Der Vortrag von Jörg Schindler (hier die Ankündigung) im IF-Forum am 13. November 2008 war für alle Zuhörer hoch spannend. Herr Schindler fasste ganz knapp und präzise die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Rohstoffen Öl, Gas, Kohle und Uran zusammen und präsentierte klare Schlussfolgerungen. Beeindruckend, wie er durch Fakten erhärtete, dass sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten einiges im Energie-Sektor ändern wird. Herr Schindler verwahrte sich in seinem sachlichen Vortrag gegen Spekulationen aller Art, wie denn der Wandel vor sich gehen würde und welche direkten Auswirkungen sich auf die Wirtschaft und die globale Situation ergeben würden. Allen Zuhörern wurde im Laufe des Vortrages aber klar, dass wir definitiv vor einer entscheidenden Wende stehen, dass aber konkrete Prognosen nicht möglich sind. Und Herr Schindler verstand es, trotz der vorhandener Bedrohungsszenarien uns allen Mut für die Zukunft zu machen.

Im Anschluss eine lebendige Diskussion mit zahlreichen Fragen und Sachbeiträgen statt. Alle Zuhörer gingen ein wenig “schlauer” und sehr zufrieden nach Hause. Herr Schindler hat IF-Forum für 2008 nach den beiden Vorträgen von Dr. Simon Grand (St. Gallen) und Dr. Klaus-Jürgen Grün (Frankfurt) zu einem großartigen Abschluss verholfen. Ziel von InterFace ist es, in 2009 wieder 3 qualifizierte Sprecher zu besonderen Themen zu IF-Forum einzuladen, die konkrete Planung hat schon begonnen.

Die Folien des Vortrages sind in unserem Bereich “Dokumente” abgelegt. Wer sie nochn mal ansehen möchte oder den Vortrag versäumt hat, kann sich die Folien dort oder hier zum Lesen und Ausdrucken herunterladen.

Ein herzliches Dankeschön an unseren Referenten, für den spannenden Vortrag und für die Erlaubnis, die Folien seines Vortrages in IF-Blog einzustellen dürfen! Und ein genauso herzliches Dankeschön an Rollo Zollner, der wieder wunderbare Bilder gemacht hat! Zwei davon sind hier zu sehen.

RMD

Beim Vortrag von Peter Scholl-Latour zu Afghanistan war der Andrang unerwartet groß. Das Audimax der Hochschule der Bundeswehr in Neubiberg mit mehr als 400 regulären Plätzen war überfüllt. Der Vortrag wurde akustisch in den Vorraum übertragen. Dort standen zahlreiche Besucher und lauschten der Rede, die aus den Lautsprechern kam. Weit mehr als 100 Besucher konnten nicht teilnehmen und gingen wieder heim. Ich stand auch vor verschlossenen Hörsaaltüren, gemeinsam mit Freunden haben wir dann beschlossen, den Vortrag zu schwänzen und einen vergnüglichen Abend im Offizierskasino bei Bier und Currywurst mit Pommes zu verbringen. So kann ich hier nicht berichten, was Scholl-Latour gesagt hat. Sorry!

Der auch vom Veranstalter in dieser Form nicht erwartete Besucherandrang zeigt, wie aktuell das Thema Afghanistan ist. Und vielleicht wird es jetzt mit einem neuen Präsidenten der USA für uns Europäer und Deutsche bald noch aktueller werden.

Aber man muss Afghanistan auch aus einem anderen, vielleicht noch unheilvollerem Blickwinkel betrachten. Las ich doch vorgestern (7. 11. 2008) in der Süddeutschen auf Seite 11 einen unscheinbaren Artikel mit der Überschrift “Heroinkonsum in der EU nimmt dramatisch zu“. Und da stand drin, dass “die weltweite Produktion von Heroin in 2007 drastisch zugenommen hätte”. Laut EMCDDA sei “allein im Jahre 2007 ein Anstieg um 34 % zu verzeichnen gewesen”. Und für mich kaum vorstellbar: “von den insgesamt im vergangenen Jahr hergestellten 8870 Tonnen stammten 8200 Tonnen aus Afghanistan”! Ich hätte da immer auf Südamerika getippt.

