Beim Vortrag von Peter Scholl-Latour zu Afghanistan war der Andrang unerwartet groß. Das Audimax der Hochschule der Bundeswehr in Neubiberg mit mehr als 400 regulären Plätzen war überfüllt. Der Vortrag wurde akustisch in den Vorraum übertragen. Dort standen zahlreiche Besucher und lauschten der Rede, die aus den Lautsprechern kam. Weit mehr als 100 Besucher konnten nicht teilnehmen und gingen wieder heim. Ich stand auch vor verschlossenen Hörsaaltüren, gemeinsam mit Freunden haben wir dann beschlossen, den Vortrag zu schwänzen und einen vergnüglichen Abend im Offizierskasino bei Bier und Currywurst mit Pommes zu verbringen. So kann ich hier nicht berichten, was Scholl-Latour gesagt hat. Sorry!

Der auch vom Veranstalter in dieser Form nicht erwartete Besucherandrang zeigt, wie aktuell das Thema Afghanistan ist. Und vielleicht wird es jetzt mit einem neuen Präsidenten der USA für uns Europäer und Deutsche bald noch aktueller werden.

Aber man muss Afghanistan auch aus einem anderen, vielleicht noch unheilvollerem Blickwinkel betrachten. Las ich doch vorgestern (7. 11. 2008) in der Süddeutschen auf Seite 11 einen unscheinbaren Artikel mit der Überschrift “Heroinkonsum in der EU nimmt dramatisch zu“. Und da stand drin, dass “die weltweite Produktion von Heroin in 2007 drastisch zugenommen hätte”. Laut EMCDDA sei “allein im Jahre 2007 ein Anstieg um 34 % zu verzeichnen gewesen”. Und für mich kaum vorstellbar: “von den insgesamt im vergangenen Jahr hergestellten 8870 Tonnen stammten 8200 Tonnen aus Afghanistan”! Ich hätte da immer auf Südamerika getippt.

Ich zitiere noch ein paar Sätze: “Die Rekrutierung neuer Süchtiger schreitet in einem Tempo voran, das einen baldigen Rückgang der Problems unwahrscheinlich macht”, “Auch bei den Todesfällen durch Drogen liege Heroin an erster Stelle”, “Jedes Jahr sterben in Europa am Drogenkonsum zwischen 7000 und 8000 Menschen” und “Das Spritzen dieser Drogen ist ein Hauptübertragungsweg des HIV-Virus und Hepatitis C”.

Was kann man dazu noch viel sagen? Sicher ist eine der Ursachen für dieses Grauen eine verfehlte Drogenpolitik in den Konsumländern. Wahrscheinlich würde eine staatlich kontrollierte Heroinabgabe an Süchtige einen Beitrag zur Entkriminalisierung des Heroingeschäfts leisten und die Situation verbessern. Und der Glanz des Heroins (und das Geschäft der Heroin-Barone) würde verfliegen, wenn man sich die Droge ganz legal auf der nächsten Polizeistation kontrolliert spritzen dürfte, sich dabei allerdings als Süchtiger “outen” müsste. Aber anscheinend ist es aus mir nicht einsichtigen Gründen unmöglich, durch eine intelligente Politik der organisierten Kriminalität die Wahnsinnsprofite zu nehmen und Drogen gesellschaftlich zu ächten.

Angesichts obiger Zeilen und Zahlen könnte man auf die Idee kommen, die Welt an Stelle des “Krieges gegen den Terror” zum “Kampf gegen die Drogen” aufzurufen. Wenn ich so rechne, ergibt sich, dass die Drogen unsere Gesellschaft und Kultur weit mehr gefährden als der “Weltweite Terrorismus”. Und dann wäre es doch fast logisch, den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan “zum Kampf gegen die Drogen” zu fordern!

Aber die Bundeswehr ist ja schon in Afghanistan und verteidigt sich dort tapfer selbst. Das Thema “Heroinanbau in Afghanistan” jedoch ist kompliziert und folgerichtig hat es der Bundestag zum Tabu erklärt. Die Bundeswehr vor Ort muss - oder darf (?) - den Anbau ignorieren. Vielleicht schützt sie den Anbau ja sogar unfreiwillig durch ihre Präsenz!?

RMD

P.S.

Der scheidende Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat anlässlich der Vorbereitung der Übergabe der Regierungsgeschäfte an seinen Nachfolger gesagt, dass “dies der erste Präsidentenwechsel seit mehreren Jahrzehnten zu Kriegszeiten” wäre. Ist das makaber, zynisch, fremd jeder Realität oder einfach dumm? Ich meine, dass wir eigentlich doch ziemlich in Frieden leben. Unser Bundesverteidigungsminister (!) spricht ja auch nur von “einer einseitigen Bedrohungslage”. :-) Das ist schön formuliert und leuchtet mir als Radfahrer ein, ich muss ja nur an die Autofahrer denken, wenn ich auf einer Landstraße unterwegs bin. Dann wären Autofahrer ja auch …?

Krieg sieht anders aus - so wie ich das von Menschen erzählt bekommen habe, die den 2. Weltkrieg erlebt haben oder in Vietnam dabei waren. Und wie gering sind die von Terroristen angerichteten Schäden im Verhältnis zu dem Kollateralschaden, den unsere Zivilisation täglich verursacht und den wir alle billigend in Kauf nehmen, wie eben Drogen- oder Verkehrsopfer und vieles mehr. Dies soll aber keine Verniedlichung des Terrorismus sein. Terrorismus ist eine solche Form des Wahnsinns, dass es keinen, aber auch gar keinen Grund gibt, ihn nicht schärfstens zu verurteilen.

