Der Vortrag von Jörg Schindler (hier die Ankündigung) im IF-Forum am 13. November 2008 war für alle Zuhörer hoch spannend. Herr Schindler fasste ganz knapp und präzise die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Rohstoffen Öl, Gas, Kohle und Uran zusammen und präsentierte klare Schlussfolgerungen. Beeindruckend, wie er durch Fakten erhärtete, dass sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten einiges im Energie-Sektor ändern wird. Herr Schindler verwahrte sich in seinem sachlichen Vortrag gegen Spekulationen aller Art, wie denn der Wandel vor sich gehen würde und welche direkten Auswirkungen sich auf die Wirtschaft und die globale Situation ergeben würden. Allen Zuhörern wurde im Laufe des Vortrages aber klar, dass wir definitiv vor einer entscheidenden Wende stehen, dass aber konkrete Prognosen nicht möglich sind. Und Herr Schindler verstand es, trotz der vorhandener Bedrohungsszenarien uns allen Mut für die Zukunft zu machen.
Im Anschluss eine lebendige Diskussion mit zahlreichen Fragen und Sachbeiträgen statt. Alle Zuhörer gingen ein wenig “schlauer” und sehr zufrieden nach Hause. Herr Schindler hat IF-Forum für 2008 nach den beiden Vorträgen von Dr. Simon Grand (St. Gallen) und Dr. Klaus-Jürgen Grün (Frankfurt) zu einem großartigen Abschluss verholfen. Ziel von InterFace ist es, in 2009 wieder 3 qualifizierte Sprecher zu besonderen Themen zu IF-Forum einzuladen, die konkrete Planung hat schon begonnen.
Die Folien des Vortrages sind in unserem Bereich “Dokumente” abgelegt. Wer sie nochn mal ansehen möchte oder den Vortrag versäumt hat, kann sich die Folien dort oder hier zum Lesen und Ausdrucken herunterladen.
Ein herzliches Dankeschön an unseren Referenten, für den spannenden Vortrag und für die Erlaubnis, die Folien seines Vortrages in IF-Blog einzustellen dürfen! Und ein genauso herzliches Dankeschön an Rollo Zollner, der wieder wunderbare Bilder gemacht hat! Zwei davon sind hier zu sehen.
RMD
Vor gut einem Jahr wurde mir ein junger Doktor der Mathematik aus guter Quelle sehr empfohlen, der von der Universität in die freie Wirtschaft wechseln wollte. Natürlich habe ich ihn sofort zu einem Gespräch eingeladen. So habe ich die Bekanntschaft eines jungen Mannes gemacht, der so ziemliche alle Talente hatte, die man sich vorstellen kann: Sympathisch, selbstbewusst, vertrauenswürdig, verbindlich, hoch intelligent, kompetent, zielorientiert und sichtlich mit guter Allgemeinbildung. Er konnte genau zu hören und war präzise in seinen Aussagen. Er verstand klug fachliche und vertriebliche Themen abzuwägen, sprach perfekt Englisch und sah auch noch gut aus. Wenn er einen Nachteil hatte, dann den dass er mit 29 Jahren nicht mehr so ganz jung und an Erfahrungen noch ziemlich “grün” war. Studium, Doktorarbeit und dann noch ein Jahr an der Uni, das kostet halt auch Zeit.
Allerdings hatte er außer LaTex und ein wenig Office keine IT-Erfahrung (sein Nebenfach war Physik, da schien er sehr beschlagen zu sein). Da ihm unser Unternehmen empfohlen wurde, wollte er die InterFace auch gerne kennen lernen und unser Unternehmen hat ihm gut gefallen. Trotzdem stellte sich schnell heraus, dass seine Zukunftspläne und unser Bedarf nicht zusammen passten. Trotz seiner vielen Qualitäten hätte es einige Zeit gebraucht, um aus ihm einen qualifizierten IT-Berater zu machen. Er wiederum wollte ein “richtiger” Unternehmensberater werden und nicht in die IT gehen. Da wir uns gut verstanden, blieben wir eine Zeit lang in Kontakt.
