Essen hält nicht nur Körper und Seele zusammen. So spielt es im Leben des Studenten wie des Werktätigen eine zentrale Rolle. Auch uns HighTec Ingenieure der modernen Datenverarbeitung bei der Siemens AG lockten die Kantinen im großen Werksgelände am Standort Hofmannstraße. Besonders bei schönem Wetter ging es heraus aus unserem Bau in der Ortenburgstraße, der mittägliche Spaziergang ins Stammgelände war eine schöne Abwechslung, gut geeignet zum frische Luft schnappen. So ließen wir unseren “Haus-Bäcker” links liegen und machten uns auf den Weg ins Kasino. Bei Siemens gab es damals gutes Essen. Es gab Frühstück, Mittag- und Abendessen. Wir als “weiße Kragen” gingen meistens nur zum Mittagessen. Das Abendessen nutzten wir nur gelegentlich, wenn eine “Spätschicht” angesagt war.

Bezahlt wurde damals auch schon bargeldlos. Der Prozess war gnadenlos einfach - echt  “cheap design“. Es gab Automaten, in die konnte man DM-Münzen einwerfen und die spuckten dann eine Anzahl grüner, roter oder gelber Metallscheibchen aus. In der Mitte der Scheiben war ein Loch, außenherum eine (vergessene) Inschrift. Für die grünen bekam man ein Essen I, für die roten ein Essen II und für die gelben Marken wahlweise eine Extra-Beilage, einen Salat oder eine Nachspeise. Die Suppe war im Preis inbegriffen. Am Ausgang gab man dann entsprechend seiner Auswahl eine oder zwei Marken ab, das war es.

Das Essen wurde damals aus großen Töpfen und Pfannen ausgegeben. Man nahm sich ein Tablett und stellte ein typisches Kantinengeschirr aus Porzellan mit 4 Fächern (2 waren größer und 2 kleiner) darauf und ging zur Essensausgabe. Dort konnte man durch “Spracheingabe” auf die Größe der Portion Einfluss zu nehmen. Man musste nur sagen “Bitte weniger” oder “Bitte ein wenig mehr” von diesem oder jenem. Dem entsprechend bekam man von der meist freundlichen und ab und zu knurrigen Dame einen größeren oder kleineren Schöpfer (oder ein großes oder kleines Stück). Meistens wurde aufgegessen und es ging weniger Essen  in den Abfall, eigentlich doch auch ein Wert.

Wie ich meinen Abschied von der Hofmannstraße nahm und nach Neuperlach ging, hat die grüne Marke DM 1,60 gekostet, die rote 2 Mark und die gelbe 30 Pfennige. Zu Beginn meiner Werkstudentenzeit 8 Jahre früher hieß das Kasino noch Kantine, das grüne Essen kostete 1,20 und das rote 1,50, die Nachspeise 20 Pfennig. Das waren dann umgerechnet 60 Cent für ein vollwertiges Mittagessen inklusive Suppe. Und damals haben ältere Kollegen auch schon davon erzählt, wie billig das Essen in der Kantine noch vor der letzten Preiserhöhung gewesen wäre.

Das Essen in der Siemenskantine war damals wesentlich billiger und deutlich besser als in der neuen Mensa der Technischen Hochschule München (TH München) in der Arciss-Straße. Ein Grund mehr, immer mehr Zeit von der THM (später TUM - U für Universität) zu Siemens zu verlagern. Dort hatten wir den direkten Zugriff auf moderne Rechner, beliebig Rechenzeit, eine zumindest die IT betreffend bessere Bibliothek und spannende Projekte. Wir haben wahnsinnig viel gelernt - und bekamen auch noch Geld dafür. Es war eine gute Zeit. Auch deswegen bieten wir guten Werkstundenten gerne interessante Aufgaben bei InterFace an.

Aber zurück zum Essen. Braucht man das vielfältige Angebot in den modernen Kantinen mit “dem Fisch des Monats”, Grill- und Steakwochen, exotischen Landesspezialitäten und vielem mehr wirklich? Wie überall werden die Namen schicker (und englischer), die Uniformen des Personals aparter, die Freundlichkeit sehr konstant, aber sie wirkt oft doch recht antrainiert. Für das Abrechnungssystem braucht man ein Rechenzentrum, wahrscheinlich fließen die Daten ins SAP-System ein. Leiser und menschenfreundlicher sind die Kantinen aber deswegen nicht geworden

In Neuperlach in der Kantine war dann alles schicker, aber Teller und Besteck waren Einmalgeschirr aus Plastik (aus Kostengründen!). Aber zu Neuperlach komme ich dann später.

Ja, da hat er wieder geweht, der “Wind of change”, nicht ganz so positiv wie bei den Scorpions (Vorsicht Musik!).

RMD

P.S.

In Wikipedia gibt es auch einen Artikel zum “Wind of Change“.