Da kann ich nur noch auf zwei Lieder hinweisen: “Imagine” und “Give peace a chance” (Vorsicht Musik!) von John Lennon. Und vielleicht auch noch zum Nachlesen die Wikipedia-Einträge: “Imagine” und “Give peace a chance“.

Seit einem halben Jahr darf ich bei Manage&More mitmachen, einer Aktivität von unternehmerTUM. Ich übe mich dort in der Rolle eines Mentors und habe einen Mentee. Bis vor kurzem wusste ich gar nicht, was ein Mentee ist, mittlerweile bin ich selber ein Mentee und zwar in Sachen Wikipedia. Das ist aber eine andere Geschichte.

Mein Mentee heißt Michael, er passt also auch vom Namen gut zur Überschrift. Michael ist ein sympathischer und authentischer Typ, früher hätte man gesagt, “einer mit dem man Pferde stehlen gehen kann”. Alle 4 - 6 Wochen treffen wir uns und sprechen über ein vorher vereinbartes Thema. Mal berichtet der eine und der andere spiegelt und fragt nach und mal machen wir das anders herum. So lernen wir voneinander einiges. Zum letzten Treffen hat Michael mir eine E-Mail gesendet: “Lass uns doch mal über Motivation sprechen!?” Das Thema hat mich angesprochen. Denke ich doch oft selbst genug darüber nach, wie meine Motivationslage so ist und warum ich für manche Themen gar nicht zu motivieren bin. Vorbereitet hab ich mich auf das Treffen zu erstmal mal, in dem ich - wie fast immer - den Begriff in Wikepedia gesucht habe. Da stand einiges zu Motivation drin. Ich habe es ausgedruckt, es waren 13 Seiten - und in der Tat war kaum etwas Falsches oder wirklich Unwichtiges dabei.

Michael wollte über Motivation mit mir sprechen, weil ihm in einem Feedback-Gespräch zurück gemeldet wurde, dass er ab und zu in Besprechungen seine Unlust zu gewissen Themen nicht verbergen könne und durch dieses “Fehlverhalten” die anderen Teilnehmer der Besprechung demotivieren würde. Und wie alle anständigen Menschen hat er zuerst die Schuld bei sich selbst gesucht. Aber Heucheln ist nun mal gar nicht so sein Ding.

Die spannende Frage war: Was soll man machen, wenn man in einer Besprechung an einem Thema mitwirken muss, das einem völlig unsinnig erscheint, man aber aus irgendwelchen Sachzwängen dabei sein muss. Ich glaube, das passiert uns allen hin und wieder - und wahrscheinlich in größeren Organisation noch häufiger als in kleinen.

Soll man dann heucheln, das Desinteresse verbergen und einfach aufs Tempo drücken, damit die grausame Besprechung schnell zu Ende geht und man sich dann ganz schnell wieder seinen wichtigen und geliebten Aufgaben widmen kann? Oder soll man den anderen Beteiligten ehrlich sagen, das man das Thema für nicht relevant hält, die eigene Beteiligung deswegen eh nicht zielführend wäre und dann die Besprechung mit einem freundlichen “Das könnt Ihr ohne mich ja eh viel besser, ruft mich an, wenn ihr das Thema durch habt!” verlassen?

Eine andere Idee: Man könnte sich auch das ungeliebte Thema zu eigen machen und sich die Frage stellen, welche Bedingungen denn erfüllt sein müssten, damit man es selber auch für sinnvoll erachten kann? Dann würde man sicher gute Argumente finden, die man trefflich einsetzen könnte oder die aber den eigenen Standpunkt verändern würden.

Wenn man aber wirklich der Meinung ist, dass das Thema absoluter Blödsinn ist, dann müsste man doch die Zivilcourage aufbringen, dies zu formulieren und einen innovativen Verbesserungsvorschlag zu machen - auch wenn man vor der Macht von entpersonalisierten und sich verselbstständigten Systemen resigniert hat und keine Chance sieht, etwas positiv zu wenden.

Wie man sieht, das Problem ist nicht einfach. Ich glaube, dass Heucheln und “Gute Miene zum bösen Spiel machen” die schlechteste Empfehlung ist.

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Die schönste Zeit bei Siemens habe ich am Standort Hofmannstraße in einem ausgelagerten Labor verbracht. Siemens platzte damals aus allen Nähten, deshalb wurden im Umfeld der Hofmannstraße zahlreiche Büroräume angemietet (und dabei wahrscheinlich auch aus Wohnungen Büros gemacht). Dort startete ich nach Abschluss meines Mathematik-Studiums in fester Anstellung als SW-Entwickler bei der Siemens AG im Bereich Datenverarbeitung im Werk für Systeme in der Datenfernverarbeitung. In Kurzform hieß meine Abteilung UB D WS DF 131. Über mir gab es inklusive des Vorstandes 9 Führungsebenen (heute meine ich, dass das gar nicht so schlecht war - von den tollen flachen Führungsstrukturen bin ich gar nicht mehr so überzeugt. Aber das ist ein anderes Thema). Drei meiner Chefs kannte ich persönlich, das waren Herr Henning, Herr Jilek und Herr Obst, die auch alle drei in der Ortenburgstraße ihr Büro hatten. Das Wachstum von Siemens war zu dieser Zeit unheimlich stark. Laufend strömten junge Kollegen aus ganz Deutschland zu uns, so dass ich schon nach einem Jahr zu den alten und erfahrenen Kollegen gehörte.