So habe ich erfahren, dass er (wohl aufgrund seines Alters) bei den Unternehmensberatungen wie McKinsey oder BCG nicht zum Zuge kam. Dafür gelang es ihm, bei einem kleinen Finanzdienstleister mit einem ganz “innovativen” Produkt unterzukommen. Und sein Gehalt dort war ungefähr 2,5 mal so hoch wie das, was ein Berufsanfänger bei einem Informatik-Unternehmen verdienen kann. Ich habe mich dann erkundigt, wie die Gehaltsstrukturen für universitäre Berufsanfänger aussehen und ich musste lernen, dass junge “Highperformer” tatsächlich bei den Unternehmen, die jetzt unter den Milliarden-Schutz-Schirm der Bundesregierung flüchten, Startgehälter erreichen, die 2 - 3 Mal so hoch sind, wie das eines guten Informatikers oder Ingenieurs. Bei den berühmten Beraterfirmen ist nach meinen Kenntnissen “nur” das 1,5 bis 2 Fache drin.
Allerdings musste er bei seinem neuen Arbeitgeber dann an sechs Tagen eher 14 als 12 Stunden arbeiten. Und als Dankeschön sind sie dann auch gelegentlich am Samstag auf Kosten des Unternehmens kurz mal nach London geflogen und haben dort beim prominenten Abendessen einen besonders guten Abschluss gefeiert.
Unser Autor Jens-Uwe Schmidt wurde im DEVELOPMENT NEWSLETTER – OCTOBER 2008 von HDS zum “instructor of the month” gewählt und ausführlich mit Interview vorgestellt:
Donna Garber, Academy Development Manager von HITACHI DATA SYSTEMS hat uns die Veröffentlichung gestattet. Sie schreibt:
“Jens-Uwe Schmidt is our featured instructor and also the winner of last month’s Challenge. Congratulations Jens-Uwe! We loved reading about your hobbies and we’d like to take you up on your offer to be more involved in course development”.
Die Ankündigung und das Interview ist hier nach zu lesen! Jens-Uwe ist auf den Seiten 2, 3 und 4 vertreten.
Zu Jens-Uwe: Obwohl er noch nicht so ganz lange bei InterFace ist, ist er irgendwie nicht mehr wegzudenken. Er ist nicht nur ein exzellenter IT-Fachmann und Storage-Kenner, sondern auch ein kritischer Mensch und guter Kumpel. Eigentlich hat er nur einen Fehler: Er schreibt zu selten für IF-Blog!
RMD
Stolz präsentieren wir etwas ganz besonderes: Jetzt ist es da, das nach unseren Recherchen erste und einzige “Scrum-Plakat” weltweit. Exklusiv wird es in IF-Blog zum kostenfreien Runterladen angeboten. Es war ein hartes Stück Arbeit für unser Team, aber jetzt ist die erste Version unseres Scrum-Plakates freigegeben.
Der Weg dahin:
Unser “Technology Scout” Alexander Maisch (genannt Axel) hat mir vor knapp einem Jahr berichtet, das er auf seiner Suche nach einem Scrum-Plakat nicht fündig wurde. Der Schluss war einfach: dann machen wir doch selber eines. Dann haben sich die Jungs und Mädels von InterFace, von der TUM und TEG so richtig ins Zeug gelegt. Wie für alles, was Hand und Fuss hat, haben wir neun Monate gebraucht. Und jetzt haben wir es gemeinsam geschafft, die erste Freigabe-Stufe ist erreicht.
Hier ist es, unser ultimatives Scrum-Plakat - zum freien Download. Auf Deutsch und Englisch
Und natürlich wird es kontinuierlich weiter entwickelt und jeder ist herzlich eingeladen, bei der Weiterentwicklung mitzuwirken. Und natürlich werden wir die weiterenwickelten Versionen dann auch wieder zum Runterladen freigeben!
RMD
IF-Blog - it’s party time! (11.12)
24.10.08
Partyzeit: Am Donnerstag, den 11. Dezember um 18:00 treffen sich Autoren, Förderer und Sympathisanten von IF-Blog zu einer gemütlichen “Happy Hour” bei InterFace in Unterhaching. Am Rande der Party wollen wir die bis dahin konsolidierte neue Struktur von IF-Blog besprechen. Besonders freue ich mich, dass einer unserer wichtigen Autoren von ausserhalb der Region München dabei sein kann: Klaus-Jürgen Grün wird aller Voraussicht zu diesem Termin in München weilen und den Abend mit uns verbringen. Für Getränke und einen einfachen Imbiss wird auch gesorgt werden.
