Der Vortrag von Jörg Schindler (hier die Ankündigung) im IF-Forum am 13. November 2008 war für alle Zuhörer hoch spannend. Herr Schindler fasste ganz knapp und präzise die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Rohstoffen Öl, Gas, Kohle und Uran zusammen und präsentierte klare Schlussfolgerungen. Beeindruckend, wie er durch Fakten erhärtete, dass sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten einiges im Energie-Sektor ändern wird. Herr Schindler verwahrte sich in seinem sachlichen Vortrag gegen Spekulationen aller Art, wie denn der Wandel vor sich gehen würde und welche direkten Auswirkungen sich auf die Wirtschaft und die globale Situation ergeben würden. Allen Zuhörern wurde im Laufe des Vortrages aber klar, dass wir definitiv vor einer entscheidenden Wende stehen, dass aber konkrete Prognosen nicht möglich sind. Und Herr Schindler verstand es, trotz der vorhandener Bedrohungsszenarien uns allen Mut für die Zukunft zu machen.

Im Anschluss eine lebendige Diskussion mit zahlreichen Fragen und Sachbeiträgen statt. Alle Zuhörer gingen ein wenig “schlauer” und sehr zufrieden nach Hause. Herr Schindler hat IF-Forum für 2008 nach den beiden Vorträgen von Dr. Simon Grand (St. Gallen) und Dr. Klaus-Jürgen Grün (Frankfurt) zu einem großartigen Abschluss verholfen. Ziel von InterFace ist es, in 2009 wieder 3 qualifizierte Sprecher zu besonderen Themen zu IF-Forum einzuladen, die konkrete Planung hat schon begonnen.

Die Folien des Vortrages sind in unserem Bereich “Dokumente” abgelegt. Wer sie nochn mal ansehen möchte oder den Vortrag versäumt hat, kann sich die Folien dort oder hier zum Lesen und Ausdrucken herunterladen.

Ein herzliches Dankeschön an unseren Referenten, für den spannenden Vortrag und für die Erlaubnis, die Folien seines Vortrages in IF-Blog einzustellen dürfen! Und ein genauso herzliches Dankeschön an Rollo Zollner, der wieder wunderbare Bilder gemacht hat! Zwei davon sind hier zu sehen.

RMD

Beim Vortrag von Peter Scholl-Latour zu Afghanistan war der Andrang unerwartet groß. Das Audimax der Hochschule der Bundeswehr in Neubiberg mit mehr als 400 regulären Plätzen war überfüllt. Der Vortrag wurde akustisch in den Vorraum übertragen. Dort standen zahlreiche Besucher und lauschten der Rede, die aus den Lautsprechern kam. Weit mehr als 100 Besucher konnten nicht teilnehmen und gingen wieder heim. Ich stand auch vor verschlossenen Hörsaaltüren, gemeinsam mit Freunden haben wir dann beschlossen, den Vortrag zu schwänzen und einen vergnüglichen Abend im Offizierskasino bei Bier und Currywurst mit Pommes zu verbringen. So kann ich hier nicht berichten, was Scholl-Latour gesagt hat. Sorry!

Der auch vom Veranstalter in dieser Form nicht erwartete Besucherandrang zeigt, wie aktuell das Thema Afghanistan ist. Und vielleicht wird es jetzt mit einem neuen Präsidenten der USA für uns Europäer und Deutsche bald noch aktueller werden.

Aber man muss Afghanistan auch aus einem anderen, vielleicht noch unheilvollerem Blickwinkel betrachten. Las ich doch vorgestern (7. 11. 2008) in der Süddeutschen auf Seite 11 einen unscheinbaren Artikel mit der Überschrift “Heroinkonsum in der EU nimmt dramatisch zu“. Und da stand drin, dass “die weltweite Produktion von Heroin in 2007 drastisch zugenommen hätte”. Laut EMCDDA sei “allein im Jahre 2007 ein Anstieg um 34 % zu verzeichnen gewesen”. Und für mich kaum vorstellbar: “von den insgesamt im vergangenen Jahr hergestellten 8870 Tonnen stammten 8200 Tonnen aus Afghanistan”! Ich hätte da immer auf Südamerika getippt.

