In der gegen die Bildungsphilister seiner Epoche gerichteten unzeitgemäßen Betrachtung Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben führt Friedrich Nietzsche den Begriff der „Effekte an sich“ ein. Für Nietzsche sind die “Effekte an sich” das Kriterium der monumentalischen Historie. Diese ist von eigentümlicher Attraktivität für solche Individuen, denen die Last des Daseins in der Gegenwart nur zu ertragen ist, wenn sie sich daran erinnern dürfen, dass es große Menschen mit großen Ideen und eben so großem Schaffensdrang gegeben habe. Er denkt an die Caesars, die Goethes, die Newtons. Weil es die Weltgeschichte einmal vermocht habe, solche welthistorische Individuen und ihre großen Taten hervorzubringen, sollte dies auch jederzeit wieder möglich sein.
Diese verbreitete Denkweise - so erkannte Nietzsche richtig - leidet unter einer sträflichen Vernachlässigung der Kategorie der Ursache. In dieser Vernachlässigung entsteht die Vorstellung von Effekten an sich. Sie entstehen, scheinbar aus dem Nichts. Jedenfalls ist der Mensch besessen von dem Glauben, dass er sie jederzeit selbst hervorbringen könnte. Er müsse nur ausreichend wollen.
Effekte an sich sind die von ihren Ursachen losgelösten Resultate. Sie scheinen sich souverän verschieben zu lassen. Als eine Ansammlung einzelner großer Taten und Ereignisse könne man sie festhalten, wie eine bare Münze einstreichen und nach Belieben wieder ausgeben. Es scheint, als seien sie unverursacht - nur hervorgebracht, von tatkräftigen Individuen, die sich spontan zu Großem entschlossen haben.
Nietzsche erkannte auch, dass die Vorstellung solcher Effekte an sich, solcher unverursachter Ursachen, für die Menschen einen unendlichen Nutzen haben. Dies verkennen viele Leugner des freien Willens der Menschen in Geschichte und Gegenwart. Sie übersehen, dass der Mensch die Einsicht in seine Bedeutungslosigkeit nicht ertragen kann. Sein Narzissmus sagt dem Menschen, dass er kann, wenn er nur will. Und was er will, sei nicht der Effekt am Ende einer Kausalkette, sondern die notwendige und hinreichende Bedingung für Effekte an sich. Indem der Mensch Effekte an sich hervorbringt, stärkt er seine Illusion einen freien Willen zu besitzen.
Freiheit bestimmte Immanuel Kant als die Fähigkeit, einen Vorgang von selbst anfangen zu können. Was demnach als Folge dieser Wirkung von Freiheit entsteht, sind Effekte an sich. Sie verdanken sich keiner Ursache, sondern der Wirkung einer qualitas occulta, einer Kraft, deren Herkunft und Stärke sich nicht aus vorhandenen Kräften ableiten und bestimmen lasse. Daher entziehe sie sich dem Licht der Ursachenforschung. Stets kommt also in dieser Illusion ein in Größe, Stärke und Richtung unbestimmbarer Aspekt der Freiheit zu einer menschlichen Handlung hinzu.
Einem Menschen, dem eine philosophische oder eine naturwissenschaftliche Theorie zumutet, seine Handlungen nicht mehr als Effekte an sich verstehen zu dürfen, fügt dem Individuum eine unzumutbare Kränkung zu. Denn das Individuum soll sich damit abfinden, dass es nicht gottähnlich sei. Wenn wir in unserer Gegenwart immer wieder hören, dass es unredlich sei, den freien Willen zu leugnen, dann hängt dies mit dem - meist unbewussten - Wunsch des Menschen zusammen, gottähnlich sein zu können.
Aristoteles hatte weise erkannt, dass ein treffender philosophischer Begriff für Gott der “Unbewegte Beweger”, oder die “unverursachte Ursache” sei. Allen Vorstellungen von Gott entspricht es noch heute, Effekte an sich hervorbringen zu können. Nichts weniger als das gesamt Universum ist aus der Sicht des frommen Christen oder Moslems ein solcher Effekt an sich. Denn aus freien Stücken, ohne Zwang oder an eine andere Naturnotwendigkeit gebunden gewesen zu sein, hatte Gott die Welt erschaffen. Zu seiner Macht und seiner Verfügungsgewalt über Freiheit gehörte es immer schon, die Schöpfung auch unterlassen haben zu können.