Wir hatten Glück, unser Softwar-Labor war in der Ortenburg-Straße. Von außen sah das Gebäude aus wie ein Wohngebäude, innen war es richtig gemütlich. Es gab zwar keine Parkplätze - und die Mega-Parkplätze der Siemens AG waren ziemlich weit weg - aber das machte mir nichts, weil ich damals gerade wieder in die Fraktion der Radfahrer gewechselt war (Die Staus auf der Fürstenrieder Strasse waren sehr unerfreulich). Drei Kollegen habe ich damit angesteckt, die sind dann auch nicht mehr mit dem Auto ins Büro gefahren. Einer davon hat sich ein besonders schweres Holland-Rad gekauft und gemeint, dass würde ihn mehr anstrengen und wäre deshalb gesünder.

Obwohl Programmierer hatten wir zu Beginn noch fast keine Computer im Büro, aber Kaffeemaschine und Kühlschrank. Das erstere war möglich, weil wir damals nur auf speziellen Assembler-Formularen programmierten. Ein Programm wurde gründlich durchdacht, dann ordentlich in spaltenorientierte Formulare eingetragen. Nach gründlichem Code-Reading wurde es vom Botendienst abgeholt und von einem speziellen Lochkartendienst (der war damals schon “outgesourced”) gestanzt. Getestet wurde im Feurich-Bau (das war das Gebäude einer ehemaligen Keks-Fabrik mit echtem “Loft-Charakter” im nördlichen Teil des Geländes an der Hofmannstraße), da war unser Versuchsfeld und da standen die ganz neuen DUETs und BS2-Systeme. Und wenn wir einen Fehler hatten, den wir nicht auf Anhieb lokalisieren konnten, dann produzierten wir einen Dump (so ein PDN-Dump hatte schon eine Höhe von deutlich mehr als 20 cm und das Schnelldrucker-Papier war ganz schön schwer). Die Dumps wurden im Rechenzentrum ausgedruckt und dann in die Ortenburgstraße gefahren. Es sah schon lustig aus, wenn wir zu dritt - alle im Anzug mit Krawatte, das hat sich auch erst später gelegt - im Zimmer in den Dumps wühlten.

An Kühlschrank und Kaffeemaschine erinnere ich mich gut, weil es durchaus eines kleinen Aufstandes bedurfte, um so etwas mit ins Büro bringen zu dürfen. Ich glaube, dass unsere damaligen Chefs da doch ein paar Augen zu drückten. Kühlschrank und Kaffeemaschine waren potentielle Brandherde und so ein enormes Sicherheitsrisiko. Aber es waren Symbole einer neuen Freiheit auch im Arbeitsleben.

Die geniale Ergänzung war der Bäcker im Erdgeschoss unseres Gebäudes. Da duftete es immer so gut, dass wir immer öfters auf den Gang in die Kantine verzichteten. In dieser Zeit kam ich auch das erste Mal mit einer Betriebsversammlung in Kontakt. Ich als Neuling fragte meine Kollegen, was das wäre. Die lapidare Antwort war, dass man darauf gut verzichten könnte. So habe ich das dann auch gemacht. Später war ich einmal dabei, meine Kollegen hatten zweifelsfrei recht.

Dafür gab es bei Siemens tolle Vorträge, fachlich und gesellschaftlich, da lohnte es sich hinzugehen. Ein Kollege war Mitglied der Siemens-Laien-Bühne, den haben wir dann bei seinen Auftritten im Siemens-Casino besucht. Mit unserem Chef sind wir ab und zu im Siemens-Sport-Gelände gejoggt - er wollte seine Mitarbeiter immer fit halten. Irgendwie war das schon so etwas wie die Siemens-Familie.

Fachlich war auch einiges zu tun. Am Anfang gab es keine Manualredaktion und keine eigene Qualitätsabteilung. Im kleinen Team (ich meine auch ziemlich scrum-mäßig) pflegten wir die letzte Version, entwickelten eine aktuelle Version und planten die Funktionalität und Realisierung der nächsten. “Nebenbei” schrieben wir Manuale und berieten unsere Kunden, sprich Kollegen die mit unserer Software (Transdata und PDN inklusive KOGS und APS und manches mehr) aufregende Großprojekte wie ITS, START, DISPOL und viele weitere realisierten. Wir waren damals unheimlich produktiv - und oft wurde es abends auch ziemlich spät. Obwohl wir immer pünktlich um 7:30 da waren (das war unsere Schicht, es gab zwei weitere, die um 7:10 und 7:50 begannen, dies diente der Entflechtung des Anfahr- und Abfahrverkehrs), ging kaum einer von uns um 16:15 heim. Stechuhren oder ähnliches gab es auch nicht, wir arbeiteten eigenverantwortlich und schauten, dass wir unsere Arbeit im Team schafften und gingen heim, wenn wir meinten es würde passen.

Mir fällt da nur das Lied (Vorsicht Musik!) “Those were the days my friends!” von Mary Hopkin (1968) ein …

RMD

Ja, es ist gar nicht so einfach in so einem Blog zu schreiben. Ideen habe ich viele. Ob die Ideen immer gut sind, ist für mich nicht einfach zu entscheiden. Das kann früh morgens um vier ganz anders aussehen als nachmittags um fünf. Ebenso schwankt meine Bewertung in dem, was für meine Leser interessant sein könnte - und was nicht.

Der Versuch, trotz einer klaren und vielleicht einseitigen Position einen halbwegs neutralen “Point of View” zu finden, wird gelegentlich zum Drahtseilakt. Wenn ich an den Themen emotional hohen Anteil nehme, steigt meine eigene Unsicherheit. Je wichtiger mir ein Thema ist, desto unzufriedener bin ich oft mit dem Ergebnis meines Schreibens. Ich habe Angst, Blödsinn zu schreiben. Das Ziel, Dinge klar zu machen und (vielleicht nur vermeintliche) Erkenntnisse zu vermitteln, führt oft zu einer plakativen Sprache. Ab und zu schleichen sich falsche Aussagen ein. Wenn schmerzhafte und persönliche Erfahrungen beteiligt sind, gerate ich in Gefahr, Menschen oder gesellschaftlichen Gruppen Unrecht zu tun. Das ist nie meine Absicht. Und passiert sicher trotzdem ab und zu.