Ich zitiere noch ein paar Sätze: “Die Rekrutierung neuer Süchtiger schreitet in einem Tempo voran, das einen baldigen Rückgang der Problems unwahrscheinlich macht”, “Auch bei den Todesfällen durch Drogen liege Heroin an erster Stelle”, “Jedes Jahr sterben in Europa am Drogenkonsum zwischen 7000 und 8000 Menschen” und “Das Spritzen dieser Drogen ist ein Hauptübertragungsweg des HIV-Virus und Hepatitis C”.

Was kann man dazu noch viel sagen? Sicher ist eine der Ursachen für dieses Grauen eine verfehlte Drogenpolitik in den Konsumländern. Wahrscheinlich würde eine staatlich kontrollierte Heroinabgabe an Süchtige einen Beitrag zur Entkriminalisierung des Heroingeschäfts leisten und die Situation verbessern. Und der Glanz des Heroins (und das Geschäft der Heroin-Barone) würde verfliegen, wenn man sich die Droge ganz legal auf der nächsten Polizeistation kontrolliert spritzen dürfte, sich dabei allerdings als Süchtiger “outen” müsste. Aber anscheinend ist es aus mir nicht einsichtigen Gründen unmöglich, durch eine intelligente Politik der organisierten Kriminalität die Wahnsinnsprofite zu nehmen und Drogen gesellschaftlich zu ächten.

Angesichts obiger Zeilen und Zahlen könnte man auf die Idee kommen, die Welt an Stelle des “Krieges gegen den Terror” zum “Kampf gegen die Drogen” aufzurufen. Wenn ich so rechne, ergibt sich, dass die Drogen unsere Gesellschaft und Kultur weit mehr gefährden als der “Weltweite Terrorismus”. Und dann wäre es doch fast logisch, den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan “zum Kampf gegen die Drogen” zu fordern!

Aber die Bundeswehr ist ja schon in Afghanistan und verteidigt sich dort tapfer selbst. Das Thema “Heroinanbau in Afghanistan” jedoch ist kompliziert und folgerichtig hat es der Bundestag zum Tabu erklärt. Die Bundeswehr vor Ort muss - oder darf (?) - den Anbau ignorieren. Vielleicht schützt sie den Anbau ja sogar unfreiwillig durch ihre Präsenz!?

RMD

P.S.

Der scheidende Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat anlässlich der Vorbereitung der Übergabe der Regierungsgeschäfte an seinen Nachfolger gesagt, dass “dies der erste Präsidentenwechsel seit mehreren Jahrzehnten zu Kriegszeiten” wäre. Ist das makaber, zynisch, fremd jeder Realität oder einfach dumm? Ich meine, dass wir eigentlich doch ziemlich in Frieden leben. Unser Bundesverteidigungsminister (!) spricht ja auch nur von “einer einseitigen Bedrohungslage”. :-) Das ist schön formuliert und leuchtet mir als Radfahrer ein, ich muss ja nur an die Autofahrer denken, wenn ich auf einer Landstraße unterwegs bin. Dann wären Autofahrer ja auch …?

Krieg sieht anders aus - so wie ich das von Menschen erzählt bekommen habe, die den 2. Weltkrieg erlebt haben oder in Vietnam dabei waren. Und wie gering sind die von Terroristen angerichteten Schäden im Verhältnis zu dem Kollateralschaden, den unsere Zivilisation täglich verursacht und den wir alle billigend in Kauf nehmen, wie eben Drogen- oder Verkehrsopfer und vieles mehr. Dies soll aber keine Verniedlichung des Terrorismus sein. Terrorismus ist eine solche Form des Wahnsinns, dass es keinen, aber auch gar keinen Grund gibt, ihn nicht schärfstens zu verurteilen.

Da kann ich nur noch auf zwei Lieder hinweisen: “Imagine” und “Give peace a chance” (Vorsicht Musik!) von John Lennon. Und vielleicht auch noch zum Nachlesen die Wikipedia-Einträge: “Imagine” und “Give peace a chance“.

Wie meinen Zuhörern (und dem Veranstalter) zugesagt, hier eine Zusammenfassung meines Vortrages in Kurzform:

Ich habe den Vortrag in drei Themenbereiche gegliedert:

1) Entwicklung von Technologien vom Beginn der Menschheit bis heute!