Ich zitiere noch ein paar Sätze: “Die Rekrutierung neuer Süchtiger schreitet in einem Tempo voran, das einen baldigen Rückgang der Problems unwahrscheinlich macht”, “Auch bei den Todesfällen durch Drogen liege Heroin an erster Stelle”, “Jedes Jahr sterben in Europa am Drogenkonsum zwischen 7000 und 8000 Menschen” und “Das Spritzen dieser Drogen ist ein Hauptübertragungsweg des HIV-Virus und Hepatitis C”.

Was kann man dazu noch viel sagen? Sicher ist eine der Ursachen für dieses Grauen eine verfehlte Drogenpolitik in den Konsumländern. Wahrscheinlich würde eine staatlich kontrollierte Heroinabgabe an Süchtige einen Beitrag zur Entkriminalisierung des Heroingeschäfts leisten und die Situation verbessern. Und der Glanz des Heroins (und das Geschäft der Heroin-Barone) würde verfliegen, wenn man sich die Droge ganz legal auf der nächsten Polizeistation kontrolliert spritzen dürfte, sich dabei allerdings als Süchtiger “outen” müsste. Aber anscheinend ist es aus mir nicht einsichtigen Gründen unmöglich, durch eine intelligente Politik der organisierten Kriminalität die Wahnsinnsprofite zu nehmen und Drogen gesellschaftlich zu ächten.

Angesichts obiger Zeilen und Zahlen könnte man auf die Idee kommen, die Welt an Stelle des “Krieges gegen den Terror” zum “Kampf gegen die Drogen” aufzurufen. Wenn ich so rechne, ergibt sich, dass die Drogen unsere Gesellschaft und Kultur weit mehr gefährden als der “Weltweite Terrorismus”. Und dann wäre es doch fast logisch, den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan “zum Kampf gegen die Drogen” zu fordern!

Aber die Bundeswehr ist ja schon in Afghanistan und verteidigt sich dort tapfer selbst. Das Thema “Heroinanbau in Afghanistan” jedoch ist kompliziert und folgerichtig hat es der Bundestag zum Tabu erklärt. Die Bundeswehr vor Ort muss - oder darf (?) - den Anbau ignorieren. Vielleicht schützt sie den Anbau ja sogar unfreiwillig durch ihre Präsenz!?

RMD

P.S.

Der scheidende Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat anlässlich der Vorbereitung der Übergabe der Regierungsgeschäfte an seinen Nachfolger gesagt, dass “dies der erste Präsidentenwechsel seit mehreren Jahrzehnten zu Kriegszeiten” wäre. Ist das makaber, zynisch, fremd jeder Realität oder einfach dumm? Ich meine, dass wir eigentlich doch ziemlich in Frieden leben. Unser Bundesverteidigungsminister (!) spricht ja auch nur von “einer einseitigen Bedrohungslage”. :-) Das ist schön formuliert und leuchtet mir als Radfahrer ein, ich muss ja nur an die Autofahrer denken, wenn ich auf einer Landstraße unterwegs bin. Dann wären Autofahrer ja auch …?

Krieg sieht anders aus - so wie ich das von Menschen erzählt bekommen habe, die den 2. Weltkrieg erlebt haben oder in Vietnam dabei waren. Und wie gering sind die von Terroristen angerichteten Schäden im Verhältnis zu dem Kollateralschaden, den unsere Zivilisation täglich verursacht und den wir alle billigend in Kauf nehmen, wie eben Drogen- oder Verkehrsopfer und vieles mehr. Dies soll aber keine Verniedlichung des Terrorismus sein. Terrorismus ist eine solche Form des Wahnsinns, dass es keinen, aber auch gar keinen Grund gibt, ihn nicht schärfstens zu verurteilen.

Da kann ich nur noch auf zwei Lieder hinweisen: “Imagine” und “Give peace a chance” (Vorsicht Musik!) von John Lennon. Und vielleicht auch noch zum Nachlesen die Wikipedia-Einträge: “Imagine” und “Give peace a chance“.

Seit einem halben Jahr darf ich bei Manage&More mitmachen, einer Aktivität von unternehmerTUM. Ich übe mich dort in der Rolle eines Mentors und habe einen Mentee. Bis vor kurzem wusste ich gar nicht, was ein Mentee ist, mittlerweile bin ich selber ein Mentee und zwar in Sachen Wikipedia. Das ist aber eine andere Geschichte.