Wenn ich mich bei solchen Fehlleistungen ertappe, dann bessere ich meine Beiträge “heimlich” nach. Sollte sich trotz allem ein Leser persönlich oder als Gruppe verletzt fühlen, dann bin ich immer bereit, meine Aussagen zu korrigieren. Und bitte die Betroffenen um Verzeihung, gerne auch gleich an dieser Stelle.

RMD

P.S.

Den Titel dieses Beitrags habe ich von John Lennon entlehnt, dessen “in his own wrote” mich vor vielen Jahren inspiriert hat. John Lennon habe ich in meiner Jugend intensiv erlebt, mit seinem radikalen Einsatz für den Frieden hat er für mich Vorbildcharakter und unseren Respekt verdient.

Wenn ich hier auch über “G8″ schreibe, dann meine ich nicht die Damen und Herren, die sich auf den Weltwirtschaftsgipfeln zu siebt (dann heißt es allerdings G7) oder acht treffen, ein schönes Gruppenfoto machen und nebenher die Welt retten, mal vor der Klimakatastrophe und dann wieder vor der Weltfinanzkrise. Als Ergebnis hören wir schöne Worte oder hohe Zahlen. Die bei vielen Menschen um sich greifende Staatsverdrossenheit wird durch solche Treffen zwar auch nicht besser. Trotzdem sind wir froh, wenn sich die Staatsfrauen und -männer der reichen Länder treffen, denn so lange sie miteinander reden, sind kriegerische Problemlösungen weniger wahrscheinlich.

Nein, in diesem Artikel schreibe ich über Schule und Bildung. Die folgenden Sätze schicke ich voraus, um zu belegen, dass ich als Vater von sieben Kindern tatsächlich “Go to Gemba” (Kaizen) gemacht habe: die Grundschule habe ich sieben mal erlebt und die Entwicklung am Gymnasium von 1990 bis heute verfolgt. Zwischenzeitlich waren fünf meiner Kinder gleichzeitig am selben Gymnasium und haben dann mit Abitur abgeschlossen. Der sechste macht gerade Abitur und das Nesthäkchen ist im Gymnasium in der zweiten Klasse. Jetzt kommen ganz frische Erfahrungen mit dem G8 dazu. Einblick in die Entwicklung an den Hochschulen gewinne ich in Bewerbungsgesprächen wie auch durch meine Familie. Zwei meiner Kinder haben ihr Studium erfolgreich beendet, einer davon schließt gerade seine Doktorarbeit ab. Auch die anderen sind nahe am Abschluss oder gut im Studium unterwegs. So konnte ich zahlreiche Erfahrungen mit Schule und Hochschule miterleben.

Das Erstaunliche: Irgendwie haben das alle meine Kinder schulisch und später im Studium und beruflich ganz gut und ziemlich eigenständig gemacht, obwohl sie in der Grundschule nicht immer als unbedingt tauglich fürs Gymnasium eingestuft wurden. Wir hatten regelmäßig Stress mit dem Übertrittszeugnis. Es gab in der letzten Klasse der Grundschule immer Klassenkameraden, die von einem Team von Nachhilfe-Lehrern trainiert wurden wie sonst nur Hochleistungssportler und die Hürde “Übertritt” mühelos zu schaffen schienen. Ein paar Jahre später sind sie gescheitert, wie auch andere, die uns schon im einstelligen Lebensalter wie Karikaturen von Erwachsenen vorkamen. Da war dann bei den Mädchen als Hobby “Shopping” angesagt, die Buben unterhielten sich darüber, wie man mit Aktien auch ohne Arbeit reich werden könne. Man muss wissen, bei uns in der Gegend gibt es kaum Kinder mit “Migrationshintergrund”, hier leben die eher “besseren Kreise”.

Was könnten die Ursachen sein? Meine Theorie ist: Menschen werden körperlich immer früher und geistig immer später reif. Ein Grund für diese Entwicklung ist, dass die Kinder in unserer Erwachsenen-Gesellschaft nicht mehr lange genug Kind sein dürfen. Zu früh werden sie zu kleinen Erwachsenen gemacht. Kinder brauchen aber Zeit zum “Ausreifen”. Sie müssen eine Chance haben, die Lust am Lernen und Wissen aus eigenem Antrieb heraus entwickeln zu können. Wenn man das erreicht, dann ist der weitere Bildungsweg ganz einfach. Deshalb war das Anliegen von Barbara und mir, unseren Kindern möglichst lange die Kindheit zu bewahren. Von der Grundschule bekamen wir dann zu hören, dass unsere Kinder  “zu verspielt”, “zu verträumt”, “zu wenig ehrgeizig” seien oder “keine Leistungsbereitschaft hätten” (oder anderen Blödsinn).

In der Grundschule wird ein vorgegebenes Leistungssystem mit eigenartigen Benchmarking-Ritualen von manchen Lehrkräften oft sklavisch angewendet. Hier muss die Reform des Schulsystems ansetzen, beim Verständnis für die Kinder. “Unsere” Grundschule entwickelte sich dagegen über die Jahre von einem Hort des Lernens zu einer sich selbstdarstellenden Schicki-Micki-Institution. Der erfahrene Pädagoge als Schuldirektor wurde pensioniert, die neue Leitung sprach von “modernem Management” und krempelte alles nach dem Motto “außen hui, innen pfui” um. Der Schein wurde wichtiger als das Sein, nach oben galt es zu buckeln, nach unten wurde getreten. Aber das gibt es ja auch woanders.