Die schönste Zeit bei Siemens habe ich am Standort Hofmannstraße in einem ausgelagerten Labor verbracht. Siemens platzte damals aus allen Nähten, deshalb wurden im Umfeld der Hofmannstraße zahlreiche Büroräume angemietet (und dabei wahrscheinlich auch aus Wohnungen Büros gemacht). Dort startete ich nach Abschluss meines Mathematik-Studiums in fester Anstellung als SW-Entwickler bei der Siemens AG im Bereich Datenverarbeitung im Werk für Systeme in der Datenfernverarbeitung. In Kurzform hieß meine Abteilung UB D WS DF 131. Über mir gab es inklusive des Vorstandes 9 Führungsebenen (heute meine ich, dass das gar nicht so schlecht war - von den tollen flachen Führungsstrukturen bin ich gar nicht mehr so überzeugt. Aber das ist ein anderes Thema). Drei meiner Chefs kannte ich persönlich, das waren Herr Henning, Herr Jilek und Herr Obst, die auch alle drei in der Ortenburgstraße ihr Büro hatten. Das Wachstum von Siemens war zu dieser Zeit unheimlich stark. Laufend strömten junge Kollegen aus ganz Deutschland zu uns, so dass ich schon nach einem Jahr zu den alten und erfahrenen Kollegen gehörte.

Wir hatten Glück, unser Softwar-Labor war in der Ortenburg-Straße. Von außen sah das Gebäude aus wie ein Wohngebäude, innen war es richtig gemütlich. Es gab zwar keine Parkplätze - und die Mega-Parkplätze der Siemens AG waren ziemlich weit weg - aber das machte mir nichts, weil ich damals gerade wieder in die Fraktion der Radfahrer gewechselt war (Die Staus auf der Fürstenrieder Strasse waren sehr unerfreulich). Drei Kollegen habe ich damit angesteckt, die sind dann auch nicht mehr mit dem Auto ins Büro gefahren. Einer davon hat sich ein besonders schweres Holland-Rad gekauft und gemeint, dass würde ihn mehr anstrengen und wäre deshalb gesünder.

Obwohl Programmierer hatten wir zu Beginn noch fast keine Computer im Büro, aber Kaffeemaschine und Kühlschrank. Das erstere war möglich, weil wir damals nur auf speziellen Assembler-Formularen programmierten. Ein Programm wurde gründlich durchdacht, dann ordentlich in spaltenorientierte Formulare eingetragen. Nach gründlichem Code-Reading wurde es vom Botendienst abgeholt und von einem speziellen Lochkartendienst (der war damals schon “outgesourced”) gestanzt. Getestet wurde im Feurich-Bau (das war das Gebäude einer ehemaligen Keks-Fabrik mit echtem “Loft-Charakter” im nördlichen Teil des Geländes an der Hofmannstraße), da war unser Versuchsfeld und da standen die ganz neuen DUETs und BS2-Systeme. Und wenn wir einen Fehler hatten, den wir nicht auf Anhieb lokalisieren konnten, dann produzierten wir einen Dump (so ein PDN-Dump hatte schon eine Höhe von deutlich mehr als 20 cm und das Schnelldrucker-Papier war ganz schön schwer). Die Dumps wurden im Rechenzentrum ausgedruckt und dann in die Ortenburgstraße gefahren. Es sah schon lustig aus, wenn wir zu dritt - alle im Anzug mit Krawatte, das hat sich auch erst später gelegt - im Zimmer in den Dumps wühlten.

An Kühlschrank und Kaffeemaschine erinnere ich mich gut, weil es durchaus eines kleinen Aufstandes bedurfte, um so etwas mit ins Büro bringen zu dürfen. Ich glaube, dass unsere damaligen Chefs da doch ein paar Augen zu drückten. Kühlschrank und Kaffeemaschine waren potentielle Brandherde und so ein enormes Sicherheitsrisiko. Aber es waren Symbole einer neuen Freiheit auch im Arbeitsleben.

Die geniale Ergänzung war der Bäcker im Erdgeschoss unseres Gebäudes. Da duftete es immer so gut, dass wir immer öfters auf den Gang in die Kantine verzichteten. In dieser Zeit kam ich auch das erste Mal mit einer Betriebsversammlung in Kontakt. Ich als Neuling fragte meine Kollegen, was das wäre. Die lapidare Antwort war, dass man darauf gut verzichten könnte. So habe ich das dann auch gemacht. Später war ich einmal dabei, meine Kollegen hatten zweifelsfrei recht.

Dafür gab es bei Siemens tolle Vorträge, fachlich und gesellschaftlich, da lohnte es sich hinzugehen. Ein Kollege war Mitglied der Siemens-Laien-Bühne, den haben wir dann bei seinen Auftritten im Siemens-Casino besucht. Mit unserem Chef sind wir ab und zu im Siemens-Sport-Gelände gejoggt - er wollte seine Mitarbeiter immer fit halten. Irgendwie war das schon so etwas wie die Siemens-Familie.

