensch Ulf, finde ich klasse, dass du dem Staat soviel Geld gibst.“ Manchmal habe ich das Gefühl, Besitz muss versteckt werden. Warum aber ist das nur so?  mehr »

Massenentlassungen trotz hoher Gewinne. Wo Wirtschaft unredlich wird!

Wir sollen uns nicht daran gewöhnen, wenn Vorstandsvorsitzende Stellenabbau und steigende Gewinne in einem Atemzug verkünden. meint unser Autor Ulf D. Posé. Er schaut immer wieder in die Hochglanzbroschüren der Unternehmenswerte und untersucht ihre Leitlinien. Er stellt fest:Theorie und Praxis liegen Lichtjahre auseinander. Immer mehr Menschen werden von Unternehmen nur noch als “human ressource” betrachtet. Die Logik der sozialen Marktwirtschaft aber lautet anders: Je größer der wirtschaftliche Erfolg, desto mehr kann und muss ein Unternehmen tun, um das soziale Miteinander zu optimieren. Hier das Fazit von Ulf Posé, dem Präsident des Ethikverband der Deutschen Wirtschaft (EVW), einem eingetragenen Verein mit 17.500 Mitgliedern (Stand: März 2008).

Wir müssen zwei Dinge auseinanderhalten: Zu verurteilen ist nicht, dass Unternehmen Gewinne machen oder nach solchen streben. Zu kritisieren ist hingegen, unter welchen Umständen manche Unternehmen ihre Gewinne erwirtschaften. Vor allem dann, wenn sie trotz hoher Gewinne Menschen “freisetzen”. Bei hervorragenden Gewinnen, die weit über den Erwartungen liegen, und Eigenkapitalrenditen, die den Branchendurchschnitt weit übersteigen, gleichzeitig Stellenabbau zu betreiben, ist in höchstem Maße unredlich und zeugt von einer Haltung, die den ökonomischen Erfolg absolut setzt. Überdies noch zu behaupten, dies geschehe zur Sicherung des Unternehmensbestandes, ist genauso unredlich, wenn dieser Bestand de facto gar nicht gefährdet ist. mehr »

Ist der Ruf erst ruiniert …

… quatscht man völlig ungeniert!

Viele wollen in die Medien, viele Medien wollen die Sensation. Die Folge: Viele betrachten sich als Sensation. Unsinn, sagt unser Autor Ulf D. Posé. Er plädiert für eine neue Medienethik. Sie soll für Manager genauso wie für Journalisten gelten. Im Mittelpunkt stehen wieder mehr Glaubwürdigkeit, Kompetenz und Selbstverantwortung. Leider bleibt dies im harten Mainstream häufig auf der Strecke. Das mediale Hinrichtungsgeschäft macht Henker und Delinquent austauschbar. Manager lügen, Journalisten manipulieren. Und das Publikum steht herum und plappert den Lug und Trug nach.

Verwechsle niemals Öffentlichkeitsarbeit mit Werbung!!

Fangen wir mal ganz von vorne an. Unter Öffentlichkeitsarbeit versteht man ein Instrument, das Vertrauen, Sympathie, ein noch besseres Image aufbauen und erhalten will. Das sollte man nicht mit Werbung verwechseln. Werbung verfolgt absatzpolitischen Interessen. Hier geht es darum, Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen, höhere Marktanteile und/oder Erträge zu erzielen. Schon hier zeigt sich, dass Öffentlichkeitsarbeit häufig missbraucht wird, um Werbung zu betreiben. Das Problem dabei: Wer unter falscher Flagge segelt, sollte sich nicht wundern, wenn er unglaubwürdig wirkt.
Sinn effizienter Öffentlichkeitsarbeit kann es nur sein, das Vertrauen der Öffentlichkeit zu gewinnen und durch gezielte Aktionen die guten Beziehungen des Unternehmens zur Öffentlichkeit auf Dauer zu bewahren. Hierfür unabdingbar notwendig ist das Wissen über den glaubwürdigen, authentischen Umgang mit Medien.