Seit es Menschen gibt, haben sie Techniken und Technologien entwickelt. Um die Entwicklung von Technologie zu diskutieren, habe ich menschliche Entwicklungen dem Kriterium ihrer Zweckhaftigkeit folgend in zwei Bereiche eingeteilt: Technologien für den Körper und Technologien für den Verstand.

Technologien für den Körper umfassen so alle Entwicklungen, die der Ernährung (”Fressen und Saufen”), des Reduzierens von körperlicher Anstrengung (”Faulheit”), Schützen des Körpers vor Kälte oder Nässe, Bewahren der körperlichen Gesundheit, der Vermehrung bzw. Vermeidung von Vermehrung (Sexualität), der schnellen Fortbewegung (Mobilität), der Entwicklung von Herrschaft und ähnlichem dienen.

Hier sind beispielhaft zu nennen: Jagd, Ackerbau und Viehzucht, Waffen, Feuer, das Rad, Fahrzeuge, Medizin, Schiffe, Fahrrad, geschlossenes Feuer, Lichtquellen, Kraftmaschinen, Automobil, Eisenbahn, Beherrschung der Elektrizität, Flugzeug, Chemie, Pharmazie, Kernspaltung und vieles mehr. Ich habe diese Disziplinen die “Allgemeinen Technologien” genannt.

Technologien für den Verstand umfassen alle Entwicklungen, die dem Erzeugen, Bewahren, Verbreiten und Verarbeiten von Informationen und Ähnlichem dienen. Beispielhaft sind hier: die Entwicklung von Sprache, Bildern und Schrift, Buchdruck, Datenübertragung, Rechenstab, Kurzschrift, Morse-Alphabet, Kabelübertragung, Telefon, Telex, Funk, Rechenmaschine, Schreibmaschine, Schallplatte, Radio, Fernsehen, diverse Aufzeichnungsgeräte, Computer, E-Mail, Internet. Diese Disziplinen habe ich unter dem Begriff der “Informatik” zusammen gefasst. Besonders wichtig waren mir die Begriffe “Digitalisierung” und “Virtualisierung”.

Ordnet man die Entwicklung all dieser Technologien auf einer Zeitachse an, stellt man eine ungeheure Beschleunigung (E-Funktion??) der technologischen Entwicklung fest. Man erkennt auch, wie die “Informatik” die Entwicklung der “Allgemeinen Technologien” vorangetrieben hat. Ohne Buchdruck wären die Technologiesprünge der Neuzeit unmöglich gewesen, ohne mechanische Rechenmaschine hätte keine Atombombe entwickelt werden können und was ein “WEB2″ bringen wird, können wir nur erahnen.

Die gewählte Darstellung lässt einen zweiten wichtigen Aspekt vermuten: Die Entwicklung von relevanten Fortschritt verläuft immer von “unten nach oben”, eigentlich im Sinne eines “automatischen” Prozesses der demokratischen Meinungsbildung und Ziel-/Regelfindung. Dies gilt für die Entstehung von Sprache, Schrift und Mathematik wohl genauso wie für Wikipedia.

2) Zitat von Bertrand Russell

Teil 2 des Vortrages habe ich auf einem Zitat von Bertrand Russel aufgebaut:

Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit!

Russel war nicht nur ein bedeutender Mathematiker und Philosoph des letzten Jahrhunderts, sondern auch eines der großen Idole unserer Jugend. Wenn wir seinem Zitat folgen und davon ausgehen, dass der Zuwachs an Weisheit beim Menschen z.B. seit Goethe nicht wesentlich stattgefunden hat, dann könnte man zu dem Schluss kommen, das der Zuwachs an Technologie das Glück der Menschen nicht mehrt. So kommt die Ethik ins Spiel. Vielleicht hilft ethisches Verhalten das “lag” zwischen Technologie und Weisheit ein wenig zu verkleinern.