Fachlich war auch einiges zu tun. Am Anfang gab es keine Manualredaktion und keine eigene Qualitätsabteilung. Im kleinen Team (ich meine auch ziemlich scrum-mäßig) pflegten wir die letzte Version, entwickelten eine aktuelle Version und planten die Funktionalität und Realisierung der nächsten. “Nebenbei” schrieben wir Manuale und berieten unsere Kunden, sprich Kollegen die mit unserer Software (Transdata und PDN inklusive KOGS und APS und manches mehr) aufregende Großprojekte wie ITS, START, DISPOL und viele weitere realisierten. Wir waren damals unheimlich produktiv - und oft wurde es abends auch ziemlich spät. Obwohl wir immer pünktlich um 7:30 da waren (das war unsere Schicht, es gab zwei weitere, die um 7:10 und 7:50 begannen, dies diente der Entflechtung des Anfahr- und Abfahrverkehrs), ging kaum einer von uns um 16:15 heim. Stechuhren oder ähnliches gab es auch nicht, wir arbeiteten eigenverantwortlich und schauten, dass wir unsere Arbeit im Team schafften und gingen heim, wenn wir meinten es würde passen.

Mir fällt da nur das Lied (Vorsicht Musik!) “Those were the days my friends!” von Mary Hopkin (1968) ein …

RMD

Und noch eine Geschichte aus der Zeit kurz nach der Gründung der InterFace Connection gegen Ende 1984:

Im “Office” sind wir mit einer kleinen Nebenstellenanlage, einem Kopierer, einem Faxgerät und einer Schreibmaschine der Marke “Brother” und vielen ordentlich beschrifteten Leitzordern (Postausgang, gestellte, Rechnungen, Anlagevermögen, Stundenzettel ,,,) gestartet. Die ersten Briefe schrieb die Heidi, unsere Innendienst-Chefin, “händisch” auf “ihrer” Schreibmaschine. Die Brother hatten wir vorausschauend mit einer seriellen Schnittstelle ausgestattet. Bald wurde sie an unser Sinix-System MX angeschlossen. Geschäftspost und Rechnungen wurden mit “vi” geschrieben, mit “n-roff” formatiert und auf der Brother ausgedruckt. Das war damals hoch innovativ. Auch die Heidi nutzte vi ohne Murren, der Wolf hatte ihr das Büroleben mit ein paar “Büro-Makros” in n-roff versüßt. Es war eine sehr effiziente Methode, Rechnungen und Geschäftsbriefe zu erstellen.

Aber etwas fehlte uns noch: Alle Unternehmen, die Rang und Namen hatten, verfügten über einen Telex-Anschluss. In Wikipedia steht ziemlich viel Wissenswertes zu Telex, aber auch nicht alles. Zum Beispiel, dass Telex auf einem verbindungsbasierten Protokoll aufsetzt. Man wählte eine andere Telex-Nummer, beim Verbindungsaufbau konnte ein Kennungsgeber ausgetauscht werden, dann erfolgte die Datenübertragung und anschließend wurde die Verbindung wieder abgebaut. Der Austausch des Kennungsgeber schloss Irrläufer aus - wie sie beim Telefax durch falsche Anwahl gelegentlich passieren.

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Bevor ich die Übersicht über unsere 25 Jahre mit der dritten Etappe fortsetze, eine kurze Geschichte aus der Startzeit:

Kurz nach der Gründung (Ende März 1984) war ein sicher geglaubter Auftrag für mich weg. Ganz kurzfristig, Anfang nächste Woche sollte es losgehen, Mitte der Woche wurde das Projekt gestoppt. Was tun? Wolf und ich sassen in unserem neu eingerichteten Keller-Büro und grübelten doch ein wenig über die Zukunft. Wir hatten ja nur zwei “produktive Mitarbeiter”, den Wolf und mich. Die restlichen Kollegen arbeiteten “investiv” am Produkt und an der Zukunft des Unternehmens (finanziert von Wolfs und meinen Einnahmen).

Aber wir hatten viele Freunde und teilten diesen unser Unglück mit. Und dann passierte es: Freitag Abend zu später Stunde rief mich der Rudi Schragl an: Da wird dringend in München ein Systemmann gesucht, der UNIX, lex, yacc, sccs, make, c und adb können muss. Der Stundensatz betrüge 150,- DM (das war viel Geld und ein Traum für uns). Und los ginge es gleich am Montag. Das hat mich gereizt. Unix, die Shell, die Werkzeuge kannte ich so halbwegs. C jedoch hatte ich noch programmiert und vom adb wußte ich nur, dass er ein Kürzel für “another debugger” war. Den Job wollte ich haben! Also: Am Wochenende büffeln!
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Das war aber gar nicht so einfach. Vom berühmten Kernigan-Ritchie war kein Exemplar mehr im Büro, da die Mitarbeiter alle mit nach Hause genommen hatten. So etwas wie Internet hatten wir damals noch nicht. Der Wolf war gerade zum Wochenende in die Schweiz gefahren, die Bibliotheken geschlossen usw. Und dann fand ich es - versteckt in einer Schublade: Das C-Puzzle Buch (hier abgebildet). Ein wunderschönes Buch, dass aber vor allem zeigt, wie man es nicht machen darf! Trotzdem ein Genuss, auch heute noch!

