Fachliches IF-Forum am 24. Juni 2010
28. Juni 2010
Am Donnerstag, den 24. Juni 2010, fand bei InterFace in Unterhaching wieder ein IF-Forum statt.
Dieses Mal stand jedoch kein gesellschaftliches oder gar politisches Thema im Vordergrund, sondern ein fachliches:
“Agile Softwareentwicklung”
Dieses Thema galt es in möglichst vielen Facetten zu beleuchten.
Den Anfang machte Prof. Dr. Dr. h.c. Manfred Broy, Inhaber des Lehrstuhls Informatik IV: Software & Systems Engineering an der TU München und Aufsichtsratsvorsitzender der InterFace AG. Er betrachtete agile Softwareentwicklungsmethoden aus wissenschaftlicher Sicht. Zudem ging er die 4 Werte des agilen Manifests nacheinander durch und gab dazu jeweils seine Einschätzung basierend auf seine Erfahrung als Professor für Informatik, Mitentwickler des V-Modell XT und Revisor unzähliger erfolgreicher, aber auch nicht so erfolgreicher IT-Projekte, ab. Sein Resumé fiel geteilt aus.
Während einige Aspekte seine ungeteilte Zustimmung fanden, war er bei anderen eher geteilter Meinung. So sind aus seiner Erfahrung als Revisor unzähliger Softwareprojekte instabile Anforderungen einer der häufigsten Gründe des Scheiterns. Die Zeile “Responding to change over following a plan” empfindet er daher als durchaus problematisch.
Auch der Punkt “Customer collaboration over contract negotiation” fand nicht seine ungeteilte Zustimmung. Eine konstante Mitarbeit des Kunden im Projekt ist natürlich äußerst hilfreich, wenn man ein erfolgreiches Projekt bestreiten möchte. V.a. in seiner Tätigkeit als Revisor habe er es andererseits auch schon sehr oft erlebt, dass eine unklare Vertragssituation Anlass für Streitigkeiten war, oft auch vor Gericht. Gerade bei kleinen und mittelständischen Firmen geht es dabei schnell um Summen, die das komplette Unternehmen in Schieflage bringen können. Etwas gesunde Vorsicht sei in diesem Punkt daher durchaus angebracht.
Dies waren natürlich nur einige von mehreren Punkten. Wenn Sie auch den Rest erfahren möchten, können Sie hier die Vortragsfolien herunterladen:
Prof. Dr. Broy - Agil oder nicht agil (69)Im Anschluss daran gab uns Axel Maisch, einer der agilen Vorreiter der InterFace AG, eine Einführung in das Thema Scrum. Er erklärte die verschiedenen Rollen, Artefakte und Zeremonien, aus denen Scrum besteht und zeigte anhand des Alltags eines realen Softwareentwicklungsteams, wie diese einzelnen Zahnräder ineinander greifen und ein Team zu Höchstleistungen beflügeln können. Dazu gehören auch Werte wie “Stolz auf die eigene Arbeit”, “Agieren ohne Angst”, “Hohe stetige Qualität”, und nicht zuletzt “Üben, üben, üben” – Werte, die man heute unter dem Oberbegriff “Software Craftsmanship” kennt. Doch halt: Craftsmanship? Das hat doch was mit Handwerk zu tun. Ist die Informatik daher gar ein Handwerk? Mehr dazu später.
Hier und jetzt gibt es erst einmal die Folien zum herunterladen:
Axel Maisch - Scrum - (was) ist das alles? (72)Ich selbst war dann im Anschluss an der Reihe. Nachdem Axel bereits etwas zu Scrum erzählt hatte, wollte ich gerne etwas zu einer anderen agilen Methode erzählen, die momentan stark im Kommen ist: Kanban. Um etwas verlorene Zeit wieder aufzuholen und alle Teilnehmer möglichst pünktlich in die Pause zu entlassen, habe ich mich bewusst etwas kürzer gehalten als ich es sonst getan hätte. Zudem habe ich, um ein wenig Abwechslung zu bieten, ausnahmsweise mal nicht auf Powerpoint gesetzt, sondern ein anderes Tool verwendet: Prezi. Da es ein webbasiertes Tool ist kann ich meine Folien an dieser Stelle direkt einbinden, sodass Sie sie hier direkt ansehen können.