3) Überlegungen zur Ethik von Managern

Schwerpunktmäßig habe ich über die Ethik der Entscheidung gesprochen. Führungskräfte (sogenannte Manager) befinden sich in einem großen Dilemma: Sie sollen in ihren Entscheidungen Ziele sinnvoll vereinen, die sich massiv widersprechen. Gewünscht wären jetzt sittlich verantwortete und nach sorgfältiger Güterabwägung getroffene Entscheidungen. Leider ist dies aber schwer und erschwert schnelle Entscheidungen. Deswegen behelfen sich viele Manager und Systeme und erleichtern sich die Entscheidungsfindung, in dem sie einen Trick anwenden:

Das geht ganz einfach. Man muss nur die Anzahl der zu vereinenden Ziele reduzieren, am besten auf ein einziges. Dies vereinfacht das Manager-Leben ungemein, ist aber als höchst unethisch zu bewerten und führt fast immer zu unteroptimalen Entscheidungen mit langfristig massiv negativen Folgen. Zwei Beispiele seien hier genannt. Ganz aktuell erleben wir die Weltfinanzkrise: Das singuläre Prinzip des Shareholder Value hat Profit im Bereich der Hochfinanz unisono als einziges Ziel festgelegt. Und dies hat eine Krise von gigantischem Ausmaß bewirkt. Und alle von Analysten getriebenen Unternehmen sind gefolgt - und ändern ihr Verhalten auch heute nicht, obwohl man es jetzt wirklich gelernt haben sollte! Demnächst in diesem Blog gibt es dazu noch ein oder mehr Beispiele.

Doch auch die Titanic musste untergehen, weil der Kapitän den Auftrag hatte, auf der Jungfern-Fahrt das “Blaue Band” zu gewinnen - und dieses Ziel hat er äußerst gewissenhaft befolgt.

RMD

P.S.

Meinen Zuhörern ein herzliches Danke für die vielen Beiträge in der Diskussion nach dem Vortrag.

Partyzeit: Am Donnerstag, den 11. Dezember um 18:00 treffen sich Autoren, Förderer und Sympathisanten von IF-Blog zu einer gemütlichen “Happy Hour” bei InterFace in Unterhaching. Am Rande der Party wollen wir die bis dahin konsolidierte neue Struktur von IF-Blog besprechen. Besonders freue ich mich, dass einer unserer wichtigen Autoren von ausserhalb der Region München dabei sein kann: Klaus-Jürgen Grün wird aller Voraussicht zu diesem Termin in München weilen und den Abend mit uns verbringen. Für Getränke und einen einfachen Imbiss wird auch gesorgt werden.

Merkt Euch doch bitte den Termin schon mal vor. Natürlich werde ich auch noch eine Erinnerung versenden. Symphatisanten bitte ich, sich bei mir anzumelden: roland.duerre@interface-ag.de.

RMD

:-)

Als Service für unsere Leser:

Am  5. November wird Peter Scholl-Latour an der Universität der Bundeswehr München in Neubiberg zum Thema “Brennpunkt Afghanistan” um 19:00 Uhr im Audimax sprechen. Peter Roman Scholl-Latour (geboren am 9. März 1924 in Bochum) ist ein deutscher Journalist und Publizist. Er besitzt neben der deutschen auch die französische Staatsbürgerschaft. Über sein Leben findet sich in Wikipedia ein ausführlicher Beitrag.

Ich kenne Peter Scholl-Latour als einen eigenwilligen Journalisten mit tiefer Sachkenntnis. Es spricht für den Mut der Hochschule, einen so kritischen Referenten zu einem brisantem und hochaktuellem Thema wie Afghanistan einzuladen. Ich werde mir diesen Vortrag nicht entgehen lassen und freue mich, wenn ich bei dieser Veranstaltung viele Freunde und Leser von IF-Blog treffe.

Hier die originale Einladung:

Sehr geehrte Damen und Herren,

auf Einladung des Freundeskreises der Universität der Bundeswehr München e.V. und des Studentischen Konvents wird am 5. November der bekannte Journalist und Publizist Peter Scholl-Latour zum Thema “Brennpunkt Afghanistan” an unserer Universität referieren. Dazu lade ich Sie herzlich ein.

Datum: 5. November

Zeit: 19.00 bis 20.30 Uhr

Ort: Audimax, Gebäude 33

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Freunde, Bekannte und Angehörige sind ebenfalls herzlich willkommen. Die Veranstaltung wird von der MLP Geschäftsstelle München XXV unterstützt (www.mlp-muenchen25.de).