Irgendwie habe ich dann das Interview am Montag Morgen geschafft. Die erste Woche habe ich vermieden zu programmieren und mich sehr konzentriert in die Aufgabenstellung eingearbeitet. Es war nicht so ganz einfach, meine Unkenntnis geheim zu halten. Jeden Abend ging es dann zum Wolf (den besten Computer-Sprachen-Lehrer den ich kenne) zum Üben und nachts wurde der Kernigan-Ritchie unters Kopfkissen gelegt. Nach zwei Wochen wurde C zu meiner Lieblingssprache! Endlich eine Sprache, mit der man schneller Denken als Schreiben kann (auch das bringt seine Gefahren mit sich)!

Als erstes habe ich dann für meine Module einen kleinen Testtreiber geschrieben (das war meine Übungsaufgabe in C). Hat Spass gemacht und der Erfolg war phantastisch. Meine Module waren eigentlich immer fehlerfrei, was meinem Ego (und meinem vielleicht doch ein wenig ramponierten Ansehen) sehr gut tat. Bald kamen die Kollegen zu mir, um ihre Module auch in meinem Testtreiber einzuhängen. Den adb habe ich nur selten gebraucht, immer dann wenn sich ein “Pointer-Fehler” irgendwo eingeschlichen hatte.

So einfach war das Leben in der Pionierzeit!

RMD

Vor kurzem schleppte Roland Dürre einen Stapel Bücher an – lauter gut erhaltene Exemplare eines Werkes von Gerhards Saeltzers mit dem Titel „erstaunliche Computerwelt“.

Rolands Kommentar dazu war: „Ich kaufe jetzt den Markt leer, dann können wir mit diesem Buch auch die ganz jungen Talente für die Informatik gewinnen“.

Ich gebe zu, als ich das etwas vergilbte Umschlagbild sah, erschien mir der Gedanke etwas verwegen. Aber als wir dann zu zweit mit kräftigem Schmunzeln Seite um Seite umblätterten, stellten sich doch ein paar wunderliche Gedanken ein, in etwa dieser Reihenfolge:

1. Soviel hat sich gar nicht verändert

Selbst Stift-Eingabe und Spracherkennung kommen in diesem Buch von immerhin 1988 schon vor.

Auch wenn die Abbildungen einen gewissen nostalgischen Charme haben und noch in der DDR gedruckt wurden, vermitteln sie einem das Gefühl, wie man es manchmal vielleicht bei altem Blechspielzeug empfindet: nicht modern, aber liebenswert. Und in unserem Falle mit einem echten Nutzwert versehen, denn der nächste Gedanke war:

2. Man kann Computer durchaus noch von Grund auf verstehen

Die moderne Klage, dass man früher noch vom Microchip bis zum Anwendungsprogramm alles verstehen konnte, ist verständlich. Und natürlich gibt es heute mannigfache, komplexe Feinheiten, die nur noch Speziallisten vertraut sind. Aber die grundlegenden Zusammenhänge der verschiedenen Schichten eines IT-Systems lassen sich durchaus noch durchdringen, und zwar „für Leser von 12 Jahren an“, wie der Klappentext geradezu rührend und ermutigend beschreibt. Daraus folgt:

3. Erfahrung macht klug, manchmal aber auch blind

Auch denen unter uns, die sich in die Feinheiten von JEE und .Net vertieft haben, bietet eine kurze Pause und Besinnung auf die Wurzeln wahrscheinlich Entspannung. Man sieht die einfachen Grundlagen und ihre Wirkung im praktischen Leben vor sich: Letztendlich sind es alles nur Nullen und Einsen, aber sie können vieles bewirken.

Ich brachte letztendlich ein Exemplar mit nach Hause, für einen simplen Praxistest. Der Kommentar der dortigen Nachwuchskräfte lautete sinngemäß in etwa so: „Das Titelbild sieht ja richtig alt aus“ – Pause, blättern, Stirnrunzeln, grinsen, weiterschmökern – „ … aber innen ist es cool“.

Was will man mehr!

CST

Anmerkung von Roland Dürre:

Das Buch haben wir im September 1990 bei einer InterFace-Veranstaltung (gleich nach der Wende) in Dresden gefunden. Der Autor hat gemeinsam mit InterFace die “Erste deutsch-deutsche Fachtagung für moderne Software und Computer Systeme SoftSys” organisiert. Was InterFace dort gemacht und was wir alles erlebt haben, davon berichte ich in einem eigenen Beitrag.

Mir hat das Buch so gefallen, weil es auf anschauliche Art und Weise Informatik beschreibt. Man versteht auch die Basis von Informatik sehr gut, und geht dabei in eine Tiefe, die ich heute bei manchem Absolventen eines Informatik-Studiums vermisse. 

Dies ist ein ganz besondere aber trotzdem wahre Geschichte. Sie hat mein Leben beeinflusst.