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Marx Dir das!

01.08.08

Schon Aristoteles meinte: „Der redliche Mensch unterscheidet sich vom unredlichen Menschen dadurch, dass der redliche Mensch sagen kann, worüber er spricht.“ Also reden wir einmal Tacheles.

„Leistung muss sich wieder lohnen“, „Gleiches Geld für gleiche Arbeit“,  „Wir sind eine Leistungsgesellschaft!“ Das sind alles Sprichwörter, Aussagen, Formulierungen, die unser Denken vernebeln, den Kern nicht mehr treffen und zu aberwitzigen Vorurteilen und Forderungen führen. Und sie sind in hohem Maße unredlich.

Ich möchte nämlich nicht für meine Leistungen bezahlt werden, ich will nicht gleiches Geld für gleiche Arbeit, und für mich soll sich Leistung überhaupt nicht lohnen!

Wir sind schon lange soweit, unseren Lohn nicht mehr für das beziehen zu wollen, was tatsächlich Grundlage unserer Entlohnung ist; und ich befürchte, es ruiniert unseren Staat, das Volkswohl, die Unternehmen. Es liegt nur an einem einzigen Umstand: wir sind im Sinne des Aristoteles unredlich geworden. Wir wissen nicht mehr, was wichtige Begriffe unserer Gesellschaft bedeuten. Wir haben Gefühle zu bestimmten Begriffen, und diese dominieren dann unser Handeln.

Lassen sie es mich an dem Begriff des Leistungsprinzips deutlich machen. Das Leistungsprinzip kennen wir; es ist eine tragende Säule unserer Wirtschaft. Gleichzeitig ist das Leistungsprinzip der Ruin unserer Wirtschaft. Ich gebe es zu, ich bin ein vehementer Gegner des Leistungsprinzips. Bevor Sie sich jetzt aufregen, lassen Sie es mich erklären.

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Willkommen in Deutschland! Wenn Sie hierher einreisen, verlassen Sie den Boden der Demokratie! Sie betreten ein Land voller Anarchie, ein Land im Taumel allgemeiner Unordnung. Hier regiert der Zufall, gemeinsame Ziele gibt es nicht mehr. Jeder denkt nur an sich. Diejenigen, die Forderungen stellen, sind die Könige, und diejenigen, die diesen Forderungen nachgeben, sind die Narren. Die Freiheit wird von jedem missbraucht. Kein Wunder, dass sich das Volk zunehmend den politischen Parteien und Wahlen verweigert. Die Menschen helfen sich selbst. Und erobern ein Stück Basisdemokratie zurück. Direkt und nicht mehr über unglaubwürdige Entscheidungswege.

Woher kommt wohl die Wahlmüdigkeit?

Die einen freut´s, die anderen wundern sich, doch keiner ist wirklich überrascht: Die großen Parteien werden immer weniger gewählt. Momentan gewinnen die Rechtsaußen und Linksaußen dazu. Darüber regen sich viele auf. Gleichzeitig feiern die großen Parteien ihren Wahlerfolg. Die SPD hat ab und zu das schlechteste Ergebnis aller Zeiten und kommentiert das als gutes Ergebnis. Wenn die CDU erdrutschartige Verluste hinnehmen muss, ist sie begeistert. Na denn: herzlichen Glückwunsch!! Ja denken sie denn, der Wähler glaubt diesen Blödsinn? Nur noch etwa die Hälfte der Wahlberechtigten geht überhaupt zur Urne. Das gilt nicht nur bei uns. Genau genommen haben beispielsweise maximal 25 % der amerikanischen wahlberechtigten Bevölkerung den amerikanischen Präsidenten George W. Bush gewählt.