Mein Mentee heißt Michael, er passt also auch vom Namen gut zur Überschrift. Michael ist ein sympathischer und authentischer Typ, früher hätte man gesagt, “einer mit dem man Pferde stehlen gehen kann”. Alle 4 - 6 Wochen treffen wir uns und sprechen über ein vorher vereinbartes Thema. Mal berichtet der eine und der andere spiegelt und fragt nach und mal machen wir das anders herum. So lernen wir voneinander einiges. Zum letzten Treffen hat Michael mir eine E-Mail gesendet: “Lass uns doch mal über Motivation sprechen!?” Das Thema hat mich angesprochen. Denke ich doch oft selbst genug darüber nach, wie meine Motivationslage so ist und warum ich für manche Themen gar nicht zu motivieren bin. Vorbereitet hab ich mich auf das Treffen zu erstmal mal, in dem ich - wie fast immer - den Begriff in Wikepedia gesucht habe. Da stand einiges zu Motivation drin. Ich habe es ausgedruckt, es waren 13 Seiten - und in der Tat war kaum etwas Falsches oder wirklich Unwichtiges dabei.

Michael wollte über Motivation mit mir sprechen, weil ihm in einem Feedback-Gespräch zurück gemeldet wurde, dass er ab und zu in Besprechungen seine Unlust zu gewissen Themen nicht verbergen könne und durch dieses “Fehlverhalten” die anderen Teilnehmer der Besprechung demotivieren würde. Und wie alle anständigen Menschen hat er zuerst die Schuld bei sich selbst gesucht. Aber Heucheln ist nun mal gar nicht so sein Ding.

Die spannende Frage war: Was soll man machen, wenn man in einer Besprechung an einem Thema mitwirken muss, das einem völlig unsinnig erscheint, man aber aus irgendwelchen Sachzwängen dabei sein muss. Ich glaube, das passiert uns allen hin und wieder - und wahrscheinlich in größeren Organisation noch häufiger als in kleinen.

Soll man dann heucheln, das Desinteresse verbergen und einfach aufs Tempo drücken, damit die grausame Besprechung schnell zu Ende geht und man sich dann ganz schnell wieder seinen wichtigen und geliebten Aufgaben widmen kann? Oder soll man den anderen Beteiligten ehrlich sagen, das man das Thema für nicht relevant hält, die eigene Beteiligung deswegen eh nicht zielführend wäre und dann die Besprechung mit einem freundlichen “Das könnt Ihr ohne mich ja eh viel besser, ruft mich an, wenn ihr das Thema durch habt!” verlassen?

Eine andere Idee: Man könnte sich auch das ungeliebte Thema zu eigen machen und sich die Frage stellen, welche Bedingungen denn erfüllt sein müssten, damit man es selber auch für sinnvoll erachten kann? Dann würde man sicher gute Argumente finden, die man trefflich einsetzen könnte oder die aber den eigenen Standpunkt verändern würden.

Wenn man aber wirklich der Meinung ist, dass das Thema absoluter Blödsinn ist, dann müsste man doch die Zivilcourage aufbringen, dies zu formulieren und einen innovativen Verbesserungsvorschlag zu machen - auch wenn man vor der Macht von entpersonalisierten und sich verselbstständigten Systemen resigniert hat und keine Chance sieht, etwas positiv zu wenden.

Wie man sieht, das Problem ist nicht einfach. Ich glaube, dass Heucheln und “Gute Miene zum bösen Spiel machen” die schlechteste Empfehlung ist.

mehr »

Es gibt schon wieder Neuigkeiten in IF-Blog. Wir haben jetzt eine neue Seite “Dokumente“. Auf dieser Seite werden wir regelmäßig interessante Artikel zum Herunterladen, Lesen und Ausdrucken anbieten. Als ersten Beitrag stellen wir die Mitschrift einer Rede bereit, die Rupert Lay an einem Ronneburger Sonntag im Jahr 2001 gehalten hat. Der Ronneburger Sonntag findet in der Regel zwei Mal im Jahr statt und ist eine Veranstaltung des Ronneburger Kreises, einem gemeinnützigen Verein, der sich für ethisches Verhalten im Alltag wie auch in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft einsetzt.

Hier kann die Mitschrift der Rede von Rupert Lay gelesen und zum Ausdrucken geladen werden. Der Artikel enthält ein Vorwort von Rudi Jansche, redaktionell überarbeitet wurde der Text von Irmgard Huesmann.

Wir bedanken uns beim Ronneburger Kreis, der uns die Veröffentlichung des Textes gestattet hat. Ich freue mich sehr, dass ich eine wichtige Stellungnahme meines Mentors und Freundes Rupert Lay in IF-Blog veröffentlichen kann.