Die größte Kränkung des Narzissmus der Menschen war es stets, wenn er Angst haben musste, nicht gottähnlich sein zu dürfen. In der Vorstellung vom freien Willen erlebt der Mensch diese Gottähnlichkeit am stärksten. Denn er kann sich denken, dass eine Handlung nur dadurch zustande gekommen ist, dass sein freier Willensentschluss die Handlung in die Wirklichkeit gesetzt habe. Aber die Vorstellungen von Gott lassen sich in der Gegenwart weniger und weniger verteidigen. Nirgendwo mehr darf der Mensch in der aufgeklärten Welt noch an seine Gottesähnlichkeit glauben, wenn nicht in der Vorstellung vom freien Willen. Nur unter der Bedingung, dass eine Handlung sich nicht vollständig in der Kette von determinierenden Bedingungen einfügt, ist diese Vorstellung der Gottesähnlichkeit des Menschen noch zu retten.
Daher sollten wir verstehen, warum weder philosophische Theologen noch theologische Philosophen in unserer Gegenwart bereit sein können, die Vorstellung von einem freien menschlichen Willen zugunsten einer wissenschaftlich einwandfreien Beschreibung des Zustandekommens einer menschlichen Handlung aufzugeben. Erst wenn ein gleichwertiger Ersatz von Naturwissenschaftlern angeboten wird, ist ein Fortschritt der Erkenntnis zu erwarten. Auch Naturwissenschaftler dürfen den Menschen nur sagen, wie es wirklich um ihn bestellt ist, wenn sie ihm die Möglichkeit lassen, groß von sich zu denken.
Denn wie soll der Mensch den Mut und die Kraft aufbringen, Großes zu leisten, wenn er sich dabei nicht mehr selbst groß fühlen darf? Groß für den Menschen aber sind seine Effekte an sich: unter gleichen Bedingungen wären sie niemals entstanden, wenn nicht das einzigartige, unverursachte und unerzwungene „Ich will es“ sie in die Welt gesetzt hätte.
Sorry, ich kann es nicht lassen, irgendwie geht mir die Finanzkrise auf den Keks!
Ich habe drei Freunde, die waren Unternehmer. Alle drei sind in der Software-Branche tätig. Ihre Unternehmen waren viele Jahre auf dem Markt und haben echten Mehrwertwert geschaffen. Zwei der Unternehmen waren in Projekten sehr erfolgreich, das dritte hatte neben einem florierenden Schulungssektor ein Produkt, das technisch einzigartig und am internationalen Markt bekannt war.
Alle drei Unternehmen bekamen einen Schwächeanfall, so wie Menschen auch mal krank werden können. Die Ursachen waren im Nachhinein nicht einfach festzustellen, es war eine Kombination von äußeren Einflüssen und eigenen Fehlern, wie dies ja bei Krankheiten oft auch so ist. Die Unternehmen waren in Bayern zu Hause und deshalb folgerichtig bei einer Bayerischen Bank.
Die drei Unternehmen hatten einen schönen Kreditrahmen, den sie in der Krise zu nutzen gedachten. Bei allen dreien hat die Bank zum Beginn der Krise den Kreditrahmen als erste Maßnahme reduziert bzw. auf NULL gesetzt. Das erinnert an Mark Twain, der Banken mit Unternehmen verglichen hat, die Regenschirme verleihen und sie dann einsammeln, wenn der Regen kommt.
Von diesen drei Unternehmen hat eines überlebt, zwei gingen in Insolvenz. Arbeitskräfte und Vermögen wurden zerstört, private Sicherheiten und Bürgschaften eingefordert. Zweien meiner Freunde wurde von der Bank eher zynisch mitgeteilt, dass das Geschäft halt so sei und man da nichts ändern könnte.
Jetzt macht eine Bank pleite. Aber die Regeln, die Banken bei anderen Unternehmen schulterzuckend anwenden, gelten nicht für Banken. Der Staat muss zahlen, weil sonst die “internationale Finanzwelt” bedroht wäre. Und so beginnt ein sich selbst verstärkender Regelkreis der Erpressung. Und heute steht in der Süddeutschen, dass jetzt “alle Banken gerettet werden wollen”.