Mit freundlichen Grüßen

Michael Brauns

Universität der Bundeswehr München

Michael Brauns

Pressesprecher

Sorry, ich kann es nicht lassen, irgendwie geht mir die Finanzkrise auf den Keks!

Ich habe drei Freunde, die waren Unternehmer. Alle drei sind in der Software-Branche tätig. Ihre Unternehmen waren viele Jahre auf dem Markt und haben echten Mehrwertwert geschaffen. Zwei der Unternehmen waren in Projekten sehr erfolgreich, das dritte hatte neben einem florierenden Schulungssektor ein Produkt, das technisch einzigartig und am internationalen Markt bekannt war.

Alle drei Unternehmen bekamen einen Schwächeanfall, so wie Menschen auch mal krank werden können. Die Ursachen waren im Nachhinein nicht einfach festzustellen, es war eine Kombination von äußeren Einflüssen und eigenen Fehlern, wie dies ja bei Krankheiten oft auch so ist. Die Unternehmen waren in Bayern zu Hause und deshalb folgerichtig bei einer Bayerischen Bank.

Die drei Unternehmen hatten einen schönen Kreditrahmen, den sie in der Krise zu nutzen gedachten. Bei allen dreien hat die Bank zum Beginn der Krise den Kreditrahmen als erste Maßnahme reduziert bzw. auf NULL gesetzt. Das erinnert an Mark Twain, der Banken mit Unternehmen verglichen hat, die Regenschirme verleihen und sie dann einsammeln, wenn der Regen kommt.

Von diesen drei Unternehmen hat eines überlebt, zwei gingen in Insolvenz. Arbeitskräfte und Vermögen wurden zerstört, private Sicherheiten und Bürgschaften eingefordert. Zweien meiner Freunde wurde von der Bank eher zynisch mitgeteilt, dass das Geschäft halt so sei und man da nichts ändern könnte.

Jetzt macht eine Bank pleite. Aber die Regeln, die Banken bei anderen Unternehmen schulterzuckend anwenden, gelten nicht für Banken. Der Staat muss zahlen, weil sonst die “internationale Finanzwelt” bedroht wäre. Und so beginnt ein sich selbst verstärkender Regelkreis der Erpressung. Und heute steht in der Süddeutschen, dass jetzt “alle Banken gerettet werden wollen”.

Ich meine, man hätte es darauf ankommen lassen und die “Hypo Real Estate” in Insolvenz gehen lassen sollen (Es ist ja eh nur eine “Rettung bis auf weiteres”), genauso wie man das üblicherweise mit kleinen mittelständischen Unternehmen macht. Die werden dann ja auch noch längere Zeit “in Konkurs” weitergeführt. Die Kurse wären gestern wahrscheinlich auch nicht deutlicher gefallen. Die Börse schert sich nicht darum, was Politiker machen, sie versucht Entwicklungen von morgen voraus zu sehen.

Ich persönlich fürchte Katastrophen, Krieg und Krankheit mehr als eine Bankkrise. Und die immer noch 5000 Verkehrstoten (und viel mehr Schwerverletzte) nur in Deutschland, die wir nicht zu letzt aus Bequemlichkeit und wegen eines falsch verstandenen Begriffs von Freiheit akzeptieren, machen mich mehr betroffen als der Zerfall der “internationalen Finanzwirtschaft”.

Ich schließe meinen Beitrag mit der Prophezeiung des kanadischen Stammes der Cree:

„Erst wenn der letzte Baum gerodet,

der letzte Fluss vergiftet,

der letzte Fisch gefangen ist,

werden die Menschen feststellen,

dass man Geld nicht essen kann.“

RMD

P.S.

EIn Nachtrag sei mir noch gestattet: Auch die Klimaentwicklung und die massive Zerstörung der Umwelt auf unserem Planeten macht mit weit mehr Sorgen als die “Weltfinanz-Krise”.