Die Veröffentlichung weiterer Texte von verschiedenen Autoren werde ich regelmäßig im Post-Bereich des Blogs ankündigen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn unsere Download-Seite zahlreich genutzt wird.

RMD

Benötigen wir eine neue Moral in Wirtschaft und Politik?

Die Ereignisse der letzten Monate, die in den letzten Wochen Panik, Hysterie und Angst in der Finanzwirtschaft ausgelöst haben, animieren immer mehr Menschen zu der Aussage: „Manager sind gierig, korrupt und völlig abgehoben, ohne Anstand, Moral und Sittlichkeit. Brauchen wir also eine neue Moral in Wirtschaft und Politik? Die Antwort ist einfach: nein, wir benötigen keine neue Moral in Wirtschaft und Politik. Was wir benötigen, ist nur mehr Bereitschaft, sich an Moral und Ethik auch zu halten. Was wir allerdings auch benötigen, ist mehr Kompetenz in Sachen Ethik und Moral.

Denn es sieht nicht gut aus. Schon 2004 hielten laut einer Umfrage des Emnid Instituts für das World Economic Forum 70 Prozent der Deutschen Konzernchefs für unehrlich und stuften das Verhalten als unethisch ein. 80 Prozent der Deutschen halten Konzernchefs für zu mächtig.

Im Vergleich dazu halten nur 22 Prozent der Franzosen deren Wirtschaftsführer für unehrlich. Bei den Engländern sind es 42 Prozent, bei dem Amerikanern 37 Prozent, in Japan 47 Prozent. Wir schießen also den Vogel ab.

Nach einer Untersuchung von Ulich/Lunau/Weber von 1998 besteht zwar in Unternehmen eine stärkere Sensibilisierung für den Sinn und die Notwendigkeit ethisch gerechtfertigten Handelns, eine konsequente Umsetzung in einzelne, Ethik sichernde Maßnahmen steht aber auf breiter Front noch aus. Das betrifft mögliche Instrumente, wie Moralbilanzen, Ethik-Kommissionen oder Moralbeauftragte, Sanktionsrepertoires oder umfassende Ethik-Trainings.

Der sorglose Umgang mit Ethik wird sich wahrscheinlich erst dann nachhaltig ändern, wenn Unternehmen klar wird, dass für 70 % aller europäischen Kunden das soziale Engagement eines Unternehmens die Kaufentscheidung beeinflusst.

Nur fachliche Qualifikation reicht nicht.

Ein hilfreicher Schritt dazu beginnt bereits bei der Personalauswahl. Wer macht in einem Unternehmen Karriere? Manager werden überwiegend nach fachlicher Qualifikation ausgesucht. Ich fordere hier ein Umdenken. Neben der fachlichen Qualifikation ist unbedingt die soziale und ethische Qualifikation zu berücksichtigen. Soziale Qualifikation meint, ein Vertrauensklima herstellen zu können. Ethische Qualifikation bedeutet, kompetent in der Lage zu sein, ein Wertesystem zu implementieren, das nicht nur auf Hochglanzbroschüren gedruckt wird, sondern vorgelebt wird. Ethische Qualifikation bedeutet für mich auch, entscheidungskompetent zu sein. Wenn ich mir allerdings anschaue, wie viele meetings erforderlich sind, und wie viel Zeit investiert wird, um Entscheidungen zu fällen, die sich dann als falsch herausstellen, wird mir manchmal Angst und bange. Dabei ist es eigentlich nicht so schwer, zu sinnvollen Entscheidungen zu kommen. Die griechische und römische Dialketik hat dazu alle Methoden entwickelt, die man nur konsequent lernen und anwenden sollte.

Damit wäre mein Artikel eigentlich schon beendet, wenn es denn so einfach wäre. Aber wir sind alle Kinder dieser Gesellschaft. Auch Wirtschaftsführer und Politiker sind Kinder dieser Gesellschaft. Leider steht es damit nicht immer zum Besten.

Es ist erst wenige Wochen her, da haben CDU und SPD noch aufeinander eingedroschen.

mehr »

Wie meinen Zuhörern (und dem Veranstalter) zugesagt, hier eine Zusammenfassung meines Vortrages in Kurzform:

Ich habe den Vortrag in drei Themenbereiche gegliedert:

1) Entwicklung von Technologien vom Beginn der Menschheit bis heute!