Ich meine, man hätte es darauf ankommen lassen und die “Hypo Real Estate” in Insolvenz gehen lassen sollen (Es ist ja eh nur eine “Rettung bis auf weiteres”), genauso wie man das üblicherweise mit kleinen mittelständischen Unternehmen macht. Die werden dann ja auch noch längere Zeit “in Konkurs” weitergeführt. Die Kurse wären gestern wahrscheinlich auch nicht deutlicher gefallen. Die Börse schert sich nicht darum, was Politiker machen, sie versucht Entwicklungen von morgen voraus zu sehen.
Ich persönlich fürchte Katastrophen, Krieg und Krankheit mehr als eine Bankkrise. Und die immer noch 5000 Verkehrstoten (und viel mehr Schwerverletzte) nur in Deutschland, die wir nicht zu letzt aus Bequemlichkeit und wegen eines falsch verstandenen Begriffs von Freiheit akzeptieren, machen mich mehr betroffen als der Zerfall der “internationalen Finanzwirtschaft”.
Ich schließe meinen Beitrag mit der Prophezeiung des kanadischen Stammes der Cree:
„Erst wenn der letzte Baum gerodet,
der letzte Fluss vergiftet,
der letzte Fisch gefangen ist,
werden die Menschen feststellen,
dass man Geld nicht essen kann.“
RMD
P.S.
EIn Nachtrag sei mir noch gestattet: Auch die Klimaentwicklung und die massive Zerstörung der Umwelt auf unserem Planeten macht mit weit mehr Sorgen als die “Weltfinanz-Krise”.
Am 10.09.2008 am Vormittag ist die “größte Maschine aller Zeiten“, der LHC von Cern an der Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz in Betrieb gegangen. Die Medien waren voller Weltuntergangsgedanken, zahlreiche Menschen hatten ein ungutes Gefühl wegen der von (unseriösen ?) Kritikern als möglich bezeichneten “Schwarzen Löcher”. Die “größte Maschine aller Zeiten”, die letzten Endes auch von unseren Steuergeldern bezahlt wurde, hat nur kurze Zeit funktioniert. Mehr habe ich auch nicht erwartet. Wie soll die größte Maschine der Welt in einer Zeit störungsfrei laufen, in der man es nicht mehr schafft, die Züge pünktlich fahren zu lassen? Die Reparatur des LHC soll ein halbes Jahr dauern. Aus meiner Projekterfahrung rechne ich deswegen mit einer Wiederaufnahme in frühestens einem Jahr, solange bleiben wir von solchen “Schwarzen Löcher” auf jeden Fall verschont.
Heute, keine drei Wochen später, hat keiner mehr Angst vor dem LHC. Jetzt sorgen wir uns um eine ganz andere Art von “Schwarzen Löchern”. Die treten ganz plötzlich auf und verschlingen gestern 35, heute 50 und morgen vielleicht 100 Milliarden EURO. Keine Angst, ich mache jetzt keine Rechnungen wie im letzten Post zum selben Thema, um zu zeigen, wie viel Geld das ist.
Es gibt eine weitere Superlative, die mich beeindruckt: Gestern hat sich die Bundesregierung zur “größten Bürgschaft aller Zeiten” verpflichtet. Obwohl das ja nur mündlich stattgefunden hat und vor allem “psychologisch” gemeint war - und vielleicht auch nur Teil des kommenden Wahlkampfes ist - finde ich es bemerkenswert. Einer der größten Schuldner weltweit bürgt für einen Betrag, dessen Höhe er nicht kennt. Und wie die Bürgschaft im Detail aussehen soll, weiß er auch nicht.
Ich kenne ein paar Frauen, die haben für Ihren Mann gebürgt. Einige davon sind heute beides los, ihren Mann und ihr Geld. Zum Teil kämpfen sie um ihre Existenz. Ich meine, man sollte Bürgschaften ernst nehmen, gerade als Regierung und nicht so einfach mal kurz am Sonntag Nachmittag mit zwei dürren Sätzen eine Bürgschaft aussprechen. Die Glaubwürdigkeit von Politik und Demokratie erhöht ein solches Vorgehen bestimmt nicht.