Nach der wohlverdienten Pause folgte Thomas Vallon mit seinem Vortrag “Ist die Informatik ein Handwerk?”. Er verglich dabei die Informatik mit dem vorherrschenden Handwerk im Mittelalter: Dem Kathedralenbau. Dieser zeigt nämlich einige erstaunliche Parallelen zu modernen IT-Projekten. Der Bau zog sich teilweise so lange hin, dass inzwischen eine ganz andere architektonische Epoche angebrochen war (z.B. Gotik statt Romanik), die noch im Bau befindliche Kathedrale daher auf einmal – obwohl die eigentliche Funktion als Gotteshaus nicht beeinträchtigt ist – erschreckend altmodisch aussieht. Ganz den agilen Werten verpflichtet wurden daher auch damals schon Pläne geändert, Teile des Gebäudes umgebaut, abgerissen und/oder wieder neu aufgebaut. Es gibt so gut wie keine Kathedrale, bei der dies nicht der Fall war.
Auch die “Ehre” der am Bau beteiligten Handwerker ist an vielen Kathedralen zu erkennen. So sind z.B. viele der Figuren in der Fassade von Notre Dame auch auf der Rückseite noch mit demselben Detailgrad wie der Vorderseite gearbeitet, obwohl dem Künstler sicherlich klar war, dass außer ihm wohl so schnell kein anderer Mensch mehr einen Blick darauf werfen wird.
Ich will an dieser Stelle aber nun nicht zu viel vorgreifen und Sie stattdessen auf das Manuskript verweisen. In seiner ihm eigenen, gründlichen Art, hat sich Thomas die Mühe gemacht, ein solches auszuarbeiten. Ich wünsche Ihnen jetzt schon viel Spaß beim Lesen – der Vortrag war wirklich exzellent. Zudem betrachtet er die IT mal aus einem ganz anderen Blickwinkel als sonst. Unbedingt lesen!
Thomas Vallon - Ist die Informatik ein Handwerk? (117)Dr. Christof Stierlen, der auf Thomas Vallon folgte, war dann bereits der letzte Vortragende des Abends. Er gab den Anwesenden einen Überblick über die Aktivitäten der InterFace AG im Bereich agiler Softwareentwicklung, den damit erzielten Erfolgen, aber auch den Herausforderungen, die auf diesem Weg zu meistern waren. Als Beispiel dienten ihm dabei einige konkrete Projekte der jüngeren Vergangenheit, in denen sich gezeigt hat, dass vor allem kurze Iterationen, an deren Ende lauffähige Software steht, Vertrauen auch auf Kundenseite schaffen, wodurch sich die Zusammenarbeit auch mit (zu Beginn noch) sehr skeptischen Kunden entscheidet verbessert hat. Zeitgleich wurden alle bekannten Fehler gezielt beseitigt und das Projekt vor der Zeit und innerhalb des Budgets abgeschlossen. Ein voller Erfolg also.
Ich hoffe Sie haben dennoch Verständnis dafür, dass wir diese konkreten Beispiele hier nicht mit veröffentlichen können und daher schweren Herzens wieder aus dem Foliensatz entfernt haben.
Dr. Stierlen - Erfahrungen mit agiler Softwareentwicklung (61)Beim anschließenden Buffet zu Ehren von Roland Dürre’s 60. Geburtstag waren die Rückmeldungen der Anwesenden durchwegs positiv. Viele fragten nach den Foliensätzen, welche wir hiermit gerne zur Verfügung stellen.
Wir hoffen Sie alle beim nächsten IF-Forum wieder begrüßen zu dürfen.
1 Kommentar zu “Fachliches IF-Forum am 24. Juni 2010”
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[...] Diese Vortragsreihe ist mittlerweile sehr beliebt. In 2010 haben wir auch unser erstes fachliches IF-Forum zum Thema “Agile Software-Entwicklung” veranstaltet. Diese Veranstaltung planen wir [...]