Seit es Menschen gibt, haben sie Techniken und Technologien entwickelt. Um die Entwicklung von Technologie zu diskutieren, habe ich menschliche Entwicklungen dem Kriterium ihrer Zweckhaftigkeit folgend in zwei Bereiche eingeteilt: Technologien für den Körper und Technologien für den Verstand.

Technologien für den Körper umfassen so alle Entwicklungen, die der Ernährung (”Fressen und Saufen”), des Reduzierens von körperlicher Anstrengung (”Faulheit”), Schützen des Körpers vor Kälte oder Nässe, Bewahren der körperlichen Gesundheit, der Vermehrung bzw. Vermeidung von Vermehrung (Sexualität), der schnellen Fortbewegung (Mobilität), der Entwicklung von Herrschaft und ähnlichem dienen.

Hier sind beispielhaft zu nennen: Jagd, Ackerbau und Viehzucht, Waffen, Feuer, das Rad, Fahrzeuge, Medizin, Schiffe, Fahrrad, geschlossenes Feuer, Lichtquellen, Kraftmaschinen, Automobil, Eisenbahn, Beherrschung der Elektrizität, Flugzeug, Chemie, Pharmazie, Kernspaltung und vieles mehr. Ich habe diese Disziplinen die “Allgemeinen Technologien” genannt.

Technologien für den Verstand umfassen alle Entwicklungen, die dem Erzeugen, Bewahren, Verbreiten und Verarbeiten von Informationen und Ähnlichem dienen. Beispielhaft sind hier: die Entwicklung von Sprache, Bildern und Schrift, Buchdruck, Datenübertragung, Rechenstab, Kurzschrift, Morse-Alphabet, Kabelübertragung, Telefon, Telex, Funk, Rechenmaschine, Schreibmaschine, Schallplatte, Radio, Fernsehen, diverse Aufzeichnungsgeräte, Computer, E-Mail, Internet. Diese Disziplinen habe ich unter dem Begriff der “Informatik” zusammen gefasst. Besonders wichtig waren mir die Begriffe “Digitalisierung” und “Virtualisierung”.

Ordnet man die Entwicklung all dieser Technologien auf einer Zeitachse an, stellt man eine ungeheure Beschleunigung (E-Funktion??) der technologischen Entwicklung fest. Man erkennt auch, wie die “Informatik” die Entwicklung der “Allgemeinen Technologien” vorangetrieben hat. Ohne Buchdruck wären die Technologiesprünge der Neuzeit unmöglich gewesen, ohne mechanische Rechenmaschine hätte keine Atombombe entwickelt werden können und was ein “WEB2″ bringen wird, können wir nur erahnen.

Die gewählte Darstellung lässt einen zweiten wichtigen Aspekt vermuten: Die Entwicklung von relevanten Fortschritt verläuft immer von “unten nach oben”, eigentlich im Sinne eines “automatischen” Prozesses der demokratischen Meinungsbildung und Ziel-/Regelfindung. Dies gilt für die Entstehung von Sprache, Schrift und Mathematik wohl genauso wie für Wikipedia.

2) Zitat von Bertrand Russell

Teil 2 des Vortrages habe ich auf einem Zitat von Bertrand Russel aufgebaut:

Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit!

Russel war nicht nur ein bedeutender Mathematiker und Philosoph des letzten Jahrhunderts, sondern auch eines der großen Idole unserer Jugend. Wenn wir seinem Zitat folgen und davon ausgehen, dass der Zuwachs an Weisheit beim Menschen z.B. seit Goethe nicht wesentlich stattgefunden hat, dann könnte man zu dem Schluss kommen, das der Zuwachs an Technologie das Glück der Menschen nicht mehrt. So kommt die Ethik ins Spiel. Vielleicht hilft ethisches Verhalten das “lag” zwischen Technologie und Weisheit ein wenig zu verkleinern.