Es war Anfang der 80iger Jahre, ich war frischer Vater und hatte ein süßes Baby zu Hause. Mein Arbeitgeber war die Softlab GmbH. Wir hatten einen „schwarzen Freitag“, an dem 2 große Projekte mit ca. 30 Kollegen unerwartet gestoppt wurden, Deshalb haben wir uns richtig Mühe gegeben, neue Kunden zu gewinnen.

Die Deutsche Bundesbank schrieb ihre „2. Automatisierungsstufe“ aus. Es war eine richtig große Ausschreibung. Softlab bildete gemeinsam mit Kienzle eine Bietergemeinschaft. Kienzle war für die Hardware zuständig, Softlab sollte den Software-Teil übernehmen. Es ging um die informationstechnische Ausstattung der Niederlassungen der Deutschen Bundesbank, die Zentrale war schon „automatisiert“.

Kienzle war ein kleiner IT-Anbieter, der damals zwar einen guten Namen hatte, aber nur in Baden-Württemberg erfolgreich war. Kienzle verfügte über ein innovatives Rechnersystem im oberen Bereich der mittleren Datentechnik (MDT), das technologisch auf Prozessoren von Texas Instruments (TI) basierte. Die Systeme verfügten über einen pfiffigen Kommandointerpreter und ein pragmatisches Cobol-Entwicklungssystem. Eine echte Besonderheit war die skalierbare Mehrprozessor-Architektur, das war damals bei MDT schon etwas besonderes.

Der Geschäftsführer des Bereichs Datensysteme von Kienzle war Dr. Bindels. Dr. Bindels war ein Realist. Sein Ziel war, bei der Ausschreibung einen der vorderen Plätze zu besetzen, um zu zeigen, dass Kienzle auch auf bei großen Projekten ein ernst zunehmender Anbieter sei. Die Favoriten waren IBM, Nixdorff und Siemens, damals bei einer Bundesbehörde eine übermächtige Konkurrenz. Softlab-seitig wurde ich für die Erstellung des Angebots eingesetzt. Als ewiger Optimist wollte ich natürlich gewinnen.

Eine (negative) Folge des Projektes für mich waren 6 Wochen Aufenthalt von Montag bis Freitag in Villingen-Schwennigen. Das war mir als junger Vater gar nicht so recht.

Zwei für die Geschichte nicht wichtige aber doch erwähnenswerte Ereignisse am Rande des Projektes sind mir haften geblieben.

Einmal gab es ein Treffen der Konkurrenten, da waren wir auch dabei. Lustig war, dass die VB’s (Vertriebsbeauftragten) unserer Konkurrenz von IBM, Nixdorf und Siemens ihre Arbeitgeber gerade zyklisch gewechselt hatten und bei dieser Ausschreibung erstmals für ihre neue Arbeitgeber tätig waren.

Und auf der Hinfahrt nach Villingen-Schwennigen ging mir der Bremszylinder an meinem ziemlich neuen, roten VW Passat Diesel kaputt. Das war nicht so lustig, aber es ist nichts passiert. Auf Höhe Dasing war eine VW-Werkstatt und hat das Problem schnell und auf Kulanz gelöst.

Aber das war nicht wichtig, wichtig war nur, wie wir die Ausschreibung gewinnen konnten. Es gab nur eine Lösung: Die Last in den einzelnen Geschäftsstellen war sehr unterschiedlich. Unser (Kienzles) Wettbewerbsvorteil war die Skalierbarkeit unseres Systems. Wir konnten das unterschiedlich Lastprofil in den Filialen mit einer Produktlinie abdecken!

In gut vier Wochen entstand ein dickes Angebot und eine verblüffend perfekte Merge/Sort-Anwendung über Rechner- und Plattengrenzen hinweg, die ein freiberuflicher Kollege zauberte. Und dann hatten wir es tatsächlich geschafft – wir waren unter den letzten Drei! Einen der großen Favoriten, ich glaube es war IBM, hatten wir hinter uns gelassen. Wir bereiteten uns auf die finale Präsentation vor.

Bei Softlab gab es eine Abteilungssekretärin, die wunderschön malen konnte. Wir versuchten mit einer einfachen und witzigen Botschaft den Vorteil der Skalierbarkeit aufzuzeigen. Es entstand ein Flipchart mit vier Bildern: Das erste zeigte einen römischen Kampfwagen mit einem Pferd, das zweite einen eleganten Zweispänner, das dritte eine Postkutsche mit vier Pferden und last-not-least war ein Oktoberfestwagen mit 6 Pferden dran. Die Botschaft war klar. Alles wurde wunderschön nach Vorlagen handgemalt (und das ohne Google und Internet), wir pinselten 2 volle Tage an dem Flipchart. So etwas ging damals bei Softlab!

Die vier Bilder wurden sorgfältig mit weißem Papier abgedeckt, das leicht entfernt werden konnte. Das Flipchart wurde achtsam nach Villingen-Schwenningen gebracht, die finale Präsentation konnte kommen.