Und vielleicht hat die CSU letzte Woche so viel Stimmen verloren und die SPD auch so schlecht abgeschnitten, weil die Menschen die Nase voll von einer großen Koalition haben, die Themen in einer Art und Weise aussitzt, wie wir dies nur vom “Schwarzen Riesen” kannten. Und zeitgleich mit der Ankündigung der Bürgschaft wird eine wesentliche Erhöhung der Krankenkassenbeiträge als Folge der “Gesundheitsreform” bekanntgegeben. Die Einführung des Bundesgesundheitsfonds (was für ein Wort) macht es notwendig. Dies, obwohl es Ziel der Reform war, die Anteile der sozialen Nebenkosten an den Gehältern zu senken.
Und wenn ich dann auch noch höre, dass die grosse Koalition sich nach Monaten des hin und hers ganz plötzlich geeinigt hat, den Einsatz der Bundeswehr auch im Inneren zu ermöglichen, auch das wieder ohne jede Detaillierung des Vorhabens, dann komme ich auf einen ganz komischen Gedanken: Fürchtet die große Koalition jetzt schon einen Volksaufstand, den sie mit der Bundeswehr niederschlagen will?
Aber nein, das kann nicht sein, wahrscheinlich habe ich nur schlecht geträumt.
RMD
“Geld ist nie weg, es hat nur ein anderer!”
Dies war einer der Lieblings-Sätze unseres ehemaligen Beirats Alois Wolferstetter, einem kantigen Banker aus der guten alten Zeit. Diesen Satz habe ich gerne geglaubt, kenne ich doch einige Menschen auch persönlich recht gut, die durch die “New-Economy”-Blase zu mehrfachen Millionären geworden sind und noch viel mehr Menschen, die kleinere aber auch erhebliche Summen dabei verloren haben. Und wenn damals eine Aktie eines New-Economy-Unternehmen vom dreistelligen Kurswert in den einstelligen gefallen ist, so wurden keine Werte vernichtet, sondern es war nur eine freiwillige Umverteilung aus vielen Geldbeuteln in einige wenige. Und die größten Gewinner bei diesem Spiel waren die beteiligten Investmentbanken.
Jetzt scheint es aber um andere Größenordnungen zu gehen. Am Mittwoch, den 9. April 2008, das war vor knapp einem halben Jahr, sah ich in der Süddeutschen folgende fette Schlagzeile auf der ersten Seite des Wirtschaftsteils:
Risiko von 1.000.000.000.000 Dollar
Der Übertitel war: “Internationaler Währungsfond warnt” und als Untertitel gab es zu lesen: “IWF fordert umfassende Reform der Finanzmarktregulierung” und “Kollektives Versagen”. Diese Überschrift hat mir wegen den vielen Nullen so gut gefallen, dass ich mir die Zeitungsseite aufgehoben habe.
Unser deutscher Oberbanker Ackermann hat dann im Frühsommer vom “Anfang vom Ende der Finanzkrise” gesprochen. Alle Zeichen standen auf Entwarnung. Plötzlich scheint trotzdem etwas passiert zu sein. Investmentbanken und eine Sparkasse machen pleite. Die US-Regierung will 700.000.000.000 Dollar für den Erhalt ihrer “Finanzwelt” einsetzen! Ist das jetzt der Anfang vom Ende?
Allerdings habe ich weder die Sachkenntnis noch die Lust, mich mit Theorie und Moral der Finanzwelt auseinanderzusetzen. Mir erscheint das alles sehr suspekt und unglaublich. Aber ein wenig rechnen darf ich doch.
Also beginnen wir:
1 schöner BMW kostet 50.000 EURO. Aus Gründen, die mir auch nicht klar sind, bekomme ich dasselbe Auto in USA für 50.000 DOLLAR. Das heißt für 700.000 Dollar bekomme ich (ohne Mengenrabatt) 14 BMWs. Jetzt dividiere ich die 700.000.000.000 Dollar Finanzwelt-Unterstützung durch 700.000, also den Preis für 14 BMWs. Wie leicht zu sehen sind das dann 1.000.000. Der US-Regierung könnte sich also 14 Millionen schöne BMWs für das Geld kaufen, das sie jetzt der amerikanischen Finanzwelt gibt. Ob das dann besser angelegt wäre, weiß ich auch nicht. Immerhin könnte man dann fast jedem der ca. 1.500.000 US-Staatsbürger, die in US-Gefängnissen einsitzen, 10 BMWs zur Verfügung stellen.
Interessant wäre jetzt zu wissen, wieviel BMWs das Unternehmen BMW in den letzten 20 Jahren gebaut hat?