3) Überlegungen zur Ethik von Managern

Schwerpunktmäßig habe ich über die Ethik der Entscheidung gesprochen. Führungskräfte (sogenannte Manager) befinden sich in einem großen Dilemma: Sie sollen in ihren Entscheidungen Ziele sinnvoll vereinen, die sich massiv widersprechen. Gewünscht wären jetzt sittlich verantwortete und nach sorgfältiger Güterabwägung getroffene Entscheidungen. Leider ist dies aber schwer und erschwert schnelle Entscheidungen. Deswegen behelfen sich viele Manager und Systeme und erleichtern sich die Entscheidungsfindung, in dem sie einen Trick anwenden:

Das geht ganz einfach. Man muss nur die Anzahl der zu vereinenden Ziele reduzieren, am besten auf ein einziges. Dies vereinfacht das Manager-Leben ungemein, ist aber als höchst unethisch zu bewerten und führt fast immer zu unteroptimalen Entscheidungen mit langfristig massiv negativen Folgen. Zwei Beispiele seien hier genannt. Ganz aktuell erleben wir die Weltfinanzkrise: Das singuläre Prinzip des Shareholder Value hat Profit im Bereich der Hochfinanz unisono als einziges Ziel festgelegt. Und dies hat eine Krise von gigantischem Ausmaß bewirkt. Und alle von Analysten getriebenen Unternehmen sind gefolgt - und ändern ihr Verhalten auch heute nicht, obwohl man es jetzt wirklich gelernt haben sollte! Demnächst in diesem Blog gibt es dazu noch ein oder mehr Beispiele.

Doch auch die Titanic musste untergehen, weil der Kapitän den Auftrag hatte, auf der Jungfern-Fahrt das “Blaue Band” zu gewinnen - und dieses Ziel hat er äußerst gewissenhaft befolgt.

RMD

P.S.

Meinen Zuhörern ein herzliches Danke für die vielen Beiträge in der Diskussion nach dem Vortrag.

In der gegen die Bildungsphilister seiner Epoche gerichteten unzeitgemäßen Betrachtung Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben führt Friedrich Nietzsche den Begriff der „Effekte an sich“ ein. Für Nietzsche sind die “Effekte an sich” das Kriterium der monumentalischen Historie. Diese ist von eigentümlicher Attraktivität für solche Individuen, denen die Last des Daseins in der Gegenwart nur zu ertragen ist, wenn sie sich daran erinnern dürfen, dass es große Menschen mit großen Ideen und eben so großem Schaffensdrang gegeben habe. Er denkt an die Caesars, die Goethes, die Newtons. Weil es die Weltgeschichte einmal vermocht habe, solche welthistorische Individuen und ihre großen Taten hervorzubringen, sollte dies auch jederzeit wieder möglich sein.

Diese verbreitete Denkweise - so erkannte Nietzsche richtig - leidet unter einer sträflichen Vernachlässigung der Kategorie der Ursache. In dieser Vernachlässigung entsteht die Vorstellung von Effekten an sich. Sie entstehen, scheinbar aus dem Nichts. Jedenfalls ist der Mensch besessen von dem Glauben, dass er sie jederzeit selbst hervorbringen könnte. Er müsse nur ausreichend wollen.

Effekte an sich sind die von ihren Ursachen losgelösten Resultate. Sie scheinen sich souverän verschieben zu lassen. Als eine Ansammlung einzelner großer Taten und Ereignisse könne man sie festhalten, wie eine bare Münze einstreichen und nach Belieben wieder ausgeben. Es scheint, als seien sie unverursacht - nur hervorgebracht, von tatkräftigen Individuen, die sich spontan zu Großem entschlossen haben.

Nietzsche erkannte auch, dass die Vorstellung solcher Effekte an sich, solcher unverursachter Ursachen, für die Menschen einen unendlichen Nutzen haben. Dies verkennen viele Leugner des freien Willens der Menschen in Geschichte und Gegenwart. Sie übersehen, dass der Mensch die Einsicht in seine Bedeutungslosigkeit nicht ertragen kann. Sein Narzissmus sagt dem Menschen, dass er kann, wenn er nur will. Und was er will, sei nicht der Effekt am Ende einer Kausalkette, sondern die notwendige und hinreichende Bedingung für Effekte an sich. Indem der Mensch Effekte an sich hervorbringt, stärkt er seine Illusion einen freien Willen zu besitzen.

Freiheit bestimmte Immanuel Kant als die Fähigkeit, einen Vorgang von selbst anfangen zu können. Was demnach als Folge dieser Wirkung von Freiheit entsteht, sind Effekte an sich. Sie verdanken sich keiner Ursache, sondern der Wirkung einer qualitas occulta, einer Kraft, deren Herkunft und Stärke sich nicht aus vorhandenen Kräften ableiten und bestimmen lasse. Daher entziehe sie sich dem Licht der Ursachenforschung. Stets kommt also in dieser Illusion ein in Größe, Stärke und Richtung unbestimmbarer Aspekt der Freiheit zu einer menschlichen Handlung hinzu.