Dann war es soweit. Unsere verbliebenen Konkurrenten – ich meine es waren Siemens und Nixdorf - präsentierten lange Foliensätze auf dem Overheadprojektor. Und sie überschritten die Ihnen zugeteilte Zeit deutlich. Damals ärgerte ich mich noch über so etwas.

Und dann waren wir dran, der chancenlose Außenseiter. Ich hatte einen Vortrag über die Software-technologische Überlegenheit von Softlab von meinem Chef dabei. Den wollte ich zuerst halten, dann die Demo präsentieren und am Schluss mein Plakat enthüllen. Spontan habe ich umgestellt. Den Vortrag habe ich weggelassen. Nach dem Motto „In der Kürze liegt die Würze“ und „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ habe ich mein Bild enthüllt und die Vorteile von skalierbarer Mehrprozessortechnologie beschrieben. Und dann haben wir eine Superdemo hingelegt und uns bei den Zuhörern für ihr technologisches Verständnis bedankt. Nach gut 30 Minuten waren wir fertig. So einfach war es damals, Aufträge zu gewinnen :-) !

Die Geschichte hatte ein paar Folgen:

Unser Gewinn war eine Sensation und Kienzle veranstaltete eine große Siegesfeier. Dr. Bindels hielt eine überzeugende Rede. Ausführlich begründete er, dass alle anderen Hersteller entweder nur horizontale oder vertikale Lösungen beherrschen würden. Nur das Gespann Kienzle-Softlab könne beides. Das als Festschmaus gedachte Spanferkel kam zu früh - die Rede war noch nicht zu Ende - und wurde mir gegenüber abgestellt. Und dann hat es mich mit ganz traurigen Augen angesehen. Da kleine Ferkel durchaus Ähnlichkeiten mit kleinen Menschen haben, musste ich an mein Baby zu Hause denken und habe an diesem Abend beschlossen, in Zukunft mein Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Projektleiter für das gewonnene Projekt wurde mein Freund Dr. Hanns-Martin Meyer, wir beide hatten kurz vorher bei Softlab an einem Projekt für die Deutsche Bundespost (unser Kunde war SEL in Stuttgart, es ging um Bildschirmtext) als 2-er-Team intensiv und nach unser beider Meinung mit mustergültigem Ergebnis zusammen gearbeitet. Hanns-Martin wurde später Geschäftsführer bei Telenorma (die wollten auch IT-Systeme herstellen und verkaufen) und noch später Vorstand bei IXOS.

Die Fachanwender der Deutschen Bundesbank wurden mit einer intensiven (und teueren) Ausbildung in die Lage gebracht, ihre komplexen Fachprozesse mit SE/T/E/C (die geschütze SW_Entwicklungsmethode von Softlab) zu beschreiben. Und daran hat Softlab ziemlich gut verdient.

Und dann gibt es so ein Gerücht, dass nach einem Jahr ein LKW im Auftrag der Bundesbank viele Zentner Papier - das fachliche Pflichtenheft - bei Softlab abgeliefert und die Kollegen dort zur Verzweiflung gebracht hat. Ob dies wahr ist und ob das Projekt je etwas wurde, weiß ich nicht, auch nicht, ob jemals Kienzle-Systeme bei der Bundesbank installiert worden sind. Ich habe Softlab zeitnah verlassen und meinen „Spanferkel-Vorsatz“ umgesetzt.

RMD

Die Geschichte ist nach bestem Wissen und gewissen wiedergegeben. Alle Details sind aus meiner Erinnerung. Ungenauigkeiten oder Fehler bitte ich zu entschuldigen und korrigiere diese selbstverständlich gerne.

Die folgende Geschichte ist für mich deshalb wichtig, weil sie den einzigsten (!) Fall in meiner Karriere erzählt, in denen ich einer kriminellen Nutzung durch Computer persönlich begegnet bin. Deshalb bin ich wahrscheinlich auch so skeptisch gegen den aktuellen “Security-Overkill” (Kennwortschutz und Verschlüsselung auf WLANs, überall VPN-Mechanismen usw.), der übrigens immer mit minimalsten Wissen (zehn Zeichen eines Passworts kriegt man immer raus) umgangen werden kann. In der Tat wäre mir eine offene Welt mit weniger Misstrauen auch in diesem Bereich lieber. Aber jetzt zur Geschichte.

Ich hatte das große Glück, das wahrscheinlich modernste Projekte unterstützen zu dürfen, das es damals in Deutschland gab! Das Projekt hieß START und vernetzte die Rechner der Lufthansa, DB und der TUI. Fast wäre es gescheitert, weil die Netzknotenrechner Datenpakete zwischen den kooperierenden Unternehmen vermittelten und das nach Meinung der Deutschen Bundespost gegen das Fernmeldemonopol verstieß. Aber auch solche (fachfremden) Probleme konnten ebenso wie die technischen Herausforderungen gelöst und damit der Grundstein für eine Erfolgsgeschichte gelegt werden, die heute selbstverständlich geworden ist und allen Beteiligten - Lieferanten, Betreibern und Nutzern - über die vielen Jahre bis heute wesentliche Benefits gebracht hat.