Ich ärgere mich, weil ich den Eindruck habe, dass sich zurzeit Großunternehmen auf geniale Art und Weise zu Lasten der Allgemeinheit entschulden. Und ich weiß nicht, was es bedeutet, wenn die Finanzwelt zusammenbricht. Ist dann die DM, pardon der EURO nichts mehr wert?
Aber darum geht es mir in diesem Beitrag gar nicht, ich wollte nur mal wieder die Magie der großen Zahlen demonstrieren.
P.S.
Am Montag, den 29. September lese ich, dass auch die Deutsche Bundesrepublik mit 27 (?) Milliarden für die Hilfemaßnahmen an die Hypo Real Estate (was für ein schöner Name!) bürgen will oder muss. Das ist immerhin nach Währungsumrechnung mehr als ein zwanzigstel des aus den USA bekannten Betrages und macht pro Kopf der Bevölkerung mehr als 300 EURO aus. Was machen, wenn die Löcher größer als angenommen sind und noch weitere solche Hypo-Zusammenbrüche kommen? Da reicht dann der Börsengang der Bahn mit ca. 4 Milliarden erwarteten Einnahmen auch nicht weit. Zumindest meine ich jetzt zu wissen, warum die Wähler in Bayern gestern die beiden Parteien der großen Koalition bevorzugt nicht mehr gewählt haben.
RMD
Wieso eigentlich - Konzepte?
07.07.08
Mit diesem Eintrag möchte ich eine Reihe starten, in der ich Dinge hinterfrage, die - wieso auch immer - als selbstverständlich gelten.
Heute ziele ich dabei auf “Konzepte” ab.
Mir fällt immer wieder auf, welche Aufwände für “Konzepte” getrieben werden. Dabei hat sich z.B. in der IT-Welt mittlerweile eingebürgert, für Konzepte im Aufwand 50%-100% der eigentlichen Implementierung einzukalkulieren. (Dies gilt übrigens nicht nur für die IT-Welt. Wir lesen und hören oft genug von Unsummen für Konzepte und Studien zum Beispiel bei Bauvorhaben.)
Vor einer weitergehenden Betrachtung, sollten wir den Begriff “Konzept” im Sinne des heutigen Eintrags betrachten.
Ein Konzept ist in erster Linie ein Dokument. In diesem Dokument werden Festlegungen für die Umsetzung niedergeschrieben. Dieses Dokument erstellen in der Regel nicht die Personen, die später die Umsetzung durchführen. Dies soll vorerst für die folgende Betrachtung reichen.
Wenn also diese Dokumente die gleichen Kosten verursachen, wie eine komplette Implementierung, was ist dann der Nutzen?
Ketzerisch gefragt: Wieso sollte ich solche Dokumente erstellen?
Ohne diese Dokumente hätte ich das Geld für einen kompletten Fehlversuch in der Implementierung! Wenn man die anzunehmende Lernkurve berücksichtigt, sollte spätestens das zweite Ergebnis auch überzeugend sein. Und wenn man sieht, wie viel Zeit auch in Konzepte gesteckt wird, sollte sich ein “konzeptloses” Vorgehen auch zeitlich rechnen.
Zuerst einmal lässt man Konzepte von Fachleuten erstellen. Es soll ja etwas “Gutes” dabei rauskommen. Hierbei gilt wie so oft: Der Prophet im eigenen Land zählt nichts. Also werden externe Fachleute mit der Erstellung eines Konzeptes beauftragt oder zumindest in tragender Rolle dazugeholt.
Vielleicht bin ich naiv: Meiner Meinung nach kennen sich die Mitarbeiter in einem Betrieb am Besten mit ihrer täglichen Arbeit oder ihrem Kerngeschäft aus. Klar muss man immer auch über den eigenen Tellerrand hinausschauen. Deshalb ist mein Vorgehen bei einer Konzepterstellung, dass durchaus externe Experten Ideen und Vorgehensweisen vorstellen, das eigentliche Konzeptpapier aber ausschließlich von den eigenen Leuten verfasst wird. Die externen Experten lesen das Konzept dann abschließend Korrektur. Damit wird sichergestellt, dass eigene Mitarbeiter den Inhalt des das Konzept beschreibenden Dokumentes verstehen. Das Wissen bleibt im eigenen Betrieb.