Für die Lehrer war und ist es auch nicht einfach. Ein Lehrplan mit ganz anderen Reformversuchen wie Rechtschreibreform oder neues Multiplizieren fordert seinen Tribut. Viele verwöhnte Einzelkinder, oft einsame Opfer der Wunschprojektionen ihrer Eltern, sitzen in den Klassen und langweilen sich. Morgens werden sie von Luxuslimousinen vor der Schule ausgespuckt. Die Eltern haben bedingt durch ihr ach so stressiges Leben kaum Zeit für ihr sonst so vergöttertes Kind und kompensieren dies mit Geld. Und in der Sprechstunde werfen sie dann beim Lehrer ihre ganze Wichtigkeit in die Waagschale.

Die Gymnasien wurden schon reformiert. Bekommen haben wir ein hastig beschlossenes und auch schon nachgebessertes G8. Es wurde eingeführt, weil unsere Absolventen im internationalen Durchschnitt zu alt werden. Schuld daran ist aber nicht das dreizehnte Schuljahr. Sicher habe ich das Abiturjahr immer als verkürztes Rumpfschuljahr erlebt (ein historisches Erbe aus der Zeit, als man die Wehrpflicht von W18 auf W15 reduzierte). Die Schüler wurden im Abiturjahr nicht mehr gefordert, der männliche Teil konnte sich schon mal auf die Gammelei vorbereiten, die im darauf folgenden Wehr- und häufig auch im Ersatzdienst stattfindet. Und dadurch geht ein Jahr verloren und der Wiedereinstieg ins Lernen muss auch erst wieder geschafft werden. Das gilt natürlich nur für die jungen Männer, die nicht “clever” genug sind, den Pflichtdienst zu vermeiden. Aber so ist das mit der Wehrgerechtigkeit, wie häufig im Leben ist nicht nur der “Ehrliche” sondern auch der “Ungeschickte der Dumme”.

Auch universitäre Reformen mit neuen Abschlüssen habe die Erwartungen nicht erfüllt. Mein verehrter Professor F.L. Bauer hat zu den neuen Universitäts-Abschlüssen Bachelor und Masters mal gesagt, dass sie von Menschen eingeführt worden sind, die die Begriffe toll fanden, aber nie begriffen hätten, was sie bedeuten würden. Studiengebühren wurden auch eingeführt, aber nicht durch Stipendien für sozial schwächere ergänzt. So verzichten offensichtlich Abiturienten aus Nicht-Akademiker-Familien immer mehr auf den Besuch der Unversität, was ja auch nicht Ziel sein kann.

So ist die Bildungspolitik kein Glanzstück unserer Politik. Widersprüchliche Forderungen werden gestellt, beliebige Aussagen gemacht, müde Kompromisse geschlossen. Es gibt keine übergreifende Strategie und kein Konzept, nicht einmal der Wille zu einer klaren Reform ist zu erkennen. Und das Thema wird zwischen Bundes- und Länderhoheit zerrieben.

Wir brauchen aber dringend ein förderndes und forderndes Bildungssystem, das Menschen Werte vermittelt, die Errungenschaften einer aufgeklärten und demokratischen Gesellschaft verteidigt und vor allem den Heranwachsenden die Chance gibt, ihr Leben eigenverantwortlich zum Gelingen zu bringen. Die Lehrer müssen wieder in die Lage versetzt werden, Autorität zu zeigen und Respekt zu lehren. Und selbstverständlich müssen wir unsere jungen Menschen befähigen, auch fachlich in einer nicht trivialen Zukunft überleben zu können. So brauchen wir klare und effiziente Ausbildungslinien, in sich homogen und konsistent, von der Grundschule ins Leben oder bis hin zur Universität, und dies ohne Unterbrechungen wie Wehrdienst oder Ersatzdienst!

Aber da sind wir dann bei besonders heiligen Kuh, der Wehrpflicht. Und über die sollte man auch reden, ohne Sachzwänge und ideologische Prägung. Mir hat man seinerzeit als W18 gelehrt, dass wir “unsere” Bundeswehr für die Verteidigung unserer Demokratie und Heimat (und unserer Frauen) bräuchten. Heute soll sie weltweit den Kampf gegen den Terrorismus führen und eh nicht befriedbare Länder wie Afghanistan befrieden (und vielleicht demnächst im Inneren eingesetzt werden). Damals war die Bundeswehr eine Massenarmee, durch die Wiedervereinigung musste sie deutlich verkleinert werden und soll eine Armee von Spezialisten sein. Passt das noch zu einer Wehrpflicht?

Die Hoffnung bleibt, dass mit dem Thema “6 Jahre Grundschule” in den Koalitionsverhandlungen zur Bildung der Bayerischen Regierung ein erster Grundstein für eine neue Bildungspolitik gelegt wird. Und Gymnasien und Hochschulen besser aufeinander abstimmt werden. Und wenn man im Sinne einer kontinuierlichen und effizienten Ausbildung dann auch noch gleich über die Abschaffung der Wehrpflicht nachdenken würde, wäre das wirklich schön!

RMD

Im Rahmen des

EAA-Kolloquiums „Aktuelle Entwicklungen in Technik und Wirtschaft“

des Lehrstuhls

Elektrische Antriebstechnik und Aktorik - Electrical Drives and Actuators

von

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dieter Gerling

halte ich am nächsten Donnerstag, den 23. Oktober, einen Vortrag mit dem Thema

Informatik und Ethik – Welche Technologie bestimmt die Zukunft?