Auf der Mainframeseite waren Systeme unter dem Betriebssystem BS 2000 mit UTM/UDS und auf der Netzseite Rechner der Serie 9600 TRANSDATA mit KOGS und PDN beteiligt.

Es war vor allem eine Herausforderung für die Technik Datenfernverarbeitung - so hieß “network computing” damals. Von Slogans wie “the network is the computer” waren wir Lichtjahre entfernt. Deshalb schlugen wir uns mit dem ISO-7-Schichten-Modell herum. Transportschichten und physikalische und logische Transportquittungen, BCAM und DCAM waren die Herausforderungen. Aber die Vision war für die damalige Zeit einzigartig: echtes Online-Buchung mit sofort gedruckten Tickets direkt aus dem Reisebüro! Klingt heute im Zeitalter des Internet ja ganz harmlos. Wir aber waren die Vorläufer des im Internet gebuchten etx-Tickets - ein für die damalige Zeit nahezu unvorstellbares und sehr visionäres Vorhaben.

Und - wir haben es in vielen Jahren trotz mancher Rückschläge und plötzlich auftauchender und oft unüberwindbar erscheinender Hindernisse geschafft. Aber - wie das System dann im Echteinsatz produktiv zum Laufen kam, gab es ein heftiges Problem:

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Wer hat das Radar erfunden? Angeblich gibt es da eine Reihe von Menschen, die dies für sich in Anspruch nehmen können. Auch ein deutscher Professor, der in den 50iger Jahren an der Technischen Hochschule München (heute Technische Universität München) lehrte, gilt als der verkannte Erfinder des Radars. Aber wer hat eigentlich den Warmstart erfunden? So geht meine Computer Vintage Geschichte also jetzt weiter:

Eines unserer hochspannenden Projekte Ende der 70iger Jahre war Dispol und wurde von der Bayerischen Landespolizei gemeinsam mit Siemens entwickelt. Der gesamte Fernschreibverkehr sollte in ein neues IT-basiertes System überführt werden. Dabei sollten echte Fernschreiber genauso am Netz funktionieren wie moderne Datensichtgeräte, für die es auch ein kleines Programm zur Emulation von Fernschreibern gab. Die physischen Fernschreiber waren richtige Bestien. Sie hatten Spannungen von 60 Volt plus/minus und waren schon damals für IT-Verhältnisse unendlich langsam (die Übertragungskapazität war wohl 50 Baud).

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Am Samstag, den 26.April 2008 fand in München das Vintage Computer Festival Europe (VCFe) statt.

Das VCFe ist ein Treffen für Liebhaber nostalgischer Computer und Software. Die Veranstaltung beinhaltet eine Ausstellung, einen Flohmarkt für alte Computer, Zubehör und Teile. Parallel findet ein Rahmenprogramm mit interessanten und gut besuchten Vorträgen statt. Das Münchener Treffen ist „Ableger“ einer relevanten Bewegung, die ihren Anfang in den USA hatte. Die größte Veranstaltung findet in San Francisco statt. Hans Franke (ein ehemaliger Siemens-Kollege) organisiert jährlich das Münchner Meeting, es war auch in 2008 wieder eine gelungene und gut besuchte Veranstaltung. 

Die klassischen Sammeldisziplinen wie Briefmarken oder Modelleisenbahnen sind „out“, Automobilia hat seinen Höhepunkt überschritten. Die Zukunft gehört wohl alten Computern und nostalgischer Software. Opa sitzt in Zukunft nicht mehr im Sessel über seinem Briefmarkenalbum, er bastelt auch nicht mehr im Keller an seiner Modelleisenbahn. Der moderne Opa sitzt gemeinsam mit der Oma im Arbeitszimmer, gemeinsam bringen sie alte Computer zum laufen. 

So entwickeln sich auch die Sammlerpreise: Briefmarkensammlungen, die noch vor Jahren einen echten Vermögenswert dargestellt hätten, vergilben auf den Dachböden und sind nahezu wertlos geworden. Die Liebhaberpreise für Eisenbahn- und Automodelle geben mehrheitlich nach, die Preise für alte Computer dagegen beginnen zu steigen. 

Und die Mädchen kann man auch nicht mehr zu sich nach Hause locken mit „Komm mal, ich zeig Dir mein Briefmarkenalbum“. Das wird in Zukunft so gehen: „Komm mal, ich habe da so einen wunderschönen alten Commodore mit einem ganz tollen alten Spiel!“

Ich kann also den Besuch des VCFe im nächsten Jahr nur empfehlen!

Dieses Jahr war ich eingeladen, einen Vortrag über IT-Projekte und IT-Probleme aus der IT-Steinzeit zu halten. Hans Franke hatte meinen Vortrag im Programm des VCFe wie folgt angekündigt:

Als Flops noch ohne Mega auskamen!