Am 10.09.2008 am Vormittag ist die “größte Maschine aller Zeiten“, der LHC von Cern an der Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz in Betrieb gegangen. Die Medien waren voller Weltuntergangsgedanken, zahlreiche Menschen hatten ein ungutes Gefühl wegen der von (unseriösen ?) Kritikern als möglich bezeichneten “Schwarzen Löcher”. Die “größte Maschine aller Zeiten”, die letzten Endes auch von unseren Steuergeldern bezahlt wurde, hat nur kurze Zeit funktioniert. Mehr habe ich auch nicht erwartet. Wie soll die größte Maschine der Welt in einer Zeit störungsfrei laufen, in der man es nicht mehr schafft, die Züge pünktlich fahren zu lassen? Die Reparatur des LHC soll ein halbes Jahr dauern. Aus meiner Projekterfahrung rechne ich deswegen mit einer Wiederaufnahme in frühestens einem Jahr, solange bleiben wir von solchen “Schwarzen Löcher” auf jeden Fall verschont.

Heute, keine drei Wochen später, hat keiner mehr Angst vor dem LHC. Jetzt sorgen wir uns um eine ganz andere Art von “Schwarzen Löchern”. Die treten ganz plötzlich auf und verschlingen gestern 35, heute 50 und morgen vielleicht 100 Milliarden EURO. Keine Angst, ich mache jetzt keine Rechnungen wie im letzten Post zum selben Thema, um zu zeigen, wie viel Geld das ist.

Es gibt eine weitere Superlative, die mich beeindruckt: Gestern hat sich die Bundesregierung zur “größten Bürgschaft aller Zeiten” verpflichtet. Obwohl das ja nur mündlich stattgefunden hat und vor allem “psychologisch” gemeint war - und vielleicht auch nur Teil des kommenden Wahlkampfes ist - finde ich es bemerkenswert. Einer der größten Schuldner weltweit bürgt für einen Betrag, dessen Höhe er nicht kennt. Und wie die Bürgschaft im Detail aussehen soll, weiß er auch nicht.

Ich kenne ein paar Frauen, die haben für Ihren Mann gebürgt. Einige davon sind heute beides los, ihren Mann und ihr Geld. Zum Teil kämpfen sie um ihre Existenz. Ich meine, man sollte Bürgschaften ernst nehmen, gerade als Regierung und nicht so einfach mal kurz am Sonntag Nachmittag mit zwei dürren Sätzen eine Bürgschaft aussprechen. Die Glaubwürdigkeit von Politik und Demokratie erhöht ein solches Vorgehen bestimmt nicht.

Und vielleicht hat die CSU letzte Woche so viel Stimmen verloren und die SPD auch so schlecht abgeschnitten, weil die Menschen die Nase voll von einer großen Koalition haben, die Themen in einer Art und Weise aussitzt, wie wir dies nur vom “Schwarzen Riesen” kannten. Und zeitgleich mit der Ankündigung der Bürgschaft wird eine wesentliche Erhöhung der Krankenkassenbeiträge als Folge der “Gesundheitsreform” bekanntgegeben. Die Einführung des Bundesgesundheitsfonds (was für ein Wort) macht es notwendig. Dies, obwohl es Ziel der Reform war, die Anteile der sozialen Nebenkosten an den Gehältern zu senken.

Und wenn ich dann auch noch höre, dass die grosse Koalition sich nach Monaten des hin und hers ganz plötzlich geeinigt hat, den Einsatz der Bundeswehr auch im Inneren zu ermöglichen, auch das wieder ohne jede Detaillierung des Vorhabens, dann komme ich auf einen ganz komischen Gedanken: Fürchtet die große Koalition jetzt schon einen Volksaufstand, den sie mit der Bundeswehr niederschlagen will?

Aber nein, das kann nicht sein, wahrscheinlich habe ich nur schlecht geträumt.

RMD

“Geld ist nie weg, es hat nur ein anderer!”

Dies war einer der Lieblings-Sätze unseres ehemaligen Beirats Alois Wolferstetter, einem kantigen Banker aus der guten alten Zeit. Diesen Satz habe ich gerne geglaubt, kenne ich doch einige Menschen auch persönlich recht gut, die durch die “New-Economy”-Blase zu mehrfachen Millionären geworden sind und noch viel mehr Menschen, die kleinere aber auch erhebliche Summen dabei verloren haben. Und wenn damals eine Aktie eines New-Economy-Unternehmen vom dreistelligen Kurswert in den einstelligen gefallen ist, so wurden keine Werte vernichtet, sondern es war nur eine freiwillige Umverteilung aus vielen Geldbeuteln in einige wenige. Und die größten Gewinner bei diesem Spiel waren die beteiligten Investmentbanken.