Einem Menschen, dem eine philosophische oder eine naturwissenschaftliche Theorie zumutet, seine Handlungen nicht mehr als Effekte an sich verstehen zu dürfen, fügt dem Individuum eine unzumutbare Kränkung zu. Denn das Individuum soll sich damit abfinden, dass es nicht gottähnlich sei. Wenn wir in unserer Gegenwart immer wieder hören, dass es unredlich sei, den freien Willen zu leugnen, dann hängt dies mit dem - meist unbewussten - Wunsch des Menschen zusammen, gottähnlich sein zu können.

Aristoteles hatte weise erkannt, dass ein treffender philosophischer Begriff für Gott der “Unbewegte Beweger”, oder die “unverursachte Ursache” sei. Allen Vorstellungen von Gott entspricht es noch heute, Effekte an sich hervorbringen zu können. Nichts weniger als das gesamt Universum ist aus der Sicht des frommen Christen oder Moslems ein solcher Effekt an sich. Denn aus freien Stücken, ohne Zwang oder an eine andere Naturnotwendigkeit gebunden gewesen zu sein, hatte Gott die Welt erschaffen. Zu seiner Macht und seiner Verfügungsgewalt über Freiheit gehörte es immer schon, die Schöpfung auch unterlassen haben zu können.

Die größte Kränkung des Narzissmus der Menschen war es stets, wenn er Angst haben musste, nicht gottähnlich sein zu dürfen. In der Vorstellung vom freien Willen erlebt der Mensch diese Gottähnlichkeit am stärksten. Denn er kann sich denken, dass eine Handlung nur dadurch zustande gekommen ist, dass sein freier Willensentschluss die Handlung in die Wirklichkeit gesetzt habe. Aber die Vorstellungen von Gott lassen sich in der Gegenwart weniger und weniger verteidigen. Nirgendwo mehr darf der Mensch in der aufgeklärten Welt noch an seine Gottesähnlichkeit glauben, wenn nicht in der Vorstellung vom freien Willen. Nur unter der Bedingung, dass eine Handlung sich nicht vollständig in der Kette von determinierenden Bedingungen einfügt, ist diese Vorstellung der Gottesähnlichkeit des Menschen noch zu retten.

Daher sollten wir verstehen, warum weder philosophische Theologen noch theologische Philosophen in unserer Gegenwart bereit sein können, die Vorstellung von einem freien menschlichen Willen zugunsten einer wissenschaftlich einwandfreien Beschreibung des Zustandekommens einer menschlichen Handlung aufzugeben. Erst wenn ein gleichwertiger Ersatz von Naturwissenschaftlern angeboten wird, ist ein Fortschritt der Erkenntnis zu erwarten. Auch Naturwissenschaftler dürfen den Menschen nur sagen, wie es wirklich um ihn bestellt ist, wenn sie ihm die Möglichkeit lassen, groß von sich zu denken.

Denn wie soll der Mensch den Mut und die Kraft aufbringen, Großes zu leisten, wenn er sich dabei nicht mehr selbst groß fühlen darf? Groß für den Menschen aber sind seine Effekte an sich: unter gleichen Bedingungen wären sie niemals entstanden, wenn nicht das einzigartige, unverursachte und unerzwungene „Ich will es“ sie in die Welt gesetzt hätte.

kjg

Spätestens seit der Spruch: „Jeder denkt nur an sich, damit ist ja an alle gedacht“ seine erfolgreiche Runde macht, ist es in unserer Kultur mit der Redlichkeit vorbei. Erziehung findet oft nicht mehr in Familien, eher vor dem Fernseher statt. Die Delegation an die Kindergärten oder an die Lehrer in Schulen funktioniert nicht, da hier Erziehung eher verweigert wird. So bleiben die Unternehmen als Kaderschmieden übrig. Und was lernen  wir da? Sei opportunistisch, wenn du Karriere machen willst, schau auf den berühmten shareholder value. Kapitalmehrung scheint das einzig Wichtige zu sein. Die Globalisierung fordert von uns, nur noch zu schauen, wo die besten Produktionsbedingungen herrschen, wo die besten rahmenpolitischen Voraussetzungen sind, und wo wir über die Umwelt besonders billig verfügen können. Die Geburtenrate ist in diesem Jahr zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik geringer als 1946. Kinder sind zum zu teuren Kostenfaktor geworden.