Merkt Euch doch bitte den Termin schon mal vor. Natürlich werde ich auch noch eine Erinnerung versenden. Symphatisanten bitte ich, sich bei mir anzumelden: roland.duerre@interface-ag.de.
RMD
Bei uns im Unternehmen sind viele junge Kollegen von “Scrum” als Methode der SW-Entwicklung begeistert. Deswegen haben wir ein internes Team gegründet und ein zentrales Projekt “Scrum” aufgesetzt. Wir nutzen “Scrum” in zahlreichen Projekten, IF-Blog hat eine eigene Kategorie Scrum und wir kooperieren intensiv in Sachen Scrum mit Universitäten.
Nicht zuletzt haben wir auch ein wunderschönes Scrum-Plakat geschaffen (wir hoffen, es ist das erste und einzige weltweit), welches natürlich “scrum-mäßig” weiter entwickelt wird. Dieses Plakat gibt es auf Deutsch und Englisch, wir werden es bald in IF-Blog zum “down-load” anbieten, zu Weihnachten gibt es dann ein großes Papierexemplar für unsere Kunden.
Unseren Scrum-Kollegen sage ich immer: “Toll, was Ihr da macht!” und füge hinzu: “Genauso haben wir vor 25 Jahren unseren HIT entwickelt!” Dann sehe ich grosse Augen und ernte ungläubiges Staunen. Aber in der Tat, da gibt es doch viele Parallelen.
HIT war unser erstes Erfolgsprodukt. Er wurde mit einem einzigartigen Team in unglaublichem Tempo entwickelt. Über das Team und seine Menschen werde ich hier noch öfters schreiben.
Ich habe das Pflichtenheft zur “Schreibmaschine” HIT geschrieben. Dank an Lars (Schmiedeberg), dass er es so viele Jahre persönlich aufbewahrt hat. In vielen Punkten ist Hit genauso geworden, wie ich es damals beschrieben habe, in einigen ganz anders. Und manche geplante “Features” sind auch in der aktuellen Version nicht vorhanden und werden wohl auch nie realisiert werden, obwohl sie ganz nett waren.
So bin ich gleich am Anfang zum “product owner” für HIT geworden und bis heute geblieben. Übrigens: der “product owner” unseres CLOUs war und blieb viele Jahre der Friedrich (Lehn). Natürlich ist eine zeilen- und spaltenorientierte Schreibmaschine auf UNIX im Markt nicht mehr relevant. Aber CLOU/HIT war ein wertvolles System mit mehreren Millionen Anwendern in Europa. Als Marktführer im Bereich Produktionstext lief er auf allen Unix-Systemen und später auch auf Windows. Und noch heute verrichtet der CLOU bei Behörden und Industrie wie ein alter Arbeitsgaul brav und nutzbringend seinen Dienst.
Tagsüber waren der Wolf (Geldmacher) und ich Berater, am Abend waren wir in der Firma. Wolf war unser Architekt, der technische Chef, der Helfer in allen Lebenslagen, der jedem mit Rat und Tat beistand. So wie unser Team technisch immer besser und mündiger wurde, übernahm Wolf immer mehr eine Rolle, die man heute als “Scrum Master” bezeichnen würde. Wir hatten also einen Feierabend-Product-Owner und einen Feierabend-Scrum-Master. Das hat aber ausgereicht, man konnte am Abend die wichtigen Dinge sehr effizient besprechen und schnell entscheiden. Die Besprechungen waren so ganz natürlich kürzer und effizienter.
Es gab bei uns goldene Regeln: Eine war, dass am Ende eines jeden Arbeitstages (!) die aktuelle Version mit Ausnahme von bekannten und nicht das Funktionieren prinzipiell störende Fehler laufen musste! Später bei XP (=Extreme Programming), einem Vorläufer (?) von Scrum, hieß das dann “Continuous Integration”. Das war eine heiße Anforderung und hat zu zahlreichen Schichten bis spät nach Mitternacht geführt (oder ins Morgengrauen - es war aber kein “Grauen”). Wir waren jung, der Idealismus groß, den Kollegen wurde jede Stunde bezahlt und vom Betriebsverfassungsgesetz und verwandten Gesetzen wussten wir auch nichts.