In diesem Vortrag werde ich den Einfluss der Informationstechnologie (Informatik) auf die gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung unserer Zivilisation wie auch auf alle weiteren Technologien berichten und versuchen, das “Lag” zwischen technologischer Entwicklung und ethischer Verantwortung zu diskutieren.

Der Vortrag ist für Gäste frei zugänglich. Wenn möglich ist eine Anmeldung per Email bei Dr. Hans-Joachim Koebler hans-joachim.koebler@unibw.de oder mir roland.duerre@interface-ag.de wünschenswert. Nähere Informationen zum Lehrstuhl findet man unter http://www.unibw.de/EAA.

Als Referent freue ich mich natürlich persönlich auf viele Zuhörer.

Das Kolloquium findet immer am Donnerstag statt. Hier die Themen und Termine der diesjährigen Reihe:

09.10. 18:15 Dr. Brandes Siemens AG - Nürnberg

Energieeffizienz und moderne Antriebstechnik

16.10.  kein Vortrag

23.10. 18:15 Dürre InterFace AG - Unterhaching

Informatik und Ethik – Welche Technologie bestimmt die Zukunft?

30.10. 18:15 Dr. Bierbrauer Osram GmbH - München

Die Zukunft des Lichts gestalten

06.11.  kein Vortrag

13.11. 18:15 Römelt EADS (D) GmbH - Manching

More Electric Aircraft – Elektrische Grundsysteme

20.11. 18:15 Hornickel Volkswagen AG - Wolfsburg

Innovative Antriebstechnologien bei Volkswagen

27.11. 18:15 Schindler Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH - Ottobrunn

Peak Oil und die Folgen

04.12. 18:15 Dr. Friedrich Daimler AG - Stuttgart

Anforderungen an elektr. Antriebssysteme für Kfz und resultierende Anwendungsspektren

11.12. 18:15 Stastny MTU Aero Engines GmbH - München

More Electric Engine

RMD

Sorry, ich kann es nicht lassen, irgendwie geht mir die Finanzkrise auf den Keks!

Ich habe drei Freunde, die waren Unternehmer. Alle drei sind in der Software-Branche tätig. Ihre Unternehmen waren viele Jahre auf dem Markt und haben echten Mehrwertwert geschaffen. Zwei der Unternehmen waren in Projekten sehr erfolgreich, das dritte hatte neben einem florierenden Schulungssektor ein Produkt, das technisch einzigartig und am internationalen Markt bekannt war.

Alle drei Unternehmen bekamen einen Schwächeanfall, so wie Menschen auch mal krank werden können. Die Ursachen waren im Nachhinein nicht einfach festzustellen, es war eine Kombination von äußeren Einflüssen und eigenen Fehlern, wie dies ja bei Krankheiten oft auch so ist. Die Unternehmen waren in Bayern zu Hause und deshalb folgerichtig bei einer Bayerischen Bank.

Die drei Unternehmen hatten einen schönen Kreditrahmen, den sie in der Krise zu nutzen gedachten. Bei allen dreien hat die Bank zum Beginn der Krise den Kreditrahmen als erste Maßnahme reduziert bzw. auf NULL gesetzt. Das erinnert an Mark Twain, der Banken mit Unternehmen verglichen hat, die Regenschirme verleihen und sie dann einsammeln, wenn der Regen kommt.

Von diesen drei Unternehmen hat eines überlebt, zwei gingen in Insolvenz. Arbeitskräfte und Vermögen wurden zerstört, private Sicherheiten und Bürgschaften eingefordert. Zweien meiner Freunde wurde von der Bank eher zynisch mitgeteilt, dass das Geschäft halt so sei und man da nichts ändern könnte.

Jetzt macht eine Bank pleite. Aber die Regeln, die Banken bei anderen Unternehmen schulterzuckend anwenden, gelten nicht für Banken. Der Staat muss zahlen, weil sonst die “internationale Finanzwelt” bedroht wäre. Und so beginnt ein sich selbst verstärkender Regelkreis der Erpressung. Und heute steht in der Süddeutschen, dass jetzt “alle Banken gerettet werden wollen”.

Ich meine, man hätte es darauf ankommen lassen und die “Hypo Real Estate” in Insolvenz gehen lassen sollen (Es ist ja eh nur eine “Rettung bis auf weiteres”), genauso wie man das üblicherweise mit kleinen mittelständischen Unternehmen macht. Die werden dann ja auch noch längere Zeit “in Konkurs” weitergeführt. Die Kurse wären gestern wahrscheinlich auch nicht deutlicher gefallen. Die Börse schert sich nicht darum, was Politiker machen, sie versucht Entwicklungen von morgen voraus zu sehen.

Ich persönlich fürchte Katastrophen, Krieg und Krankheit mehr als eine Bankkrise. Und die immer noch 5000 Verkehrstoten (und viel mehr Schwerverletzte) nur in Deutschland, die wir nicht zu letzt aus Bequemlichkeit und wegen eines falsch verstandenen Begriffs von Freiheit akzeptieren, machen mich mehr betroffen als der Zerfall der “internationalen Finanzwirtschaft”.

Ich schließe meinen Beitrag mit der Prophezeiung des kanadischen Stammes der Cree:

„Erst wenn der letzte Baum gerodet,

der letzte Fluss vergiftet,

der letzte Fisch gefangen ist,

werden die Menschen feststellen,

dass man Geld nicht essen kann.“

RMD

P.S.

EIn Nachtrag sei mir noch gestattet: Auch die Klimaentwicklung und die massive Zerstörung der Umwelt auf unserem Planeten macht mit weit mehr Sorgen als die “Weltfinanz-Krise”.