Was ist los? Wir reden von gesellschaftlicher, unternehmerischer Verantwortung und es ist keiner da, der bereit ist, sie persönlich wahrzunehmen. Wir wundern uns, dass es möglich ist, mit einem Vollzeitjob weniger zu verdienen, als jemand, der nicht arbeitet.

Eine neue Unredlichkeit macht sich breit. Früher wussten Menschen noch, dass sie sich unredlich waren, wenn sie sich unredlich benahmen, sie hatten zumindest ein schlechtes Gewissen. Heute erleben wir eine neue Form der Unredlichkeit, in der Menschen sich völlig daneben benehmen mit dem Gefühl, redlich zu sein.

Das Wesen der neuen Unredlichkeit ist es also, unredlich zu sein, ohne es zu bemerken. Dagegen sollten wir, müssen wir etwas tun. Wir müssen wieder Bewusstsein entwickeln für das, was unredlich ist und wir benötigen ein Bewusstsein dafür, was zukünftig redlich ist.

mehr »

Und noch eine Geschichte aus der Zeit kurz nach der Gründung der InterFace Connection gegen Ende 1984:

Im “Office” sind wir mit einer kleinen Nebenstellenanlage, einem Kopierer, einem Faxgerät und einer Schreibmaschine der Marke “Brother” und vielen ordentlich beschrifteten Leitzordern (Postausgang, gestellte, Rechnungen, Anlagevermögen, Stundenzettel ,,,) gestartet. Die ersten Briefe schrieb die Heidi, unsere Innendienst-Chefin, “händisch” auf “ihrer” Schreibmaschine. Die Brother hatten wir vorausschauend mit einer seriellen Schnittstelle ausgestattet. Bald wurde sie an unser Sinix-System MX angeschlossen. Geschäftspost und Rechnungen wurden mit “vi” geschrieben, mit “n-roff” formatiert und auf der Brother ausgedruckt. Das war damals hoch innovativ. Auch die Heidi nutzte vi ohne Murren, der Wolf hatte ihr das Büroleben mit ein paar “Büro-Makros” in n-roff versüßt. Es war eine sehr effiziente Methode, Rechnungen und Geschäftsbriefe zu erstellen.

Aber etwas fehlte uns noch: Alle Unternehmen, die Rang und Namen hatten, verfügten über einen Telex-Anschluss. In Wikipedia steht ziemlich viel Wissenswertes zu Telex, aber auch nicht alles. Zum Beispiel, dass Telex auf einem verbindungsbasierten Protokoll aufsetzt. Man wählte eine andere Telex-Nummer, beim Verbindungsaufbau konnte ein Kennungsgeber ausgetauscht werden, dann erfolgte die Datenübertragung und anschließend wurde die Verbindung wieder abgebaut. Der Austausch des Kennungsgeber schloss Irrläufer aus - wie sie beim Telefax durch falsche Anwahl gelegentlich passieren.

mehr »

Soziale Gerechtigkeit – ein Treppenwitz!! 

Einer meiner Freunde fährt einen Aston Martin. Rund 89.000,00 Euro hat er gekostet. „Und“, fragte ich ihn, „macht es dir Spaß, den Wagen zu fahren?“ „Ja schon, nur bei meinen Kunden kann ich mich damit nicht sehen lassen. Dann meinen sie, ich fahre den Wagen von deren Geld.“ 

Eigentlich hat mein Freund ja recht. Es ist das Geld seiner Kunden. Nur hat er es nicht für seinen Wagen bekommen, sondern für seine außergewöhnlichen und nutzenstiftenden Anregungen und Ratschläge. 

Als Marius Müller-Westernhagen einmal wegen seines Geldes angefeindet wurde, da meinte er: „Ich habe mein Geld doch nicht gestohlen!“ 

Wenn ich manchmal über die Höhe meiner Steuerabgaben im Bekanntenkreis stöhne, höre ich nur: „Ich wollte, ich müsste soviel Steuern zahlen wie du.“ Bis heute hat mich noch nie jemand zu meinen Steuerleistungen beglückwünscht. Keiner hat jemals gesagt: „Mensch Ulf, finde ich klasse, dass du dem Staat soviel Geld gibst.“ Manchmal habe ich das Gefühl, Besitz muss versteckt werden. Warum aber ist das nur so?  mehr »