Wir hatten ein klares Rollenspiel. Wolf als “Scrum Master” vertrat die Interessen des Teams, er hielt konsequent allen Unbill vom Team fern und ließ niemanden von außen reinreden. Ich habe es ein paar Mal versucht und bekam immer eins auf die Nase. Auch das konnte (und kann) der Wolf ganz besonders: Nein zu sagen, ohne klein zu machen oder zu verletzen.
Bestimmen und Entscheiden durfte ich nur, wenn es um die Oberfläche bzw. um die Funktionalität des Systems ging. Ich hatte die Vision, die ich rückwirkend gesehen ziemlich rigoros durchzog und war Herr der Ressourcen. Und da gab es Konflikte. Gut kann ich mich noch erinnern, wie ich die Krise bekam, weil der Wolf schon 1985 (glaube ich) einen MX 500 mit 8 Prozessoren forderte (der Listenpreis lag deutlich über 300.000,- DM - das waren ungefähr 10 Mannjahre brutto zu Selbstkosten), den er ganz dringend für das HIT/CLOU-Team brauchte, und wie er dann die Krise bekam, als ich dieses System partout nicht kaufen wollte. Wir haben uns schnell geeinigt, haben das System gekauft (mit Forschungsrabatt hat es dann “nur” noch 200.000,- DM gekostet). Es war eine riskante aber richtige und vor allem schnelle Entscheidung.
Solche Entscheidungen wurden bei uns übrigens immer übers Wochenende getroffen, auch das ist ein sehr gutes Verfahren. Man bespricht das Problem Freitag Abend und entscheidet am Montag Früh, am besten kurz am Telefon.
Wir mussten damals wahnsinnig schnell sein. Unser Vertriebsstil war nämlich auch “scrum-mäßig”. HIT war am Beginn seiner Entwicklung nur ein rudimentäres System. Aber wir hatten bei vielen Kunden hohes Interesse geweckt. Und oft war die Ansage unserer potentiellen Kunden: Wir nehmen euer System, wenn Ihr uns noch diese oder jene Funktion einbaut, z.B. eine Suchfunktion, einen Trenner, eine Schnittstelle zu diesem oder jenen Drucker … Oder wenn Ihr eine Programmierschnittstelle anbietet oder Portierung auf ein weiteres Betriebssystem durchführt. Und das musste immer ganz flott gehen. Am Ende einer Woche wurde die Funktion dem Kunden versprochen, am Ende der nächsten Woche wurde sie ihm zumindest in der Grundfunktion vorgeführt und zum Ausprobieren (oft zum Echteinsatz) geliefert. So könnte man sagen, dass wir Sprints im Wochenrhytmus hatten, das bei einem doch sehr mächtigen System. Es war ein heißer Tanz - der über Jahre hinweg ging.
Wir waren immer so ziemlich die ersten, auch beim standardmäßigen Einsatz von Werkzeugen wie sccs oder lint. Auch das ist “scrum”! Ohne sauberes Arbeiten und Disziplin geht es nicht. Für Kaizen-Insider: Die 5 S sind auch bei Scrum die Grundlage des Erfolges.
Aber Dank der genialen und belastbaren Architektur, die sich Wolf und seine Mitstreiter (und ein wenig auch ich) ausgedacht hatten (und dank UNIX und seiner für damalige Zeiten revolutionärer Entwicklungswerkzeuge) und natürlich vor allem Dank eines Teams von jungen Mitarbeitern, die für ihr Produkt durchs Feuer gingen, haben wir es immer geschafft.
Das war schon Scrum !!!!
Heute könnte ich meinen jungen Kollegen sagen: “Scrum ist doch auch nur alter Wein in neuen Schläuchen!” Mache ich aber anders: Ich sage: “Scrum ist deshalb so gut, weil es eben ein wirklich guter alter Wein ist!”
Wahrscheinlich liegt hierin wohl ein Grund für den zunehmenden Erfolg von Scrum - vieles, was sich in der täglichen Praxis der Softwareentwicklung als hilfreich erwiesen hat, wurde durch Scrum aufgenommen und als offizielles Vorgehen akzeptabel gemacht.
In einer der nächsten Fortsetzungen berichte ich, wie wir mit Peter Öfelein, unserem Partner für PM bei der Siemens AG, die Versionsplanung auch ganz “scrum-mäßig” gemacht haben.
RMD
Die nächste Veranstaltung im IF-Forum der InterFace AG wird am
Donnerstag, 13. November 2008
ab 17:00 in Neuperlach (München) stattfinden.