Hier kommen wir auch zu einem der Hauptzwecke eines Konzepts: Es dient der Kommunikation zwischen den verschiedenen Rollen (Z.B. Architekt, Umsetzer, Tester). Wenn das Konzept aber extern erstellt wird, ist der Ersteller für Rückfragen bei Unklarheiten möglicherweise nicht mehr greifbar.
Der Aspekt, dass ein Konzept der Kommunikation dient, kann nicht überbetont werden. Alle Verluste, die bei der Kommunikation entstehen, schmälern den Wert eines Konzepts erheblich.
Haben Sie schon mal beim Auftrag zur Erstellung eines Konzepts die folgenden Fragen des Auftragnehmers gehört:
- “Für was brauchen Sie dass Konzept?”
- “Wie wollen Sie das Konzept weiter nutzen?”
Wenn ja, Gratulation!
Hatten Sie eine Antwort parat?
Wurden Ihre Antworten dann bei der Erstellung auch berücksichtigt?
Fast immer wird ein Konzept für “Alles” genutzt. Erstellt wird das Dokument meist als “Lektüre”, oft dazu im Word-Format. Damit ist ein Konzept nicht von Maschinen interpretierbar. Vergleichen wir hierzu mal Konstruktionspläne im Maschinenbau. Diese werden auch nicht mehr als Blaupausen in Papier weitergegeben. Längst sind es CAD-Dateien, die von modernen Bearbeitungszentren direkt verarbeitet werden. Auch die Einrichtungen zur Qualitätssicherung (Messtationen) interpretieren diese Dateien oft direkt.
Wann erzeugt ein Konzept also Mehrwert und sichert damit die Investition?
Ich habe im Folgenden eine Checkliste begonnen. Es würde mich freuen, wenn Sie mich über Kommentare zu diesem Beitrag unterstützen und wir die Checkliste zusammen vervollständigen!
Checkliste für Umgang mit Konzept
- Wurde ich gefragt, was ich mit dem Konzept später machen will
- Liegt das Konzept in maschineninterpretierbarer Form vor
- Folgt das Konzept einem Modell (Metamodell)
- Sind mehr als zwei Nutzungsformen für das Konzept vorgesehen und mit den späteren Nutzern abgestimmt (z.B. Architektur, Design, Implementierung, Test, Kommunikation Fachseite)
- Ist das Konzept iterativ erweiterbar (verfeinerbar)
Wenn Sie nicht bei allen Checkpunkten einen Haken setzen können, sollten Sie überlegen, ob Sie das Konzept wirtschaftliche gesehen überhaupt wollen/benötigen…
FSC
Als “Blogger” interessiert man sich natürlich auch für andere Blogs. Und wenn das eigene Herz mal ganz groß für die beiden führenden und traditionellen Augsburger Fussballvereine geschlagen hat, den BCA (Ballspiel Club Augsburg) und den TSV 1847 Schwaben Augsburg (siehe auch den berühmten Schwabenritter), dann stolpert man eines Tages über den FCA-Blog. Und dort lese ich dann einen Beitrag, der wohl persiflieren soll:
Verhaltensregeln für Frauen während der EM
Das finde ich dann nicht mehr lustig - obwohl ich mich selbst eher als “Chauvi” einstufen würde. Wenn ich jetzt noch ein FCA-Fan wäre, dann würde ich mich sogar ärgern. Aber glücklicherweise schlägt mein Fussballerherz seit langem nicht mehr für den “Retortenverein” sondern für die Spielvereinigung aus Unterhaching. Die haben eine sehr informative Website und einen spannenden Life-Ticker.
Die Toleranz der Fussballdamen des FCAs mit ihrem Management bewundere ich. Jetzt freue ich mich auf das DFB-Länderspiel der Frauen Deutschland gegen England am Donnerstag, den 17. Juli im Stadion am Sportpark zu Unterhaching - nur einen “Katzensprung” entfernt vom InterFace-Headquarter. Wir von InterFace werden da zahlreich dabei sein, ein volles Stadion wäre wunderschön.
Also:
Fussballfans aus Unterhaching und Umgebung, kommt möglichst zahlreich!
RMD
Es war einmal ein Steuermann, der nicht aus Deutschland war, aber aus einem mit Deutschland sprachlich verwandtem Land. Der steuerte ein ehemals deutsches Unternehmen. Er fand, dass dort eine Lehmschicht war, die aus zu weißen und zu deutschen und wohl auch zu männlichen Ingenieuren bestand.