Ein vom Hersteller nicht vorgesehener, kreativer Umgang mit neuen IT-Anwendungen ist keine Erfindung der Internetgeneration - genauso wenig wie spektakuläre Fehlschläge und Sicherheitslücken.

Dieser Vortrag erzählt wie Fahrkartenverkäufer der DB beim Umstieg von mechanischen Fahrkartenmaschinen zur Mainframe-Abwicklung neue Wege fanden, oder wie ein Hauptspeicherausbau ganze Polizeiflotten verschwinden lassen konnte. Auch wenn manches aus 30 Jahren Entfernung weniger dramatisch wirkt, es war beileibe nicht immer bayerisch gemütlich.

So habe ich in meiner gut 35-jährigen Erfahrung gekramt und vieles gefunden. Stundenlang könnte ich aus der Zeit der Lochstreifen- und karten erzählen. Mit dem mobilen Lochkartenstanzer und dem Microfiche-Lese-Gerät waren wir auch am Sonntag unterwegs und reparierten die Fehler an zentralen IT-Systemen. Der Vortrag hat mir und nach meinem Eindruck auch den Zuhörern viel Spaß gemacht und deshalb veröffentliche ich ihn hier als „Fortsetzungsroman“ in mehreren Teilen.

Am Anfang des Vortrages habe ich die Siemens IT-Technologie gewürdigt, die in den ersten 50 Jahren des Computerzeitalters eine auch weltweit herausragende Stellung hatte.

(Nicht nur) in Deutschland war neben IBM Siemens der herausragende IT-Hersteller. Es gab bei Siemens mehrere in Deutschland entwickelte Prozessor- und Rechner-Linien, verschiedene Betriebssysteme wie BS1000, BS2000, PDN, Amboss und weitere für Prozeßrechner und Spezialsysteme.  MS-Dos und Unix waren noch weit weg. Compiler und Interpreter für alle möglichen Sprachen angefangen bei ADA über Cobol, Fortran bis hin zu Lisp und Prolog waren selbstverständlich vorhanden. An diversen Datenbanken, Office- und Dokumentations-Systemen, Warenwirtschaftssystemen und  beliebig weitereer System- und Anwendungs-Software wurde in Hülle und Fülle geschrieben.

Es gab alle Arten von Peripherietechnologie, unterschiedliche Speichersysteme, hochmoderne Laser- und Stahlband-Drucker, Netzwerktechnologien und Kommunikatonsprotokolle, Terminals oder Spezialendgeräte. Alles wurde in Deutschland entwickelt und hergestellt. Auch fast alle Bauteile wie Prozessoren, Speicher oder modernste Technologien wie Glasfaser wurden hierzulande entwickelt, das bei Siemens vorhandene Know-how war einzigartig. Und das ergänzte sich exzellent mit der Kommunikationstechnologie, ob Endgeräte wie später Mobile Telefone oder zentrale Vermittlungssysteme.

Kooperationen mit führenden Technologieherstellern wie Xerox brachten zusätzlich modernste Technik in die Siemens Labors. Innovationen wie Teletext oder Bildschirmtext zeigten in die Zukunft, große Plotter und Industrieroboter beeindruckten uns. Es war ein Programm ohne Grenzen mit einem Know-how-Pool, der seinesgleichen gesucht hat – und der nicht mehr vorhanden ist.

Meine erste kleine Geschichte fängt Ende der 70iger an: In großen Projekten war noch BS 1000 angesagt (BS 2000 war gerade erst im Kommen), als Transaktionsmonitor wurde das damals bewährte und verbreitete System ASMUS (Abkürzung für „Axel Springer Mehrfach-User-System“) eingesetzt. Entwickelt wurde mit assembler-basierten Makrosprachen (Columbus-Assembler), Cobol war die innovative aber oft zu aufwendige Variante. Wir haben damals DISPOL aufgebaut, da ging es unter anderem darum, den Fernschreibverkehr über ein Paketvermittlungsnetz abzuwickeln (mit echten Fernschreibern an Rechnern oder Fernschreiberemulationen auf Datensichtgeräten) und die Anwender mit einem neuen Fachverfahren zu verbinden. 

Und eines Tages die Hiobsbotschaft im Projekt: der Mainframe braucht mehr Speicher! Da ging es aber nicht um Megabytes sondern “nur” um eine dreistellige Zahl von Kilobytes im unteren Bereich. Ich glaube, es waren sogar nur 100 kilobyte. Das Problem war nur, dass der unvorhergesehene zusätzliche Speicherbedarf wertemäßig im sechsstelligen DM-Bereich lag. Ein Polizeibeamter hat dann lakonisch bei Weißwurst und Bier gemeint: Die 100 Kilobyte kosten uns ja mehr als 30 Polizeiautos. So hat der Mainframe eine ganze Polizeiflotte aufgefressen.

Im Vortrag habe ich dann ein paar weitere Geschichten aus der Zeit vor mehr als 35 Jahren erzählt, die ich in den nächsten Wochen als kleine Beiträge veröffentlichen werde.

RMD