IF-Forum findet dreimal im Jahr statt. Im IF-Forum treffen sich Kunden, Partner, Mitarbeiter und Freunde der InterFace AG. Unsere Gäste kommen aus Wirtschaft, Forschung, Technik und Politik. Im Mittelpunkt eines jeden IF-Forums steht ein kompetenter Referent, der zu einem aktuellem Thema berichtet. Nach dem Vortrag findet ein zwangloses Dinner in entspannter Atmosphäre statt, das von unseren Gästen regelmäßig zu einem anregenden Gedankenaustausch genutzt wird. Oft entwickeln sich sehr spannende Diskussionen.
Nach den Vorträgen von Herrn Dr. Simon Grand (RISE St. Gallen) im Frühjahr und Herrn Dr. Klaus-Jürgen Grün (PhilKoll Frankfurt) ist dies der dritte und letzte Vortrag im IF-Forum des Jahres 2008. Im Februar 2009 planen wir die Reihe mit einem Vortrag von Herrn Heribert Prantl fortzusetzen.
Als Referent für den 13. November konnten wir Herrn Jörg Schindler gewinnen. Herr Schindler ist Geschäftsführer der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH (http://www.lbst.de/). LBST ist der strategische Berater für nachhaltige Energie- und Verkehrssysteme.
Herr Schindler wird in seinem Vortrag verschiedene Themen kritisch untersuchen und eine Reihe zentraler Fragen beantworten:
- Peak Oil ” ist jetzt! Wir erleben gerade einen singulären Strukturbruch.
- Was ist die künftige Rolle der übrigen fossilen/nuklearen Energieträger (Kohle, Erdgas, Uran)?
- Was erwartet uns? In den nächsten 2 Jahrzehnten beginnt die Transition in ein postfossiles Zeitalter.
- Wie kann eine Zukunft ohne fossile Energieträger aussehen? Die Folgen für Lebensstile, Wirtschaft und Mobilität.
Herr Schindler versteht es wie kein zweiter, diese zentralen Themen wissenschaftlich begründet und ohne ideologische Ambitionen objektiv und spannend zu berichten.
Die Plätze bei IF-Forum sind begrenzt, die Einladungen erfolgen persönlich. Wenn Sie an einer Teilnahme interessent sind, bitte ich Sie, sich an Carola Muck (carola.muck@interface-ag.de) oder mich (roland.duerre@interface-ag.de) zu wenden.
RMD
Hier die dritte und aktuelle Etappe der InterFace-Geschichte (Übersicht):
Um die Jahrtausendwende hatten wir die Transformation vom Hersteller eines Software-Produktes zum IT-Dienstleister geschafft. Wie waren keine Produktfirma mehr, sondern ein Dienstleistungsunternehmen.
In 2007 haben wir Dr. Christof Stierlen kennen gelernt, heute ist er bei uns als vierter im Bunde im Vorstand. Gemeinsam haben wir eine strategische Auszeit genommen, versucht über den Tellerrand des Alltagesgeschäfts hinaus zu sehen und nach vorne zu denken. Das war anstrengend und hat trotzdem viel Spaß gemacht. Wir haben unser Geschäft analysiert und versucht, aus unserer Geschichte zu lernen. Dann haben wir unsere Werte aufgeschrieben, unsere Assets geprüft und intensiv über die Zukunft unseres Unternehmens nachgedacht. Wir haben gelernt, dass wir alle im Unternehmen Menschen mit unterschiedlichen Erwartungen, Bedürfnissen und Interessen sind. Gemeinsame Werte verbinden uns. Drei zentrale Fragen haben wir versucht zu beantworten: Warum ist für uns InterFace so wichtig, was ist unser Geschäft und und wie gestalten wir das Unternehmen?
Warum ist uns InterFace so wichtig?
In der heutigen Zeit scheint die Generierung von “Shareholder Value” das priore Ziel von Unternehmen zu sein. Unternehmen werden oft als „steuerbare Maschinen“ gesehen, das Managements muß Profit und Umsatz mehren. Wir sehen das anders, dies übrigens schon lange vor der “Weltfinanzkrise”. Unternehmen sind keine Profitmaschinen, sondern “soziale Systeme”. Menschen dürfen nicht eindimensional als Ressource betrachtet werden.