[/lang_en][lang_de]Noch 1918 meinte der Staatsekretär Robert Lansing, dass mit dem Sieg der Demokratie es keine Kriege mehr geben würde. Seine Begründung: Demokratie sei doch eine Volksherrschaft. Und da alle Völker äußerst friedfertig seien, würden sie konsequenterweise auch jeden Krieg vermeiden. Offensichtlich haben weder George W. Bush, noch die Nato, noch Herr Scharping, noch Herr Fischer, noch Herr Scharon, noch die Hamas noch…, noch… noch… von Herrn Lansing etwas gehört. Dabei ist diese Entwicklung ganz klar, auch einsichtig, wenn man sich um die Hintergründe kümmert.

Also von vorne: Wir haben drei Möglichkeiten: entweder herrscht Diktatur oder Anarchie und dazwischen die Demokratie. Diktatur hatten wir schon. Als Alternative haben wir die Demokratie gewählt. Demokratie ist nichts anderes, als dem Versuch der Diktatur oder Anarchie zu entgehen. Allerdings ein Versuch, der niemals dafür vorgesehen war, lange anzuhalten.

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Einer meiner Freunde ist arbeitslos geworden. Er ist 55 Jahre alt. Er war ein äußerst erfolgreicher Abteilungsleiter in der Pharmaindustrie. Er schrieb über 100 Bewerbungen und erhielt nur Absagen. Er sprach mit verschiedenen Headhuntern, die zunächst sehr interessiert waren, da seine Zeugnisse und Beurteilungen außergewöhnlich gut waren. Aber er wird wohl keinen neuen Job bekommen. Er ist zu alt. Wer die 50 überschritten hat, hat kaum noch Chancen. Allenfalls in einer „ICH-AG“. 

Warum ist das so? Ein 55-jähriger hat noch etwa 10 Arbeitsjahre vor sich. Ein 30-jähriger will sicher noch Karriere machen und sieht eventuell sein Unternehmen nur als Sprungbrett für zukünftige Aufgaben in anderen Unternehmen.  Wer als junger „Spund“ in ein Unternehmen kommt, der durchläuft zunächst ein recht aufwändiges Traineeprogramm. Es wird in ihn richtig investiert. Aber wie oft habe ich schon erlebt, dass jemand das Traineeprogramm gern über sich ergehen ließ, um sich dann, noch besser ausgebildet, in einem anderen Unternehmen zu bewerben. 

Einer der Gründe für diesen Unsinn scheint in der Nichtbeachtung eines Modells der Freiburger Schule zu liegen. Die Freiburger Schule hat ein Modell entworfen, das sicher Grundlage war für Ludwig Ehrhards soziale Marktwirtschaft. Der tatsächliche “Erfinder” der sozialen Marktwirtschaft war wohl Alfred Müller-Armack, Ludwig Erhard hat sie politisch durchgesetzt. Dieses Modell zeigt die Produktionsfaktoren eines Unternehmens auf. 

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Hier der zweite Beitrag von Ulf D. Posé. Er ist ziemlich lang - aber umso mehr lesenswert! (RMD)

Globalisierung wird von nicht wenigen Unternehmen nach drei Kriterien betrieben: Wo finde ich erstens beste Produktionsbedingungen, also geringe Kosten für Errichtung der Produktionsstätten, für Personal, für das Erreichen der Absatzmärkte? Was sind zweitens die besten politischen Rahmenbedingungen, also niedrige Steuern, Lohnnebenkosten et cetera? Und drittens, wo ist die beste Verfügbarkeit über Ressourcen gegeben, also geringe Kosten für Umweltverbrauch?

Nur noch der überdurchschnittliche Gewinn gilt als Garant für das Überleben eines Unternehmens. Gleichzeitig wird betont, man müsse sich auf zukünftige Entwicklungen optimal einstellen.