Am 10.09.2008 am Vormittag ist die “größte Maschine aller Zeiten“, der LHC von Cern an der Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz in Betrieb gegangen. Die Medien waren voller Weltuntergangsgedanken, zahlreiche Menschen hatten ein ungutes Gefühl wegen der von (unseriösen ?) Kritikern als möglich bezeichneten “Schwarzen Löcher”. Die “größte Maschine aller Zeiten”, die letzten Endes auch von unseren Steuergeldern bezahlt wurde, hat nur kurze Zeit funktioniert. Mehr habe ich auch nicht erwartet. Wie soll die größte Maschine der Welt in einer Zeit störungsfrei laufen, in der man es nicht mehr schafft, die Züge pünktlich fahren zu lassen? Die Reparatur des LHC soll ein halbes Jahr dauern. Aus meiner Projekterfahrung rechne ich deswegen mit einer Wiederaufnahme in frühestens einem Jahr, solange bleiben wir von solchen “Schwarzen Löcher” auf jeden Fall verschont.

Heute, keine drei Wochen später, hat keiner mehr Angst vor dem LHC. Jetzt sorgen wir uns um eine ganz andere Art von “Schwarzen Löchern”. Die treten ganz plötzlich auf und verschlingen gestern 35, heute 50 und morgen vielleicht 100 Milliarden EURO. Keine Angst, ich mache jetzt keine Rechnungen wie im letzten Post zum selben Thema, um zu zeigen, wie viel Geld das ist.

Es gibt eine weitere Superlative, die mich beeindruckt: Gestern hat sich die Bundesregierung zur “größten Bürgschaft aller Zeiten” verpflichtet. Obwohl das ja nur mündlich stattgefunden hat und vor allem “psychologisch” gemeint war - und vielleicht auch nur Teil des kommenden Wahlkampfes ist - finde ich es bemerkenswert. Einer der größten Schuldner weltweit bürgt für einen Betrag, dessen Höhe er nicht kennt. Und wie die Bürgschaft im Detail aussehen soll, weiß er auch nicht.

Ich kenne ein paar Frauen, die haben für Ihren Mann gebürgt. Einige davon sind heute beides los, ihren Mann und ihr Geld. Zum Teil kämpfen sie um ihre Existenz. Ich meine, man sollte Bürgschaften ernst nehmen, gerade als Regierung und nicht so einfach mal kurz am Sonntag Nachmittag mit zwei dürren Sätzen eine Bürgschaft aussprechen. Die Glaubwürdigkeit von Politik und Demokratie erhöht ein solches Vorgehen bestimmt nicht.

Und vielleicht hat die CSU letzte Woche so viel Stimmen verloren und die SPD auch so schlecht abgeschnitten, weil die Menschen die Nase voll von einer großen Koalition haben, die Themen in einer Art und Weise aussitzt, wie wir dies nur vom “Schwarzen Riesen” kannten. Und zeitgleich mit der Ankündigung der Bürgschaft wird eine wesentliche Erhöhung der Krankenkassenbeiträge als Folge der “Gesundheitsreform” bekanntgegeben. Die Einführung des Bundesgesundheitsfonds (was für ein Wort) macht es notwendig. Dies, obwohl es Ziel der Reform war, die Anteile der sozialen Nebenkosten an den Gehältern zu senken.

Und wenn ich dann auch noch höre, dass die grosse Koalition sich nach Monaten des hin und hers ganz plötzlich geeinigt hat, den Einsatz der Bundeswehr auch im Inneren zu ermöglichen, auch das wieder ohne jede Detaillierung des Vorhabens, dann komme ich auf einen ganz komischen Gedanken: Fürchtet die große Koalition jetzt schon einen Volksaufstand, den sie mit der Bundeswehr niederschlagen will?

Aber nein, das kann nicht sein, wahrscheinlich habe ich nur schlecht geträumt.

RMD

Schon viele Jahre nutze ich Wikipedia. Immer wenn ich eine technische Abkürzung nicht verstehe oder wissen möchte, wie Dinge in der IT (oder am Fahrrad) funktionieren, dann schaue ich kurz mal nach und bin meistens anschließend um einiges klüger. Und kann dann sogar mit unseren Experten mithalten. Wenn ich nach geographischen oder geschichtlichen Informationen suche, etwas über eine relevante Person erfahren will, eine Frage zur Kunst oder Kultur habe oder ein Fremdwort nicht verstehe, dann schaue ich in Wikipedia nach. Wenn ich meine Energiekosten optimieren will, schaue ich in Wikipedia nach. Sogar für den Fußball-Fan ist Wikipedia eine Goldgrube. Oder - oft suche ich etwas in Google, und siehe da, ganz oben steht der Link zum Begriff in Wikipedia. Praktisch.

Bei einem meiner ersten Managementseminare habe ich gleich mehrere Unternehmensführer kennengelernt, die bereit waren, für die Freiheit zu sterben. Nur konnte keiner von ihnen den Begriff Freiheit vernünftig definieren. Ich konnte Freiheit auch nicht definieren, aber zumindest habe ich es abgelehnt, für die Freiheit zu sterben. Seitdem bin ich vorsichtig geworden. Bevor ich einen Begriff wie Freiheit verwende, schau ich lieber in Wikipedia nach. Und fast immer werde ich fündig und habe großen Nutzen. Auch wenn ich einen Vortrag über Informatik halte, besuche ich vorher lieber Wikipedia und schau nach, wie dort Informatik definiert ist. Es hat noch nie geschadet.

Seit einiger Zeit mache ich auch aktiv bei Wikipedia mit. Zuerst habe ich nur regelmäßig “geputzt”. Zum Beispiel steht unser Autor Ulf Posé (wie auch unser Autor Klaus-Jürgen Grün) im Wikipedia. Im Artikel wird er immer richtig geschrieben, bis auf einmal, da stand der Ulf nur als Pose da. Das habe ich dann behoben, ist zwar nur eine “peanut” (wie ein Banker sagen würde), aber ich war stolz darauf, hin und wieder solch kleine Beiträge erbringen zu können.