Unternehmen brauchen eine Sinngebung. Wichtig ist, zu überleben, um die eigene Kultur weiter entwickeln zu können. Wie lange soll InterFace leben? Ewig? Die InterFace gibt es jetzt 25 Jahre. Wenn wir so wirtschaften, dass wir noch mal so lange leben, dann ist das schon mal gut. Und in 10 Jahren sehen wir weiter.
Wir wollen erfolgreich überleben, unsere Unternehmenskultur selbst bestimmen und das Unternehmen unabhängig und eigenverantwortlich weiter entwickeln. Und in 2007 - das erste Mal in der Firmengeschichte - haben wir uns vorgenommen, für ein paar Jahre klug und kräftig zu wachsen, einfach um stark zu sein. Im Wachstum wollen wir uns selber treu bleiben. In 2008 hat beides gut geklappt. Draumen drücken, dass es so weitergeht.
Kaufmännisch müssen wir solide bleiben. Über die Jahre haben wir immer nur einen Teil des Gewinns ausgeschüttet und 1 Million EURO an Rücklagen aufgebaut. So verfügen wir über eine Kapitalisierung von gut 2 Millionen Euro, das ist mit über 25.000 EURO Eigenkapital pro Mitarbeiter eine im Vergleich zum Branchendurchschnitt herausragende Kapitalisierung. Und eine vernünftige Dividende hilft uns, die Treue unserer Aktionäre zu behalten.
Was ist unser Geschäft?
InterFace ist zum Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen mutiert. Wir organisieren unser Geschäft in drei Geschäftsfeldern und treiben drei Themen: IT-Organisation, IT-Infrastuktur und die Entwicklung von IT-Applikationen. Diese drei Themenfelder ergänzen sich vorzüglich. Wir entwickeln unser Dienstleistungsangebot nicht im Reagenzglas oder lesen es aus der Glaskugel, sondern orientieren uns streng an den Bedürfnissen, die wir am Markt feststellen. Man nennt das eine “market driven” Strategie.
Wie gestalten wir das Unternehmen?
Die zentralen Begriffe unserer Unternehmenskultur sind Freiheit und Klarheit. Unter Freiheit verstehen wir, im Unternehmen einen angstfreien Raum zu schaffen, der es uns allen ermöglicht, uns weiter zu entwickeln. Weiterentwicklung wünschen und fordern/fördern wir auch jenseits der fachlichen Dimension. Wir versuchen, bei InterFace eine „Stätte der Entfaltung“ zu realisieren, die im Vergleich zu „normalen“ Unternehmen ungewöhnliche Optionen anbietet. Klarheit bedeutet, dass jeder Mitarbeiter genau weiß, was er zu tun und zu lassen hat. Klarheit führt zu einfachen Regeln, die in der Firmenkultur verankert sind und quasi automatisch gelebt werden.
Eine wichtige kaufmännische Regel ist, dass alle Kostenstellen schwarz sein müssen. Ausnahmen müssen beabsichtigt oder gut begründet sein und zeitnah beseitigt werden. Dies ist eine harte Regel, sie hilft aber zum (guten) Überleben.
Jetzt suchen wir Informatikerinnen und Informatiker, die zu uns passen, um die gute Entwicklung von 2008 in 2009 und 2010 fortzusetzen.
Soweit der Bericht zur aktuellen Etappe der InterFace AG.
RMD
Und noch eine Geschichte aus der Zeit kurz nach der Gründung der InterFace Connection gegen Ende 1984:
Im “Office” sind wir mit einer kleinen Nebenstellenanlage, einem Kopierer, einem Faxgerät und einer Schreibmaschine der Marke “Brother” und vielen ordentlich beschrifteten Leitzordern (Postausgang, gestellte, Rechnungen, Anlagevermögen, Stundenzettel ,,,) gestartet. Die ersten Briefe schrieb die Heidi, unsere Innendienst-Chefin, “händisch” auf “ihrer” Schreibmaschine. Die Brother hatten wir vorausschauend mit einer seriellen Schnittstelle ausgestattet. Bald wurde sie an unser Sinix-System MX angeschlossen. Geschäftspost und Rechnungen wurden mit “vi” geschrieben, mit “n-roff” formatiert und auf der Brother ausgedruckt. Das war damals hoch innovativ. Auch die Heidi nutzte vi ohne Murren, der Wolf hatte ihr das Büroleben mit ein paar “Büro-Makros” in n-roff versüßt. Es war eine sehr effiziente Methode, Rechnungen und Geschäftsbriefe zu erstellen.