Diese optimale Einstellung wird durch Wachstum (nur wenn wir groß sind, kann uns niemand übernehmen, also sollten wir tunlichst bald fusionieren) und im ökonomischen Bereich (nur wenn wir genügend Eigenkapitalrendite vorweisen können, können wir selbstständig bleiben) formuliert. Letztlich wird so getan, als ob die Wettbewerbsfähigkeit, und damit die Überlebensfähigkeit, ausschließlich von den oben genannten drei Kriterien abhinge. Damit werden diese drei Bedingungen nicht mehr auf ihre soziale Verträglichkeit hin untersucht. Darin liegt die Unredlichkeit der Globalisierung.

Die Globalisierung schafft weltweit ein Netzwerk, in das Kontinente und Nationen durch transnationale Unternehmen eingebunden werden. Dies geschieht über Produkte, Handel und Kommunikation. Schön wär’s! Das Problem ist nämlich der außerordentliche Verdrängungswettbewerb, der alle Länder zu niedrigen Löhnen und Steuern zwingt. Und damit den Wohlstand der Nationen gefährdet. Die Folge: Die Wirtschaft zwingt die Politik in die Rolle des nationalen Erfüllungsgehilfen. Mit Einfuhrzöllen, Subventionen und kostenlosem Umweltverbrauch wird abgeschottet, was das Zeug hält. Paradoxerweise versagt Politik mittlerweile in Ländern, wo sie sich nicht im patriotischen Sinne wirtschaftskonform verhält. Die Zeiten für einen sozial verträglichen Kapitalismus sind schwieriger geworden.

Die Kosten für Arbeit und Umwelt müssen niedrig gehalten werden, um das Kapital zu maximieren. Woraus sich die Frage ableitet, ob Entlassungen von Mitarbeitern überhaupt ethisch zu rechtfertigen sind.

Ein befreundeter Geschäftsführer eines globalisierten Unternehmens, das weltweit zirka 7.000 Mitarbeiter beschäftigt, sagte mir unlängst: „Die derzeitigen Botschaften sind mir zu eindeutig auf Gewinnmaximierung orientiert! Ich kenne die Sprüche – selbst von unseren Wirtschaftsberatern: ‚Wenn Sie nicht zehn Prozent Eigenkapitalrendite erwirtschaften, sind Sie in wenigen Jahren weg vom Fenster.’ Wir haben jedoch in den letzten 136 Jahren wenige Jahre gehabt, in denen wir EK-Renditen von zehn Prozent erwirtschaften konnten! Und übrigens: Von unserer Wertschöpfung gehen 95 Prozent (2004) an die Mitarbeiter – etwa drei Prozent an die Gesellschafter!“

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Hier der erste Beitrag von Ulf D. Posé:

Die Menge der Führungsgrundsätze und der Hochglanz der Broschüren, auf die sie gedruckt werden nehmen zu. Das konkrete Handeln befindet sich jedoch nicht immer in Kongruenz dazu. Führungsgrundsätze sind oft das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind, wenn sie nicht einer verantworteten Sittlichkeit und somit Ethik der Führungskraft entspringen. Anhand der Unternehmenspraxis möchte ich in loser Folge Führungsethik und Führungsalltag miteinander in Abgleich bringen. Der Nutzen für Sie ist dreifach:

1. Ethik hilft, verantwortet neue Chancen zu nutzen, um Entscheidungen ausgewogen und sittlich verantwortet vorbereiten und durchführen zu können.

2. Ethik hilft, das eigene Verhalten vor dem Hintergrund selbstgewählter und selbstverantworteter Normen und Werte kritisch zu reflektieren.

3. Ethik hilft, sich selbst und auch einem Unternehmen eine Identität, und damit Sinn zu geben.

Nicht alles, was wir für verwerflich halten, ist es tatsächlich auch, und nicht alles, was wir für ethisch korrekt halten, ist ethisch einwandfrei. 

Lassen Sie mich heute auf die ethische Komponente bei Entlassungen eingehen.

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