Jetzt scheint es aber um andere Größenordnungen zu gehen. Am Mittwoch, den 9. April 2008, das war vor knapp einem halben Jahr, sah ich in der Süddeutschen folgende fette Schlagzeile auf der ersten Seite des Wirtschaftsteils:

Risiko von 1.000.000.000.000 Dollar

Der Übertitel war: “Internationaler Währungsfond warnt” und als Untertitel gab es zu lesen: “IWF fordert umfassende Reform der Finanzmarktregulierung” und “Kollektives Versagen”. Diese Überschrift hat mir wegen den vielen Nullen so gut gefallen, dass ich mir die Zeitungsseite aufgehoben habe.

Unser deutscher Oberbanker Ackermann hat dann im Frühsommer vom “Anfang vom Ende der Finanzkrise” gesprochen. Alle Zeichen standen auf Entwarnung. Plötzlich scheint trotzdem etwas passiert zu sein. Investmentbanken und eine Sparkasse machen pleite. Die US-Regierung will 700.000.000.000 Dollar für den Erhalt ihrer “Finanzwelt” einsetzen! Ist das jetzt der Anfang vom Ende?

Allerdings habe ich weder die Sachkenntnis noch die Lust, mich mit Theorie und Moral der Finanzwelt auseinanderzusetzen. Mir erscheint das alles sehr suspekt und unglaublich. Aber ein wenig rechnen darf ich doch.

Also beginnen wir:

1 schöner BMW kostet 50.000 EURO. Aus Gründen, die mir auch nicht klar sind, bekomme ich dasselbe Auto in USA für 50.000 DOLLAR. Das heißt für 700.000 Dollar bekomme ich (ohne Mengenrabatt) 14 BMWs. Jetzt dividiere ich die 700.000.000.000 Dollar Finanzwelt-Unterstützung durch 700.000, also den Preis für 14 BMWs. Wie leicht zu sehen sind das dann 1.000.000. Der US-Regierung könnte sich also 14 Millionen schöne BMWs für das Geld kaufen, das sie jetzt der amerikanischen Finanzwelt gibt. Ob das dann besser angelegt wäre, weiß ich auch nicht. Immerhin könnte man dann fast jedem der ca. 1.500.000 US-Staatsbürger, die in US-Gefängnissen einsitzen, 10 BMWs zur Verfügung stellen.

Interessant wäre jetzt zu wissen, wieviel BMWs das Unternehmen BMW in den letzten 20 Jahren gebaut hat?

Ich ärgere mich, weil ich den Eindruck habe, dass sich zurzeit Großunternehmen auf geniale Art und Weise zu Lasten der Allgemeinheit entschulden. Und ich weiß nicht, was es bedeutet, wenn die Finanzwelt zusammenbricht. Ist dann die DM, pardon der EURO nichts mehr wert?

Aber darum geht es mir in diesem Beitrag gar nicht, ich wollte nur mal wieder die Magie der großen Zahlen demonstrieren.

P.S.

Am Montag, den 29. September lese ich, dass auch die Deutsche Bundesrepublik mit 27 (?) Milliarden für die Hilfemaßnahmen an die Hypo Real Estate (was für ein schöner Name!) bürgen will oder muss. Das ist immerhin nach Währungsumrechnung mehr als ein zwanzigstel des aus den USA bekannten Betrages und macht pro Kopf der Bevölkerung mehr als 300 EURO aus. Was machen, wenn die Löcher größer als angenommen sind und noch weitere solche Hypo-Zusammenbrüche kommen? Da reicht dann der Börsengang der Bahn mit ca. 4 Milliarden erwarteten Einnahmen auch nicht weit. Zumindest meine ich jetzt zu wissen, warum die Wähler in Bayern gestern die beiden Parteien der großen Koalition bevorzugt nicht mehr gewählt haben.