Es war einmal ein Schreibersmann, der gerne Kommentare in Wirtschaftsteilen schrieb. Der meinte, dass die deutschen Ingenieure des selben deutschen Unternehmens über mehr als Hundert Jahre zu viel an die Patente und zu wenig an die Rendite gedacht hätten.
Ich kann das alles nicht glauben. Ich denke mir aber, wenn ich genug Patente habe, dann ist die Rendite nicht weit. Auch treffe ich viele Menschen - aus Kreta und aus der Türkei, aus Afrika, Amerika und aus Asien, aber auch aus Finnland, dem Baltikum und aus Russland. Mit denen verstehe ich mich gut und rede gerne mit Ihnen. Die sagen mir, dass die deutschen Ingenieure Maschinen bauen, die besonders zuverlässig sind. Sie glauben auch, das die Deutschen besonders gut organisieren können, sehr fleißig sind und auch die schwierigen Dinge immer gut auf die Reihe bringen. Und dass sie deshalb besonders gerne Produkte “Made in Germany” kaufen.
Darüber freue ich mich. Aber irgend etwas verstehe ich dann doch nicht. Besonders wenn man gleichzeitig überall jammert, dass es in Deutschland zu wenig Ingenieure gibt.
RMD
Das größte Schwein im Land …
24.06.08
… ist der Denunziant.
In der SZ (Süddeutsche Zeitung) vom 23. Juni 2008 im Wirtschaftsteil auf Seite 19 befindet sich ein Artikel “Online-Anzeige geplant - Finanzbehörden hoffen auf anonyme Tippgeber“. Auf der selben Seite ist auch ein Kommentar “Finger weg - Die anonyme Anzeige wegen Steuerhinterziehung ist der falsche Weg“. Leider habe ich die Artikel auf der Online-Ausgabe der SZ nicht gefunden, sonst gäbe es hier selbstverständlich einen Link.
Die Aussage des Artikels ist schlichtweg, das die Finanzbehörden Portale für anonyme Anzeigen zu Steuersündern einrichten wollen. “Die Internet-Seiten sollen so verschlüsselt werden, dass der Tippgeber nicht ausfindig gemacht werden kann” heißt es da.
Jetzt verstehe ich schon nicht, wie man übers Internet Anonymität garantieren kann, besonders wenn alle E-Mails und Zugriffe auf Web-Seiten protokolliert werden müssen und ausgespäht werden können. Aber das ist ja nur ein technisches Problem und zeigt wie unbedacht solche Aussagen sind. Anonymität würde ja auch dem “Spaßanzeiger” Tür und Tor öffen. Spaßanzeiger ist übrigens eine neue (Un-)Wortschöpfung von mir und gehört in dieselbe Wortfamilie wie Spaßbieter bei Ebay.
Auch Basisbewegungen wie Attac könnten dann ja so ein Portal einfach zu müllen. Nein, ich glaube viel mehr, dass die garantierte Anonymität auch hier wieder eine sehr relative wäre nach dem Motto: Solange anonym wie (staatlich) erwünscht!
Aber wohin führt das alles? Führen wir jetzt nach Erniedrigung (Hartz IV - ich bin absolut kein Anhänger eines ausufernden Sozialstaates und meine, dass man monetäre Unterstützung durch materielle substituieren sollte, aber ich bin sehr wohl gegen intimste Fragebögen), Überwachung und Ausspähung (Video und Online-Überwachung aber auch gekaufte Daten aus Vaduz) staatlich gefördertes Denunziantentum ein?! Bundesrepublik Deutschland - quo vadis?
Dann denke ich mir, dass wenn wir mehr Demokratie hätten, solche Dinge sehr schnell per Volksentscheid einfach aus der Welt geschafft und verboten werden würden. Und dann denke ich an die Iren, die der “Europa-Verfassung” per Volksentscheid einen Korb gegeben haben.
Und das verwundert nicht. Bürger, die über so wichtige Dinge wie eine Verfassung - auch wenn sie nur (verniedlicht?) Reformvertrag heißt - abstimmen dürfen, wollen keinen Ratspräsidenten haben, dessen demokratische Legitimation nicht einfach erklärt werden kann. Und wenn wir Europäer anderen Kulturen etwas von Demokratie und Menschenrechten vermitteln wollen, wie können wir dann erklären, dass wir unsere obersten Repräsentanten nicht direkt wählen dürfen - und ich nicht einmal weiß, ob unser Parlament diese auch entlassen kann!