Später habe ich mich getraut, Ungenaues und Unrichtiges zu überarbeiten. So stand z.B. in dem Softlab-Artikel (jetzt heißt Softlab ja Cirquent) in Wikipedia, dass das Unternehmen Softlab von “Klaus Neugebauer und Gerhard Heldmann” gegründet worden wäre. Da ich weiß, dass mein Freund Peter Schnupp bei der Gründung von Softlab von Anfang an dabei war, habe ich den Artikel verbessert auf  “gegründet von Klaus Neugebauer, Gerhard Heldmann und Dr. Peter Schnupp”.

Und so ging es weiter. Am 24. September 2008 um 11:04 bin ich dann Mitglied bei Wikipedia (Kennung “Dürre”) geworden und habe mich seitdem intensiv mit dem System und seinen Inhalten beschäftigt. Das dort herrschende Tempo wie die Masse und die Qualität haben mich schier erschlagen. Ich bin Teil einer neuer Welt geworden. Plötzlich erkenne ich neue Zusammenhänge, die mir bisher fremd waren. Ich erlebe eine völlig neue Internet-Erfahrung. Das ist natürlich ein Thema für unseren Blog.

Von Wikipedia bin ich mehr als je begeistert. Es nicht nur eine Enzyklopädie, auch wenn die Hüter des Wikis (zurecht) mit äußerster Strenge versuchen, diese zu bewahren. Wikipedia ist zum technischen Nachschlagewerk, zur allgemeinen Wissensbasis, zur Sammlung von Begriffserklärungen, zum “Who is who” von Unternehmen und Persönlichkeiten und zu vielem mehr geworden. Vieles war von den Vätern des System nicht gewollt, macht aber trotzdem Sinn. Wikipedia ist ein geniales System, dass lebt und sich faszinierend weiterentwickelt.

Mittlerweile habe ich eine eigene Benutzerseite (keinen Eintrag über meine Person) und einen kompetenten und sympathischen Mentor, der sich klasse um mich kümmert (vielen Dank an Reinhard auch von hier). Und ich versuche so richtig, mit zu mischen. Ich beginne zu verstehen, welchen Wert ein “WIKI” z.B. für das Wissensmanagements eines Unternehmens haben kann. Mir geht auf, dass so etwas wie “Knowledge Management” erst mit der Technologie eines Wikis möglich wird. Deswegen bekommt auch IF-Blog eine eigene Kategorie “Wikipedia”, dort werde ich meine Erlebnisse  in der Wikipedia-Welt regelmäßig berichten. Und freue mich natürlich, wenn auch andere Autoren sich hier äußern.

In meinem nächsten Beitrag werde ich von einem (erwartungsgemäß) gescheiterten Selbstversuch berichten und im folgenden auch mit Abkürzungen wie ANR, AGF, EOD, POV, SLA, RK und auch nPOV glänzen.

RMD

Ab sofort auch als freier Wikipedia-Reporter unterwegs.

In meiner 4-Ampelgeschichte vom 29.04.08 habe ich den vielen Müll an der Strasse von Ottobrunn nach Unterhaching moniert. Seit einiger Zeit ist nicht mehr viel Müll da. Deshalb war ich bei den letzten Fahrten leicht in Sorge, dass ich Halluzinationen erlegen war und etwas Falsches berichtet hatte. Dass IF-Blog Wirkung gezeigt hat und die Autofahrer ihren Müll nicht mehr aus dem Autofenster entsorgen würde, wagte ich natürlich nicht zu hoffen.

Heute hat sich das Rätsel gelöst. Bei herrlichem Wetter sind wir mit dem Rad vom Sportpark (Haching - Erzgebirge Aue 1:1 - leider nur unentschieden aber wohl ein gerechtes Ergebnis) heimgefahren. Und so gegen 16:45 haben wir ihn gesehen, den großen Unbekannten. Ein Herr mittleren Alters - ganz in Zivil und offensichtlich aus freien Stücken handelnd - kam uns auf dem Radweg von Unterhaching nach Ottobrunn zu Fuß entgegen. In der einen Hand hatte er eine Müllzange, in der anderen einen großen Plastikbeutel, der gut gefüllt war. Und er war fleißig dabei, Müll vom Boden aufzusammeln. Jetzt weiß ich, warum ich neuerdings den Müll am Straßenrand “vermisse”.

Das war an diesem sonnigen Herbst-Samstag ein tolles Erlebnis und ich möchte dem unbekannten Müllsammler auf diesem Wege ganz herzlich danken. Ich habe mir vorgenommen, jetzt auch öfters eine weggeworfene Verpackung aufzuheben und in den nächsten Abfalleimer zu befördern.

Unsere vom 1:1 ein bisschen getrübte Laune hat sich so schlagartig gebessert. Leider war dann in Ottobrunn (in Höhe des Isar Centers) ein schlimmer Verkehrsunfall. Zwei Krankenwagen, Feuerwehr und Polizei. Ein Motorrad auf der Straße. Das hat uns dann wieder betroffen gemacht. Und uns aber auch wieder vor Augen geführt, wie gut es uns geht.

RMD

P.S.

Heute morgen (Montag, 2 Tage später) habe ich in der Zeitung gelesen, dass der Unfall glimpflich verlaufen ist. Der Motorradfahrer hatte sich nur leicht verletzt, die Krankenwagen wurden nicht benötigt. Und der Müll ist übers Wochenende auch wieder deutlich mehr geworden, alles stimmt wieder und meine Autoren-Ehre ist gerettet ;-) .