RMD

Bahn versus Auto

01.08.08

Auch, wenn ich riskiere, verbal gekreuzigt zu werden: ich bin vorgestern von Köln nach München gefahren. Alleine in einem Mietwagen - aus reiner Bequemlichkeit, denn ich war in Köln nicht am Bahnhof; ich musste in Ludwigshafen einen Kunden besuchen und habe am Weg nach München einen Abstecher gemacht nach Geislingen, um auch dort einen Kundenkontakt zu besuchen. Während all der Besuche konnte ich mein Gepäck im Auto lassen, ich musste nicht vom Bahnhof in Taxis steigen, brauchte mich nicht nach Fahrplänen richten und hatte ein gut klimatisiertes Auto.

Diesen Luxus wollte ich mir leisten! Was mich absolut schockiert hat: Es ist kein Luxus! Der Mietwagen kostete mich 39 €; ich habe für eine Gesamtfahrstrecke von 680 km Diesel für 72 € getankt. Die Zugfahrt 2. Klasse im ICE hätte mich anscheinend laut www.bahn.de einfach 122 € gekostet.

Kann es wirklich sein, dass eine Person mit einem gemieteten Wagen billiger von Köln nach München fährt als die Bahn? Mich wundert nicht, wenn Leute vom Zug ins Auto und nicht umgekehrt umsteigen!

E2E

Australien, eins der Länder mit dem größten CO2-Ausstoß pro Kopf will die Glühlampe verbieten und erwartet durch den Einsatz von Energiesparlampen eine jährlich CO2-Einsparung von 800.000 Tonnen.  (Siehe Tagesschau vom 30.7.2008). Bei einem jährlichen Ausstoß von 603 Millionen Tonnen ist das eine Einsparung von 0,13 Prozent!

Dies wird als energiepolitischer Fortschritt gesehen - meines Erachtens keine so bemerkenswerte Einsparung - die Schweiz hat sich angeschlossen und auch ein EU-weites Verbot ab 2010 wird diskutiert. (Ich wüsste gerne, wieviel CO2 verbraucht wird durch all die Flüge zu den dafür nötigen Abstimmungsrunden). Focus entkräftet alle Argumente gegen Energiesparlampen und bei Zitaten wie “Im Vergleich zu Glühlampen, die ihre Wärme im wesentlichen in Wärme umsetzen, 95:5%, geht bei Energiesparlampen viel mehr Energie in Licht und weniger in Wärme, nämlich 20%. Sie werden es merken, wenn sie sie anfassen, sie sind nicht warm.” (gefunden im Deutschlandfunk ) scheint es auch die logische Antwort zu sein.

Die einfachen, ach so logischen Antworten reizen mich oft zum Nachdenken - denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Realität oft vielschichtig und kompliziert wird. Die einfachen Antworten erscheinen nicht mehr so einfach, wenn man mehrere Dimensionen betrachtet.

So könnte man überlegen, wann man in unseren Breitengraden am meisten Licht benötigt. Bestimmt nicht in der Sommerzeit, sondern in den langen (kalten) Winternächten. Hier geht dann 95% der eingesetzen Energie verloren! Verloren? Sie wird in Wärme umgesetzt, was aber doch in den kalten Winternächten gar nicht so schlecht ist. Da unsere Heizungen mit Thermostatreglern ausgestattet sind, muß damit die Heizung weniger arbeiten. Somit ist die Netto-Energieeinsparung wohl geringer, sobald man nicht mehr nur die eine Dimension “Licht” betrachtet. Wenn man nun noch berücksichtigt, dass Energiesparlampen aufwändiger in der Produktion sind und wegen giftiger Inhaltsstoffe als Sondermüll entsorgt werden müssen, frage ich mich, ob man wirklich mit neuen Gesetzen und Verordnungen gegen Glühbirnen vorgehen sollte.  Oder ist das nur ein Feigenblatt für die Politik, weil es ja auf den ersten Blick so verlockend logisch klingt?

Durch Zufall bin ich in dem Zusammenhang auf das Märchen vom CO2-freien Atomstrom gestoßen. Ohne zu wissen, ob die Aussagen dort wahr sind, mahnt mich auch das wieder daran, die einfachen Antworten zu hinterfragen.

E2E