RMD
Die Siemens AG steht zurzeit häufig und leider meistens negativ in den Medien. Mich berührt das, da Siemens mein erster und mich prägender Arbeitgeber war. Besonders oft wird Siemens mit dem so genannten “Korruptionsskandal” in Verbindung gebracht.
Zum Thema Korruption habe ich vor 5 Jahren gemeinsam mit Marc Borner - einem Studenten der Philosophie aus Darmstadt - für ein Seminar der Wolfgang-Goethe-Universität einen Vortrag mit dem Titel “Das Käufliche des Unkäuflichen” ausgearbeitet und bei verschiedenen Unis und Gremien gehalten. Noch heute bekomme ich Rückmeldungen, deshalb bin ich gerne bereit, das Thema zu reaktivieren und bei Interesse auch wieder vorzutragen.
Die (belegten und begründeten) Botschaften in Kurzform waren:
Gestern:
Als Kind stand ich mit glänzenden Augen auf dem “Plärrer” in Augsburg. Das schönste waren neben den Riesenrädern die Autoscooter. Die Jugendlichen, ein wenig älter als ich, trafen sich dort, die ersten Zigaretten, die ersten Mädchen …
Es war schön, groß zu werden.
Im Skooter - war das geil. Gas geben, Bremsen, andere rammen, kreischen - wunderschön.
Mit 18 der Führerschein. Das erste Käfer. Später der rote BMW mit dem stärksten Motor (damals 325i - die PS weiß ich nicht mehr).
Heute:
Auto, Auto, Auto - der Tanz um das “Goldene Kalb”. Da fährt der Opa mit Hut und Oma nach Garmisch, um mal kurz Kaffee zu trinken. Am Samstagmorgen krabbelt der Frührentner vor dem Back-Shop aus seinem Opel, um 4 Semmeln fürs Frühstück ins nahe Heim zu holen. Schicke Mütter chauffieren ihre Kinder zum Kindergarten und flitzen ins Fitness-Studio. Der Schüler der Kolleg-Stufe fährt mit seinem rostigen Golf in die Schule, die Kippe im Mund und freut sich auf den Mini Cooper zum Abitur.
Auf den Autobahnen: 180 km/h ist gar nichts, bremsen, rein in den Stau. Rauf und runter mit dem Tempo, mal 80, dann 120, dann 100 km/h. Die linke Spur gehört den Schnellen. Freie Fahrt für freie Bürger. In den Städten: Durchschnittsgeschwindigkeit um die 20 km/h, teure Parkplätze, dicke Luft. Und auf den Landstraßen - Michael Schumacher versus Niki Lauda!
Und dann knallt es wieder. Im Morgengrauen: Disko-Tote. Ein wenig Nebel oder Schnee, und schon Peng, 25 Autos verkeilen sich. Tote, Verletzte, Tränen, Trauer, Wut …
Tag und Nacht und überall Lärm und Krach. Das technische Rauschen hat gegen die Natur gesiegt. In den Autos wird geschimpft und beleidigt, am Steuer weiß jeder alles besser. Nach außen wird belehrt, gehupt und angeblinkt.
Die Autos werden immer größer, schwerer, stärker, schneller und sind besonders gut für Ausflüge ins Gelände geeignet. Die Fahrer immer dicker. Ist der Weg länger als der Karrn, dann wird gefahrn.
Die letzten grünen Flächen werden mit Aldis, Lidls, Pennies, MacDonalds, Ikeas und anderen Konsum-Tempeln und ihren großen Parkplätzen versiegelt. Die Straßen werden immer breiter, die Autobahnen dreispurig. Ampeln vermehren sich wie die Kaninchen, keiner denkt an Kosten für Betrieb und Wartung.
Und das Barrel Öl kostet heute (12. April 2008) 120 USD, der Diesel in München 1,389 EURO und bald das doppelte. Der Biosprit soll es richten, gleichwohl die Preise für Lebensmittel rasant steigen und Menschen verhungern müssen.
Morgen:
Quo Vadis?
RMD
P.S.
Das Volksfest in meiner Heimatstadt Augsburg, das im Frühjahr und Herbst stattfindet, wird Plärrer genannt.