Aber etwas fehlte uns noch: Alle Unternehmen, die Rang und Namen hatten, verfügten über einen Telex-Anschluss. In Wikipedia steht ziemlich viel Wissenswertes zu Telex, aber auch nicht alles. Zum Beispiel, dass Telex auf einem verbindungsbasierten Protokoll aufsetzt. Man wählte eine andere Telex-Nummer, beim Verbindungsaufbau konnte ein Kennungsgeber ausgetauscht werden, dann erfolgte die Datenübertragung und anschließend wurde die Verbindung wieder abgebaut. Der Austausch des Kennungsgeber schloss Irrläufer aus - wie sie beim Telefax durch falsche Anwahl gelegentlich passieren.
Bevor ich die Übersicht über unsere 25 Jahre mit der dritten Etappe fortsetze, eine kurze Geschichte aus der Startzeit:
Kurz nach der Gründung (Ende März 1984) war ein sicher geglaubter Auftrag für mich weg. Ganz kurzfristig, Anfang nächste Woche sollte es losgehen, Mitte der Woche wurde das Projekt gestoppt. Was tun? Wolf und ich sassen in unserem neu eingerichteten Keller-Büro und grübelten doch ein wenig über die Zukunft. Wir hatten ja nur zwei “produktive Mitarbeiter”, den Wolf und mich. Die restlichen Kollegen arbeiteten “investiv” am Produkt und an der Zukunft des Unternehmens (finanziert von Wolfs und meinen Einnahmen).
Aber wir hatten viele Freunde und teilten diesen unser Unglück mit. Und dann passierte es: Freitag Abend zu später Stunde rief mich der Rudi Schragl an: Da wird dringend in München ein Systemmann gesucht, der UNIX, lex, yacc, sccs, make, c und adb können muss. Der Stundensatz betrüge 150,- DM (das war viel Geld und ein Traum für uns). Und los ginge es gleich am Montag. Das hat mich gereizt. Unix, die Shell, die Werkzeuge kannte ich so halbwegs. C jedoch hatte ich noch programmiert und vom adb wußte ich nur, dass er ein Kürzel für “another debugger” war. Den Job wollte ich haben! Also: Am Wochenende büffeln!

Das war aber gar nicht so einfach. Vom berühmten Kernigan-Ritchie war kein Exemplar mehr im Büro, da die Mitarbeiter alle mit nach Hause genommen hatten. So etwas wie Internet hatten wir damals noch nicht. Der Wolf war gerade zum Wochenende in die Schweiz gefahren, die Bibliotheken geschlossen usw. Und dann fand ich es - versteckt in einer Schublade: Das C-Puzzle Buch (hier abgebildet). Ein wunderschönes Buch, dass aber vor allem zeigt, wie man es nicht machen darf! Trotzdem ein Genuss, auch heute noch!
Irgendwie habe ich dann das Interview am Montag Morgen geschafft. Die erste Woche habe ich vermieden zu programmieren und mich sehr konzentriert in die Aufgabenstellung eingearbeitet. Es war nicht so ganz einfach, meine Unkenntnis geheim zu halten. Jeden Abend ging es dann zum Wolf (den besten Computer-Sprachen-Lehrer den ich kenne) zum Üben und nachts wurde der Kernigan-Ritchie unters Kopfkissen gelegt. Nach zwei Wochen wurde C zu meiner Lieblingssprache! Endlich eine Sprache, mit der man schneller Denken als Schreiben kann (auch das bringt seine Gefahren mit sich)!
Als erstes habe ich dann für meine Module einen kleinen Testtreiber geschrieben (das war meine Übungsaufgabe in C). Hat Spass gemacht und der Erfolg war phantastisch. Meine Module waren eigentlich immer fehlerfrei, was meinem Ego (und meinem vielleicht doch ein wenig ramponierten Ansehen) sehr gut tat. Bald kamen die Kollegen zu mir, um ihre Module auch in meinem Testtreiber einzuhängen. Den adb habe ich nur selten gebraucht, immer dann wenn sich ein “Pointer-Fehler” irgendwo eingeschlichen hatte.
So einfach war das Leben in der Pionierzeit!
RMD





